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Themen: Freiwilliges Praktikum, Werkstudententätigkeit und Abschlussarbeit im Unternehmen

Liebes Team,

ich habe ein paar Fragen, die folgende Themen betreffen:

- freiwilliges Praktikum (mindestens 3 bis 6 Monate) wöchentlich 35 bis 40 Stunden, Sozialversicherungspflicht

- Werkstudententätigkeit wöchentlich max. 20 Stunden, Sozialversicherungspflicht

- Abschlussarbeit (Bachelorthesis) in einem Unternehmen, Sozialversicherungspflicht

Derzeit bin ich auf der Suche nach einem freiwilligen Praktikum oder Werkstudententätigkeit mit anschließender Abschlussarbeit in einem Unternehmen. Aufgrund meines Alters habe ich keinen Anspruch mehr auf die studentische Krankenversicherung und bin somit freiwillig krankenversichert und bezahle dementsprechend einen höheren monatlichen Beitrag.

Nach ersten Recherchen würde ich gerne von Ihnen wissen, ob meine Annahmen korrekt sind.

Thema freiwilliges Praktikum:
Ist es gesetzlich erlaubt, ein freiwilliges Praktikum in Vollzeit während dem Studium zu machen, wenn man sozusagen ein zusätzliches Semester dafür einplant und dementsprechend keine Vorlesungen in dieser Zeit besucht?

Wenn dieses studienbegleitende Praktika mindestens drei Monate dauert, muss die Vergütung dem gesetzlichen Mindestlohn entsprechen und zwar ab dem ersten Tag? Und dadurch hat man ebenfalls die Sozialversicherungspflicht (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung)?

Thema Werkstudententätigkeit:
Generell darf man bei einer Werkstudententätigkeit während des Semesters max. 20 Stunden pro Woche arbeiten. Werkstudenten dürfen mehr als 20 Wochenstunden arbeiten, wenn sie dies ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit tun und im Laufe eines Jahres nicht mehr als 26 Wochen beschäftigt sind.
Dies gilt auch, wenn man ein zusätzliches Semester einplant und dabei keine Vorlesungen besucht?
Und generell besteht bei einer Werkstudententätigkeit keine Anspruch auf Mindestlohn und auch keine Sozialversicherungspflicht? Somit hat man keine Abgaben, sprich Bruttolohn gleich Nettolohn. Und in meinem Fall muss ich den Krankenkassenbeitrag selbst zu 100 % weiter bezahlen.

Thema Abschlussarbeit:
Besteht generell bei einer Abschlussarbeit in einem Unternehmen kein Anspruch auf Mindestlohn und auch keine Sozialversicherungspflicht?
Sprich wenn ich während dieser Zeit (in meinem Fall ca. 6 Monate) in dem jeweiligen Unternehmen ausschließlich für die Abschlussarbeit angestellt bin.

Somit hat man keine Abgaben, sprich Bruttolohn gleich Nettolohn. Und in meinem Fall muss ich den Krankenkassenbeitrag selbst zu 100 % weiter bezahlen.

Wenn ich darüber hinaus (zusätzlich zur Abschlussarbeit) eine betriebliche Tätigkeit ausübe, habe ich Anspruch auf Mindestlohn und die Sozialversicherungspflicht?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe.

Freundliche Grüße
Christine

christine: 15.07.2021 |
  • RE: Themen: Freiwilliges Praktikum, Werkstudententätigkeit und Abschlussarbeit im Unternehmen

    Hallo Christine,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, wird das in der Sozialversicherung wie ein reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen. Je nach Umfang und Einkommenshöhe musst du dann entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welcher Kriterien erfüllt sind - als Minijob, als kurzfristige Beschäftigung, als Werkstudijob oder voll sozialversicherungspflichtig abgerechnet werden. Es ist richtig was du schreibst, dass du bei einem Praktikum, dass geplant länger als 3 Monate dauert von Beginn an Anspruch auf Mindestlohn hast.

