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zwei Minijobs, versteuern?

Hallo,

ich habe aktuell Zeit und Kapazitäten neben den Studium ein bzw. zwei Aushilfsjobs zu machen. Beide sind Stundenabhängig, sodass ich nicht weiß wie viel ich pro Monat bekomme, jedoch kann es sein das es in einen Monat auch mehr als 450 € werden.

sollte dies der Fall sein, was muss ich dann bezahlen (steuern, krankenversicherung etc.) und wer regelt das? bekomme ich einfach dementsprechend weniger Gehalt oder muss ich selbst an die einzelnen Organisationen rantreten und den Sachverhalt erleutern? Lohnt es sich dann überhaupt mehr zu arbeiten?

Liebe Grüße

Thea

tSch: 29.03.2021 |
  • RE: zwei Minijobs, versteuern?

    Hallo Thea,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung (SV) hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Für deine korrekte Ameldung, die Abrechnung deines Gehalts und ggf. das Abführen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen, sind deine Arbeitgeber_innen zuständig. Da musst du dich also nicht selbst drum kümmern.
    Lediglich deinen Informations- und Meldepflichten musst du immer nachkommen. Nur so können dich deine Arbeitgeber_innen auch korrekt anmelden.

    Lediglich um deine Krankenversicherung musst du dich ggf. selbst kümmern, falls du dich selbst studentisch versichern musst. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€/Monat (das entspricht ca. 553€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 110€/Monat) und das dann auch entsprechend bei deiner Krankenkasse beantragen. Auch die Beiträge musst du dann selbst abführen.

    Was in Bezug auf deine(n) Job(s) zutrifft und welche Abgaben tatsächlich auf dich zukommen, kommt darauf an, was du mit "auch mal mehr als 450€" meinst.
    Geht es um geplante Überschreitungen (z.B. in den Semesterferien) oder unvorhersehbare (z.B. zur Krankheitsvertretung einer Kollegin)? Und vor allem: kommst du nur in einem der Jobs ab und zu drüber oder geht es darum, dass du mit beiden zusammen gelegentlich über 450€/Monat kommst, jeder einzelne für sich und auch beide zusammen in der Regel aber drunter bleiben?

    Das hat dann nämlich jeweils unterschiedliche Auswirkungen - sowohl im Bereich SV als auch ggf. in Bezug auf die Versteuerung in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen.

    Beispiele:
    I.) Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. Bei schwankendem Einkommen ist der Duchschnitt der Beschäftigungsmonate relevant.
    Bis zu dreimal im Jahr kannst du unvorhergesehen auch mal über 450€/Monat kommen, ohne dass der Minijobstatus entfällt. Gehen wir bei dem Beispiel aber erstmal davon aus, dass du auch im Schnitt mit beiden drüber kommst.

    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Je nach Einkommenshöhe kannst du familienversichert bleiben (bis insgesamt 553€/Monat brutto) oder dich studentisch versichern.

    Zudem müssen in der Kombi beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    II.) Verdienst du in beiden Jobs zusammen nicht mehr als 450€/Monat (bzw. greifen die Ausnahmen für unvorhergesehene Überschreitungen), werden beide Jobs nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen jeweils 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.
    In der Kombi könntest du familienversichert bleiben.

    In der Kombi ist es möglich, beide Minijobs pauschal mit 2% versteuern zu lassen. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn die Minijobs auch hier über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem in Steuerklasse 6.

    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.  

    Solltest du in einem der Jobs immer unter 450€/Monat verdienen und nur in einem der Jobs ab und zu mal mehr, müsste der zweite Job genauer betrachtet werden und im nächsten Schritt dann geguckt werden, wie er abgerechnet werden muss und welche Auswirkungen das in Kombi mit einem (ggf. anderen) Minijob hat.

    Lies dir mal unsere Seiten zum Thema Minijob, Midijob, zum Werkstudent_innenstatus und zu Steuern durch. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 29.03.2021


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