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Pflichtpraktikum und Minijob

Ich fange nachstest Semester ein Praxissemester an, in welchem ich ein 20 wöchiges Pflichtpraktikum machen muss. Der Betrieb, in welchem ich das Praktikum mache, möchte mich mit 300€ im Monat vergüten. Ich habe aber nebenbei noch ein Minijob. Muss ich dann im Minijob noch mit aufpassen, dass ich im Steuerfreibetrag bleibe oder wird das Praktikum garnicht mit so in das Gehalt gezählt, was dann versteuert werden muss. Und kann ich dann familienversichert bleiben oder muss ich mich anders versichern, wenn ich das Praktikum mache?

Mara_S: 12.07.2021 |
  • RE: Pflichtpraktikum und Minijob

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Bei einem Pflichtpraktikum handelt es sich nicht um ein Arbeitsverhältnis, sondern um einen Teil deiner Ausbildung. Damit ist es nicht sozialversicherungspflichtig. Die Stunden des Praktikums zählen nicht zu der 20h Regel.

    Solltest du derzeit über die Familie krankenversichert sein, ist weiterhin für dich dann eine andere Grenze maßgeblich. Im Minijobstatus liegt diese bei 450€ pro Monat. Ohne Minijob liegt sie bei 470€ (+ 83,30€ ; Stand 2021). Du könntest also ca. 538€ pro Monat verdienen, ohne dich selbst studentisch krankenversichern zu müssen. Wenn du nicht das ganze Jahr über 470€ verdienst, ist es evtl. möglich in einzelnen Monaten etwas mehr zu verdienen, ohne die Familienmitversicherung zu verlieren. Das kannst du dann am besten mit deiner Krankenkasse abklären. (Hintergrund hier ist, dass es sich bei den 83,30€ um einen auf Monate umgelegten jährlichen Betrag von 1.000€ handelt, der auch in weniger Monaten geltend gemacht werden kann, wenn nicht das ganze Jahr gearbeitet wird).

    Egal ob Pflichtpraktikum oder nicht: das Arbeitszeitgesetz gilt. Dieses regelt eine tägliche Maximalarbeitszeit von 8h (ausnahmsweise: 10h). Das sind bei einer 5-Tageswoche 40h (ausnahmsweise 50) und bei einer 6-Tage-Woche eine wöchentliche Maximalarbeitszeit von 48h (ausnahmsweise: 60h).

    Bei Steuern gibt es keine Besonderheiten für Student_innen zu beachten. Sowohl Einkommen aus einem Werkstudijob als auch die Vergütung für ein Praktikum sind grundsätzlich steuerpflichtig. Allerdings nicht schon ab dem ersten Cent. 
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9.744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Ob tatsächlich Steuern fällig werden, hängt also nicht davon ab, ob du als Bachelorandin, Werkstudentin oder normale Arbeitnehmerin angemeldet wirst, sondern davon, wie viel du tatsächlich verdienst.

    Wenn du mehrere Jobs nebeneinander hast, werden in der Regel im zweiten, dritten etc. Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze (von derzeit 9.744€, Stand 2021) voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Mehr dazu hier. Am Ende gibt‘s aber für alle Einkünfte nur einen gemeinsamen Steuersatz, du kannst auch noch Werbungskosten von mind. 1.000€ geltend machen und ggf. Vorsorgeaufwendungen. Zuviel gezahlte Steuern kannst du dir aber per Steuererklärung wieder holen bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf andere Tätigkeiten übertragen.

    Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 12.07.2021


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