    Die Frage, ob du als Werkstudent_in der Sozialversicherung giltst, hat nichts damit zu tun, ob einzelne Jobs als Werkstudent_innen-Jobs bezeichnet werden, sondern damit, ob du insgesamt hauptsächlich arbeitest oder hauptsächlich studierst. Und das bemisst sich daran, ob du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest oder nicht. Grundsätzlich zählen deshalb bei der Berechnung derjenigen Wochen, in denen mehr als 20h/Woche gearbeitet wird, alle Tätigkeiten, egal ob es sich dabei um kurzfristige, reguläre oder geringfügig bezahlte Beschäftigungen (Minijobs) handelt. Es werden dabei auch keine Durchschnittswerte aus den Monaten gebildet. Wenn du z.B. zu einem Werkstudent_innenjob mit 20h/Woche noch einen weiteren Nebenjob hast, dann bist du in beiden voll sozialversicherungspflichtig, obwohl du einen Werkstudent_innenvertrag hast. Ein Wechsel im Status in der Sozialversicherung ist übrigens kein Kündigungsgrund! Du musst allerdings deine Arbeitgeber_innen über deine jeweilige andere Tätigkeit  informieren. Für die korrekte Anmeldung sind sie zuständig.

    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Bist du als Bachelorand_in ausschließlich zur Erstellung deiner Abschlussarbeit im Unternehmen und erbringst keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung, zählt die Zeit, die du dort verbringst nicht als Arbeitszeit, sondern als Zeit für dein Studium (ähnlich wie bei Pflichtpraktika) und damit nicht in die 20h-Regel mit hinein.

    Es gibt in der Sozialversicherung auch einen speziellen Status für Bachelorand_innen. Erhältst du eine Vergütung, ist diese grundsätzlich sozialversicherungsfrei. Wenn du nebenbei noch als Werkstudentin in einem anderen Betrieb tätig bist, bleiben die Regelungen in der Sozialversicherung für Bachelorand_innen erhalten.

    Wenn du eine Werkstudent_innentätigkeit mit einem Bachelorand_innenverhältnis im selben Unternehmen kombinierst, ist die Abgrenzung wesentlich schwieriger. Denkbar ist diese Kombination nur, wenn es sich wirklich um zwei völlig unterschiedliche Tätigkeiten (zeitlich und inhaltlich klar getrennt) handelt. Hinzu kommt, dass die Sozialversicherungsträger bei zwei Arbeitsverträgen bei der_m selben Arbeitgeber_in von einem einheitlichen Arbeitsverhältnis ausgehen und entsprechend zusammen verbeitragen.

    Wenn du nur einen Arbeitsvertrag für Bachelorarbeit / Masterarbeit und deine bisherige Tätigkeit zusammen hättest, würde es sich ziemlich eindeutig um ein Arbeitsverhältnis handeln, das dann nicht als Bachelorand_innentätigkeit / Masterand_innentätigkeit betrachtet werden kann, da du direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung erbringst. (Unter dem oberen Link findest du einen Mustervertrag und mehr zu den strengen Kriterien für Bachelorand_innen / Masterand_innen).

    Dann müsstest du ggf. voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet werden.

    Dann werden von deinem Gehalt nicht mehr nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV, bis zu 9,3%) eingezogen wie im Werkstudent_innenstatus, sondern auch Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV, insgesamt knapp 20%). Dafür müsstest du dich dann aber nicht mehr selbst krankenversichern (sparst also die freiwillige KV/PV in Höhe von ca. 190€/Monat).

    Je nach Einkommenshöhe und Krankenversicherungs-Kosten ist eine volle Sozialversicherungs-Pflicht für dich also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem Sozialversicherungs-System (z.B. auf Krankengeld nach 6 Wochen Krankheit, Kurzarbeiter_innen-Geld oder später ggf. Alg I).

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 19.07.2021


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