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Werkstudent + zwei kurzfristig Beschäftigtungen

Liebes student at work Team,

ich bin derzeit noch bis zum Semesterende (30.9.) als Werkstudent (Job 1) mit ca. 16 Wochenstunden angestellt. Durch übrige Urlaubstage, wird mein letzter echter Arbeitstag allerdings der 12.8. sein, von da an werde ich nicht mehr physisch anwesend sein allerdings bis Ende Spetember mit 2 Urlaubstagen pro Woche bezahlt werden, falls das einen Unterschied macht. Gleichzeitig hat sich nun die Möglichkeit in einem super coolen Job (Job 2) mit 3 Wochenstunden als kurzfristig Beschäftiger zu arbeiten (oft Abends/Nachts und manchmal auch Wochenende). Bis hierhin sollte das ja wegen der <20 Std Regel kein Problem sein. Nun kommt allerdings eine zusätzliche Beschäftigung (Job 3) als kurzfristige Beschäftigung in der Gastronomie hinzu. Auf diese Tätigkeit bin ich angewiesen sobald mein Werkstudent im September wegfällt, muss sie allerdings nun auch schon ab Juni starten. Somit hätten ich für einen gewissen Zeitraum (Juni, Juli, August und Septmber) drei Jobs neben dem Studium. Der Zeitaufwand und die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens sei hier mal ausgeklammert. In meiner Frage geht es eigentlich auch lediglich um die Frage ob ich Job 2 antreten soll?

Ich bin derzeit in einer studentischen Krankenversicherung (da über 25). Ergeben sich für mich jedoch steuerrechtlich oder versicherungtechnisch irgendwelche Nachteile, wenn ich nun 2 kurzfristige Beschäftigungen antrete, außer dass ich die 70 Tage Regelung im Blick behalten muss? Wer vermerkt ob ich an manchen dieser Tage als kurzfristiger Beschäftiger am Wochenende oder Nachts gearbeitet habe und diese Tage somit nicht zu den 70 Tagen gezählt werden? Muss ich mich für die 2 kurzfristigen Beschäftigungen in verschiedenen Steuerklassen anmelden? Könnte das für einen der beiden Arbeitsgeber negative Konsequenzen haben, da er höhere Beiträe für mich abführen wenn ich 2 kurzfristige Beschäftigungen habe?

Vielen Dank für eure Hilfe.

Liebe Grüße

Nic

Nic93: 20.05.2021 |
  • RE: Werkstudent + zwei kurzfristig Beschäftigtungen

    Hallo Nic,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine studentische Versicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr als oder bis zu 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.

    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Die GKV hat in einem Schreiben vom 09.04.2020 erläutert, dass ein Abweichen von der 20h Regel Corona bedingt auch außerhalb der Abend-, Nacht- und Wochenendzeiten möglich ist, solange es keine Präsenzveranstaltungen bzw. ein eingeschränktes Online Angebot gibt. Das gilt jedoch auch nur für eine auf 26 Wochen befristete Beschäftigung. Frag am besten deine Krankenkasse wie sie das auslegt und umsetzt.

    Von den Ausnahmen der Werkstudent_innenregel abzugrenzen sind die Regeln für eine kurzfristige Beschäftigung. Wenn du in deinem neuen Job(s) nur bis zu 3 Monaten oder bis zu 70 Tage im Jahr arbeitest dann handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung. Diese Grenze gilt auch für mehrere kurzfristige Beschäftigungen im Jahr zusammen genommen. Ausnahmen für Wochenend- oder Nachtarbeit gibt es hier nicht. Sie ist nicht sozialversicherungspflichtig und du kannst mit einer kurzfristigen Beschäftigung auch mehr als 20h/Woche arbeiten und verlierst den Status als Werkstudent_in nicht. Du kannst also auch weiterhin studentisch versichert bleiben.

    Wenn du mehrere Jobs nebeneinander hast, werden in der Regel im zweiten, dritten etc. Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze (von derzeit 9.744€, Stand 2021) voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Mehr dazu hier. Am Ende gibt's aber für alle Einkünfte nur einen gemeinsamen Steuersatz, du kannst auch noch Werbungskosten von mind. 1.000€ geltend machen und ggf. Vorsorgeaufwendungen. Zuviel gezahlte Steuern kannst du dir aber per Steuererklärung wieder holen bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf andere Tätigkeiten übertragen.

    Beachte auch, dass es im Urlaub in der Regel nicht gestattet ist, dass du bei anderen Arbeitgeber_innen arbeitest.

    Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 26.05.2021


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