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Studium + Minijob + Freie Mitarbeit

Hallo! 

Ich studiere und will einen Minijob und eine weitere Tätigkeit zustäzlich ausüben. Ich habe eine Stellenanzeige gefunden, in der steht: freie Mitarbeit-freiberuflicher Interviewer

Ich habe folgende Fragen: 

1. Was muss ich in Bezug auf  Sozialleistungen, Steuern und Sozialversicherung beachten? 

2. Was darf ich maximal monatlich bzw. jährlich insgesamt verdienen?

3. Wenn ich mit beiden Jobs zusammen bis zu 450 Euro nur verdiene, macht es vermutlich einen Unterschied. Welchen genau? 

4. Ich wäre als Interviewer ja nur bei einem bestimmten Unternehmen tätig. Ist das als Freiberufler per Definiton korrekt, solange andere Bedingungen erfüllt sind? (Wie z.B. freie Zeiteinteilung usw.)

Christina Schneider: 11.05.2021 |
  • RE: Studium + Minijob + Freie Mitarbeit

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine  Familienversicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Sozialversicherung

    Ein Minijob ist sozialversicherungsfrei (bis auf reduzierte Rentenversicherungsbeiträge). In der Sozialversicherung gibt es für Selbstständige die gleichen Geringfügigkeitsrichtlinien, wie für abhängig Beschäftigte. Dementsprechend musst du aus deinem Einkommen keine Sozialversicherungsabgaben zahlen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienst oder kurzfristig (auf max. 70 Tage oder 3 Monate im Jahr befristet) beschäftigt bist. Allerdings wenn du mit 2 Minijobs über 450€/Monat kommst werden diese zusammen betrachtet. Damit entfällt der Status als Minijob bei beiden. Das wäre auch der Fall wenn du mit beiden geringfügigen Tätigekiten (selbstständig und angestellt) über die 450€/Monat kommst.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV): Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierter Student nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudent_in angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten (wenn du nicht familienversichtert bist) und arbeitslosenversichert bist du gar nicht. Wenn du zu viel für die Familienversicherung verdienst musst du dich dann studentisch versichern.

    Solltest du derzeit über die Familie krankenversichert sein, ist weiterhin für dich dann eine andere Grenze maßgeblich. Im Minijobstatus liegt diese bei 450€ pro Monat. Ohne Minijob liegt sie bei 470€ (+ 83,30€ ; Stand 2021). Du könntest also ca. 538€ pro Monat verdienen, ohne dich selbst studentisch krankenversichern zu müssen. Wenn du nicht das ganze Jahr über 455€ verdienst, ist es evt. möglich in einzelnen Monaten etwas mehr zu verdienen, ohne die Familienmitversicherung zu verlieren. Das kannst du dann am besten mit deiner Krankenkasse abklären. (Hintergrund hier ist, dass es sich bei den 83,30€ um einen auf Monate umgelegten jährlichen Betrag von 1.000€ handelt, der auch in weniger Monaten geltend gemacht werden kann, wenn nicht das ganze Jahr gearbeitet wird). Die Werbungskostenpauschale gilt nicht für selbstständige Tätigkeiten.

    Steuern

    Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.744 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert. Die Steuererklärung für 2020 ist bis zum 31. Juli 2021 fällig.

    Auf deine Rechnungen gehört in jedem Fall deine Steuernummer (die vom Finanzamt für deine selbstständige Tätigkeit; nicht zu verwechseln mit deiner persönlichen Steuer-ID). Auch bei den Rechnungen für deine ehrenamtliche Tätigkeit braucht es eine Steuernummer, denn Rechnungen haben zwingende Inhalte. Was da sonst noch reingehört, haben wir in unserer Broschüre zur Selbstständigkeit (auf S. 11) aufgelistet. Du findest auch zahlreiche Vorlagen im Netz.

    Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können. Für die Beurteilung, ob es sich tatsächlich um eine selbstständige Tätigkeit handelt oder um eine Scheinselbstständigkeit findest du beim DGB Rechtsschutz und bei verdi hilfreiche Informationen. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 12.05.2021


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