Deutscher Gewerkschaftsbund

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zwei Werkstudentenverträge

Hallo 

Ich habe folgendes Anliegen: 

Ich habe einen Werkstudentenvertrag und arbeite als Dozentin Samstags in der ersten Hilfe Schule. Ich habe im Monat ungefähr 3-4 Einsätze ( ca. 20-30h) und bekomme in der Regel zwischen 350 und 500€. Darüber hinaus habe ich einen Minijob im Service für 20h ( 200€) im Monat. Jetzt hat sich für mich eine tolle gelegenhet ergeben, bei welcher ich in meiner Fachrichtung einen weiteren Werkstudenvertrag mit 20h die Woche mit je 11,50€/h über die Semesterferien aufnehmen kann. 

Ich komme mit dem Steuerchaos gar nicht mehr zurecht. Ich weiß, dass ich einen der Werkstudentenjobs unter der Klasse 6 besteuern muss. Und wenn ich die 20h/woche Grenze überschreite auch Abgaben, wie Al-versicherung, Krankenversicherung etc. zahlen muss. 

Meine Frage ist jetzt, wie wird der Minijob besteuert und wird dieser überhaupt besteuert? und besteht die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung für einen der Werkstudentenjobs? 

So wie ich das verstanden habe: läuft ein Werkstudentenjob unter der Steuerklasse 1 der andere unter der Klasse 6, wenn die Pauschalbesteuerung nicht möglich ist. Kann ich mir aber aussuchen welcher mit welcher Klasse besteuert werden soll, wenn ja wie? 

Außerdem, was passiert wenn ich alle drei Jobs auch nach den Semesterferien behalten wollen würde und die Dozententätigkeit auf 18h/Monat redizieren würde. Der Dozentenjob wäre immer Samstags. Ich würde ferner die 20h Stelle auf 15h/woche runterschrauchen und weiterhin 5h/woche im Service arbeiten. 

Ich weiss es ist etwas verwirrend aber ich hoffe Sie können mir da weiterhlefen. Des Weiteren ist es lohnenswert bei solchen Angelegenheiten einen kostenpflichtigen Steuerberater zu rate zu ziehen? vielen Dank für Ihre Hilfe im Voraus. 

Liebe Grüße Salma

Salma: 13.07.2021 |
  • RE: zwei Werkstudentenverträge

    Hallo Salma,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine studentische Versicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

    Sozialversicherung

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr als oder bis zu 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet. Dabei zählen alle Stunden aller Jobs zusammen.

    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt. Du kannst also nicht einfach nur am Wochenende über die 20h hinaus arbeiten.

    Steuern

    Beim Thema Steuern gibt es keine Besonderheiten für Studierende zu beachten. Einkommen aus einem Werkstudent_innenjob sind grundsätzlich steuerpflichtig. Allerdings nicht schon ab dem ersten Cent. 
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9.744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Ob tatsächlich Steuern fällig werden, hängt also nicht davon ab, ob du als Werkstudentin oder normale Arbeitnehmerin angemeldet wirst, sondern davon, wie viel du tatsächlich verdienst.

    Beim Minijob hast du 2 verschiedene Möglichkeiten der Besteuerung:

    a)           Wenn dein Minijob über Steuer-ID abgerechnet wird und du so den Minijob gemeinsam mit deinem anderen versteuerst, so gilt für beide gemeinsam der jährliche Steuergrundfreibetrag i.H.v. 9744€ (Stand 2021). Zu diesem hinzu kommt, dass du von deinem Einkommen noch Werbungskosten i.H.v. mindestens 1.000€ und ggf. Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben abziehen kannst. Nur derjenige Teil deines Einkommens, der dann noch den Steuerfreibetrag überschreitet wird am Ende tatsächlich besteuert, zunächst auch nur mit dem Eingangssteuersatz von 14%.
    In der Regel wird nun aber im zweiten Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze  voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Zu viel gezahlte Beiträge kannst du dir am Jahresende per Steuererklärung zurückerstatten lassen oder bereits im Vorfeld auf Antrag einen Teil deines Freibetrags auf den anderen Job übertragen. Mehr dazu hier.

    b)           Wenn dein Minijob pauschal mit 2% versteuert wird, so zählt das Einkommen aus dem Minijob nicht mehr in dein zu versteuerndes Jahreseinkommen, du kannst dir wiederum aber auch evtl. insgesamt zu viel bezahlte Steuern nicht zurückerstatten lassen.

    Du kannst dir überlegen welche Art der Besteuerung bei deinem Minijob für dich vorteilhafter ist.

    Wenn du mehrere Jobs nebeneinander hast, werden in der Regel im zweiten, dritten etc. Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze voraussichtlich nicht überschritten wird. Eine Ausnahme ist ein Minijob mit Pauschalversteuerung. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Mehr dazu hier. Am Ende gibt‘s aber für alle Einkünfte nur einen gemeinsamen Steuersatz, du kannst auch noch Werbungskosten von mind. 1.000€ geltend machen und ggf. Vorsorgeaufwendungen. Zuviel gezahlte Steuern kannst du dir aber per Steuererklärung wieder holen bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf andere Tätigkeiten übertragen.

    Beachte auch, dass du nicht einfach davon ausgehen kannst den einen Werkstudent_innenjob auf einen Minijob reduzieren kannst und weiterhin von der Pauschalversteuerung profitieren kannst. Wenn du in der Kombination von Minijobs zusammen über 450€ kommst entfällt der Minijobstatus für beide Jobs und du musst als Werkstudent_in bzw. als sozialversicherungspflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet werden.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 19.07.2021


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