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Praktikum + Werkstudent

Liebes DGB-Team,

ich habe meine Bachelorarbeit abgegeben und werde voraussichtlich zum 31.03.21 exmatrikuliert und war bisher über meine Eltern privatversichert. Im Oktober plane ich mein Masterstudium zu beginnen.

In der Zeit dazwischen möchte ich ein Praktikum machen und habe von einem Arbeitgeber folgendes Angebot erhalten: 

- 5 Monate Praktikum vom 01.05.21-30.09.21

- davon die ersten 3 Monate 40h/Woche für 450€

- die letzten 2 Monate als Werkstudent 20h/Woche für 12,50€/h, d.h. 1075€ brutto/Monat

Meine Fragen dazu:

- Kann ich weiterhin über meine Eltern privatversichert bleiben?

- Kann ich überhaupt 2 Monate als Werkstudent arbeiten, wenn ich gar kein immatrikulierter Student mehr bin?

- Falls nein - Kann ich mich für einen anderen Bachelor-Studiengang einschreiben, um die Werkstudentätigkeit wahrzunehmen oder?

Ich danke euch vielmals für eure Hilfe!

Liebe Grüße

Nico

Nico: 26.03.2021 |
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  • RE: Praktikum + Werkstudent

    Hallo Nico,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal vorneweg: Wenn du ein 5-monatiges freiwilliges Praktikum absolvierst, ist dieses auch studienbegleitend mindestlohnpflichtig! Das bedeutet, du musst von Anfang an mindestens mit Mindestlohn vergütet werden.

    Entsprechend wirst du also vermutlich voll sozialversicherungspflichtig und damit gesetzlich über das Praktikum krankenversichert werden müssen.

    Denn freiwillige Praktika werden in der Sozialversicherung (SV) wie reguläre Beschäftigungsverhältnisse angesehen. Je nach Umfang und Einkommenshöhe musst du entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welche Kriterien erfüllt sind - als Minijob ( = bis 450€/Monat), als kurzfristige Beschäftigung ( = bis 3 Monate/70 Tage im Jahr, nicht berufsmäßig), als Werkstudijob ( = über 450€/Monat, bis 20h/Woche + Vollzeit immatrikuliert) oder voll sv-pflichtig (über 450€/Monat, falls immatrikuliert: + über 20h/Woche) abgerechnet werden.

    Eine Abrechnung im Werkstudent_innenstatus kommt also nur infrage, wenn du Vollzeit immatrikuliert bist und nicht mehr als 20h/Woche arbeitest.
    Ohne Immatrikulation ist der Werkstudent_innenstatus grundsätzlich nicht möglich, auch nicht in einem Übergangssemester zwischen Bachelor und Masterstudium.
    Das bedeutet aber nicht, dass du den Job nicht machen könntest, wenn du dich nicht immatrikulierst - du müsstest dann lediglich entsprechend in der SV angemeldet werden.

    Nur wenn du dich nächstes Semester Vollzeit immatrikulierst (ob Bachelor- oder Masterstudium spielt hier keine Rolle) UND klar getrennte Verträge für ein 3-monatiges studienbegleitendes Praktikum und eine daran anschließende Werkstudistelle hast, wäre es eventuell möglich, die Mindestlohnpflicht (sowie in dem Zuge die voll SV-Pflicht) zu umgehen und dich in den letzten 2 Monaten als Werkstudent anzumelden. Das wäre allerdings nicht zu deinem Vorteil!

    Bei voller SV-Pflicht sind es insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt anstatt als Werkstudent nur 9,3% Rentenversicherung, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die Krankenversicherung an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Bedenke außerdem: Du hast mit deinem Bachelorstudium einen Hochschulabschluss erworben. Das heißt, du bist fertig ausgebildet und solltest dich nicht mit unterbezahlten Praktika abgeben.
    Auch in der Zeit zwischen Bachelor und Master kannst du erste Berufserfahrung mit einem ganz reglären Job sammeln (den du nach Aufnahme des Masterstudiums vielleicht sogar mit heruntergesetzter Stundenzahl weiterführen kannst).
    Das ist besser bezahlt und erfüllt ebenfalls die Funktionen, die ein gutes Praktikum erfüllen sollte, wie Vernetzung oder Einblick in eine bestimmte Branche/Firma.

