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Überschreitung der 20h Grenze, Freiermitarbeiter + Minijob + kurzfristige Beschäftigung

Hallo Zusammen,

folgendes Szenario:

ab dem 1. September starte ich als Freiermitarbeiter (Honorarbasis), 20h/Woche, Gehalt ca. 1000 €/Monat, mein Arbeitgeber zahlt dabei keinerlei Sozialversicherungsbeiträge.

Sowohl im September (Semesterferien) als auch ab Oktober bin ich als Student eingeschrieben. Nun würde ich gerne auch nachmittags/Abends, bzw. am Wochenende einen weiteren Job antreten.

In den letzten Tagen habe ich besonders durch die App Zenjob hier in Berlin als Kurzfristigbeschäftigter verschiedene Stellen angenommen. Neben einem Einsatz bei Zenjob (1x Woche) könnte ich mir auch vorstellen, Samstag-Abends bei einer Bar um die Ecke auszuhelfen (Minijob-450€). Bisher bin ich ich im Jahr 2021 neben den drei Einsätzen bei Zenjob noch keinerlei Beschäftigung nachgegangen. Die Stelle als Freiermitarbeiter ist auf den 31.12.2021 begrenzt. Den Minijob in der Bar würde ich ebenfalls nur bis Ende des Jahres annehmen.

Nun stellt sich für mich die folgende Frage:

Da ich bisher im Jahr 2021 kaum gearbeitet habe und ich die beiden "Nebenjobs" überwiegend in der Vorlesungsfreien Zeit (Abendstunden, Wochenende) annehmen werde, ist eine Überschreitung der 20h Grenze zulässig?

Meine Krankenkasse habe ich bereits informiert und es wurde eine studentische Versicherung für meinen Fall abgeschlossen. Mehr sorgen mache ich mir jedoch über das Kindergeld. Darf ich weiterhin Kindergeld beziehen, da ich auf das Jahr gesehen die 20-Stundenregelung in weniger als 26 Kalenderwochen überschreite?

Habt ihr vielleicht weitere Tipps und Ideen für meinen Fall. Gerade was die Kombination von den Stellen Freier-Mitarbeiter Minijob, kurzfristige Beschäftigung anbelangt. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei der Steuererklärung am Ende des Jahres etwas komplizierter werden könnte.

Ich weiß, die Frage ist etwas länger, ich würde mich jedoch sehr über eine Antwort freuen.

Beste Grüße Nils

Nils_1234: 31.08.2021 |
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  • RE: Überschreitung der 20h Grenze, Freiermitarbeiter + Minijob + kurzfristige Beschäftigung

    Hallo Nils,

    vielen Dank für deine Anfrage. 

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Student, solange du immatrikuliert bist.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Dazu ist die 20h-Regel relevant. Ein Überschreiten ist grundsätzlich also nichts Schlimmes und unter Umständen kann es sogar passieren, dass deine Abgaben bei Überschreiten dieser Grenze sogar sinken.

    Ausnahmen von der 20h-Regel sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt. Sollte eine dieser Ausnahmen zutreffen ist eine Überschreitung aber trotzdem nur an max. 26 Wochen/Jahr möglich.

    Eine ähnlich klare Regelung, wie die 20h-Regel, gibt es für Selbstständige aber nicht. Zur Ermittlung des Vorliegens eines studentischen Erscheinungsbildes (Werkstudistatus) werden deine Arbeitszeiten aus abhängiger Beschäftigung und selbstständiger Tätigkeit zusammengerechnet. Dabei werden je nach Krankenkasse bei Selbstständigen zur eigentlichen Arbeitszeit auch noch Vor- und Nachbereitungszeiten dazugerechnet und die Höhe des Einkommens betrachtet, so dass auch schon bei 15-18h pro Woche das studentische Erscheinungsbild nicht mehr gegeben sein kann. Einige Krankenkassen orientieren sich mittlerweile der Einfachheit halber auch bei selbstständig tätigen Studierenden an der 20h-Woche. Je nach Art und Umfang der jeweiligen Tätigkeiten wird hier zudem geschaut, was zeitlich und von der wirtschaftlichen Bedeutung her überwiegt. So kann es sein, dass du dich ggf. trotz abhängiger Beschäftigung als Selbstständige_r krankenversichern musst. Das kann dann der Fall sein, wenn deine selbstständige Tätigkeit im Vergleich zu deiner abhängigen Beschäftigung zeitlich und finanziell überwiegt. Da müsstest du dich bei deutlich teurer als jetzt freiwillig krankenversichern, sofern dein studentisches Erscheinungsbild nicht mehr gegeben sein sollte. Solltest du diese Werkstudi-Grenze aber nicht überschreiten (weil bspw. entsprechende Ausnahmen zutreffen), bleibt es zunächst mal bei der studentischen Kranken- und Pflegeversicherung, die du eh schon hast und selber bezahlen musst.

    Sofern es sich bei deinem Studium, um ein Erststudium handelt, darfst du unbegrenzt hinzuverdienen und musst nicht fürchten dein Kindergeld zu verlieren. Soweit du bereits ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, kann das Kindergeld weiterhin während einer zweiten Ausbildung bezogen werden, wenn keiner anspruchsschädlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen wird (hier würde die 20h-Grenze wieder relevant werden).

    Als Selbstständiger musst du dich beim Finanzamt anmelden und bist selbst für deine Sozialversicherung zuständig. Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden. Je nach konkreter Tätigkeit könnte deine selbstständige Tätigkeit auch rentenversicherungspflichtig sein.

    Kurzfristige Beschäftigung, Minijob und selbstständige Tätigkeit können ansonsten nebeneinander sozialversicherungsfrei bleiben. Steuerlich wird der Minijob in der Regel mit 2% pauschal versteuert. Damit fällt dieser auch nicht in den Steuergrundfreibetrag hinein. Die kurzfristige Beschäftigung wird in der Regel über die Steuer-ID versteuert (in Ausnahmen ist auch hier eine Pauschalversteuerung, allerdings von 25% möglich), damit ist hier der Steuerfreibetrag relevant (aktuell 9.744€/Jahr plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen BAföG, Steuern und Sozialversicherung noch haben, kannst du unter den Links nochmal genauer nachlesen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du dir hier genauer ansehen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Tilman

    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 13.09.2021


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