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Freiwilliges Praktikum und Werkstudentenjob

Guten Tag,

ich habe eine Zusage für ein freiwilliges Praktikum ab dem 19. April jedoch arbeite ich noch als Werkstudentin bei Ende April. kann ich für zwei Wochen neben der Werkstudententätigkeit schon das Parkitkum nebenbei anfangen? ( ab mai dann nur noch das Praktikum) ich arbeite zehn Stunden pro Woche als Werkstudentin und das Praktikum wäre mit Mindestlohn und 38,5 Stunden pro Woche für sechs Monate. Könnte ich auśerdem für das Semester ein Urlaubssemester beantragen ?

würde mich freuen wenn ihr mir weiterhelfen könntet !:)

Kaja: 25.03.2021 |
  • RE: Freiwilliges Praktikum und Werkstudentenjob

    Hallo Kaja,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden und die Regelungen nach dem Arbeitszeitgesetz müssen eingehalten sein.

    So darfst du nach Arbeitszeitgesetz nicht mehr als 8h/Tag (10h/Tag bei Ausgleich) bei einer 6-Tage-Woche und damit nicht mehr als 48h/Woche abhängig beschäftigt werden.
    Bist du 38,5h/Woche für das Praktikum im Betrieb, kannst du eigentlich nur noch maximal 9,5h/Woche nebenbei arbeiten. Auch die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten sind dabei einzuhalten. Das bedeutet, dass du nach einem 8h-Tag im Praktikum nicht noch im Anschluss 4h im anderen Job arbeiten darfst.
    Wenn es allerdings möglich ist, dass du die Arbeitszeit vom Werkstudijob so gelegt bekommst, dass du z.B. Mo-Fr im Praktikum und samstags dann 10h im Werkstudijob arbeitest, dürfte das für die kurze Überschneidungszeit funktionieren.

    In der Sozialversicherung (SV) wird ein freiwilliges Praktikum  wie ein reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen. Je nach Umfang und Einkommenshöhe musst du dann entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welcher Kriterien erfüllt sind - als Minijob, als kurzfristige Beschäftigung, als Werkstudijob oder voll sv-pflichtig abgerechnet werden.
    Bei einem 6-monatigem Vollzeitpraktikum auf Mindestlohnbasis wirst du auf jeden Fall voll sv-pflichtig. Das bedeutet, du wirst ganz regulär wie alle anderen Arbeitnehmer_innen auch abgerechnet. Von deiner Praktikumsvergütung und dem Gehalt aus deinem Nebenjob werden dann nicht nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV, 9,3%) eingezogen wie im Werkstudent_innenstatus, sondern auch Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV) - insgesamt knapp 20% SV-Beiträge. Dafür musst du dich aber nicht selbst studentisch für immerhin um die 110€/Monat krankenversichern.
    Du bist dann über das Praktikum und deinen Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Aus der gesetzlichen Familienversicherung würdest du wegen Überschreiten der Einkommensgrenze (470€/Monat bzw. 553€/Monat brutto) sowieso spätestens mit Aufnahme des Praktikums.

    Außerdem gut zu wissen:
    In dem Monat der Überschneidung müssen dein Praktikum und der Werkstudijob über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du eins davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs/Praktika hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.
    Um den Steuereinzug möglichst niedrig zu halten, ist es sinnvoll, den Job mit dem niedrigeren Einkommen, also den Werkstudijob, über die LSK 6 laufen zu lassen.

    Du solltest daher so bald wie möglich dort mitteilen, dass du im April ein Vollzeitpraktikum beginnst, das auf LSK 1 laufen soll.
    Zuur Mitteilung verpflichtet bist du sowieso und wenn du das noch im März mitteilst, sollte deiner korrekten Ummeldung im April ( --> Wegfall Werkstudent_innenstatus, Ummeldung als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin, Ummeldung auf LSK 6) nichts im Wege stehen. Wenn das nicht mehr rechzeitig klappt, ist es aber auch kein Drama, höchstens etwas nervig, weil dann ggf. bereits eingezogene Beiträge falsch berechnet wurden und der Lohnsteuerabzug nachträglich eingefordert werden muss.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wie es an eurer Hochschule mit Urlaubssemestern genau gehandhabt wird, kann ich dir allerdings nicht sagen. Da haben einzelne Unis selbst innerhalb einer Stadt oft unterschiedliche Regelungen. An meiner alten Hochschule konnte man bis zu zwei Urlaubssemster unbegründet einreichen und mit der Begründung Vollzeitpraktikum sogar noch ein weiteres. Manche Unis haben da aber andere Vorgaben. Erkundige daher am besten direkt an deiner Hochschule oder bei deinem AStA über Modalitäten und Fristen.
    Auf die Abrechnung deines Vollzeitpraktikums hat ein Urlaubssemester keinen Einfluss, da du mit dessen Aufnahme unabhängig von einer Beurlaubung sowieso voll sozialversicherungspflichtig wirst (im Urlaubssemster wärst du in Jobs ab 450,01€/Monat aber auch dann schon voll sv-pflichtig anzumelden, wenn du weniger als 20h/Woche arbeitest).

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 29.03.2021


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