    Solltest du dich nicht fürs kommende Semester immatrikulieren, wäre übringens auch schon ein kürzeres freiwilliges Praktikum mindestlohnpflichtig und volle SV-Pflicht gilt grundsätzlich ab einer Gehaltshöhe von über 450€/Monat.

    Tipp:
    Wenn du dir Sorgen machst, du könntest die Zusage fürs Praktikum verlieren, wenn du den Mindestlohn einfordert, kannst du das im Zweifel auch erst nachträglich machen.
    Sobald dein Praktikums- (und ggf. dein daran anschließender Arbeits)vertrag unterschrieben ist, gilt er auch.
    Auch dann, wenn du entgegen der Annahme de_r/s Praktikums-/Arbeitgeber_s/in nicht als Werkstudent gemeldet werden kannst. Beim Werkstudistatus handelt es sich lediglich um einen Sozialversicherungsstatus, das hat arbeitsrechtlich keine Relevanz (du darfst also auch nicht allein wegen eines SV-Statuswechsels gekündigt werden).
    Wichtig ist nur, dass du immer deinen Informations- und Meldepflichten ordentlich nachkommst, das reicht im Zweifel dann auch erst bei Aufnahme des Praktikums.

    Lass dich vor der Entscheidung, den Mindestlohn einzufordern und ggf. einzuklagen aber unbedingt vorher anwaltlich beraten!
    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vorher Mitglied warst.
    Auch kannst du bei euch an der Hochschule mal schauen, ob es dort eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen.

    Gibt es das nicht und möchtest du auch kein Gewerkschaftsmitglied werden, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen und, wenn nötig, Prozesskostenhilfe beantragen.

    Ob und wenn ja, welche Auswirkungen das alles auf deine private Krankenversicherung (PKV) haben könnte, können wir nicht einschätzen. Nur in dem Fall, dass du voll sozialversicherungspflichtig wirst, kann ich dir sagen, dass die private Krankenversicherung für den Zeitraum entfällt, da du dann gesetzlich über das Praktikum/den Job krankenversichert bist.
    Ob mit Beginn des Masterstudium eine Rückkehr in die PKV über deine Eltern möglich wäre und wie es aussieht, wenn du dich immatrikulieren würdest und ein geringfügig entlohntes Vollzeitpraktikum absolvierst und/oder einem Job als Werkstudent nachgehst, dazu müsstest du dich am besten direkt bei eurer PKV erkundigen.
    Private Krankenversicherungen unterliegen nämlich nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung, Einkommens- und Altersgrenzen aus der gesetzlichen Familienversicherung müssen nicht gelten. Ausschlaggebend ist euer Versicherungsvertag.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 29.03.2021


  • RE: Praktikum + Werkstudent

    Hallo Nico,

    vielen Dank für deine Nachfrage.

    Du bekommst im Übergang zwischen 2 Ausbildungen für 4 Monate Kindergeld. Ebenfalls kannst du Kindergeld erhalten, wenn du dich für eine Ausbildung beworben hast oder auf eine Ausbildung wartest. Hier stellt sich die Frage, ob du nur zum Wintersemester mit dem Masterstudium anfangen kannst. Auch ein freiwilliges Praktikum in der Lücke zwischen dem Studium kann deinen Kindergeldanspruch aufrechterhalten. Ein Zweitstudium kann auch mit Kindergeld gefördert werden, jedoch nur wenn dieses wirklich ernsthaft betrieben wird. Du müsstest also im Zweifelsfall nachweisen können, dass du das Studium ernsthaft betreibst. Das freiwillige Praktikum würde dem eher entgegenstehen, dass du das Studium betreibst. Daher ist es sinnvoll hier vorsichtig zu sein. Eine Immatrikulation alleine reicht an dieser Stelle nicht.

    Jedoch liegen diese Möglichkeiten in der Einschätzung der Familienkassen, weshalb es sinnvoll ist dich dort beraten zu lassen. Du kannst auch erstmal allgemeine Auskünfte erfragen, an denen du deine Entscheidung orientieren kannst.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Miriam
    DGB-Jugend Studierendenberatung
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    dgb-jugend: 09.04.2021


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