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Entgeltfortzahlung bei Feiertagen und Krankheit

Guten Tag, 

ich arbeite seit Anfang 2020 als studentische Aushilfe in meinem jetzigen Unternehmen. Ich arbeite in 98% der Fälle Montags, Donnerstags sowie Freitags. Diese Tage wurden mit der Leitung abgesprochen und sind in einem Studentenplan festgeschrieben. Bei Bedarf kann man sie jedoch ändern. 

In meinem Vertrag ist geregelt 'Die regelmäßige Arbeitszeit (ohne Pausen gerechnet) beträgt während des Semsters maximal 20 Stunden wöchentlich.' Nun wurde mir auf Nachfragen mitgeteilt, dass ich aufgrund der flexiblen Zeit kein Geld für Feiertage sowie Krankheitstage erhalte. 

Wenn Freitags ein Feiertag ist könne ich quasi die Zeit an anderen Tagen aufholen. 

Meine Frage ist nun, ob das so stimmt, oder die Personalabteilung nur nicht rechnen möchte. 

Vielen Dank vorab. 

Diana: 22.03.2021 |
  • RE: Entgeltfortzahlung bei Feiertagen und Krankheit

    Hallo Diana,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: auch Arbeitnehmer_innen mit flexiblen Arbeitszeiten haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung wegen Krankheit oder an Feiertagen.

    Wie das dann jeweils gerechnet wird, das muss im Zweifel im Einzelfall betrachtet werden. Ausschlaggebend sind hier vereinbarte/r Umfang und ggf. Lage der Arbeitszeit.

    Bist du an einem Tag krank, an dem du nachweislich (z.B. laut Schichtplan o.ä.) gearbeitet hättest oder fällt ein Feiertag auf einen Tag, an dem du gearbeitet hättest (hier ist es bei flexiblen Arbeitstzeiten tatsächlich etwas tricky), musst du entsprechend bezahlt werden und auch nichts vor- oder nacharbeiten.

    Bei Krankheit ist es etwas leichter, da du im Normalfall ja ungeplant und spontan krank wirst und dementsprechend vereinbarte Arbeitstage dann in der Regel schon feststehen.
    Wenn du nun an Tagen krank wirst, an denen du anhand eines vorher erstellten Plans nachweisbar gearbeitet hättest, hast du Anspruch auf entsprechende Lohnfortzahlung.
    Bei längerer Krankheit wird pro Woche die übliche Wochenarbeitszeit zugrundegelegt, wenn noch kein Schichtplan für die Zukunft besteht: Hast du aufgrund von schwankenden Arbeitszeiten kein festes Gehalt, sondern errechnet sich das monatlich je nach abgerufener Arbeitszeit, wird das Durchschnittsgehalt der letzten 3 Monate gezahlt (§12 Abs. 4 TzBfG). Das ist also klar gesetzlich geregelt, egal was die Personalabteilung behauptet.

    Bei Feiertagen ist es deshalb etwas tricky, da diese schon im Vorfeld bekannt sind. Wenn du feste Arbeitstage hast, ist das in der Regel eindeutig. Arbeitest du immer donnerstags und fällt auf den Donnerstag ein Feiertag, bekommst du den Lohn für den Donnerstag - so als ob du gearbeitet hättest. Dich anzuweisen, in der einen Wocher mit Feiertag auf einen anderen Tag auszuweichen und damit vorsätzlich den Feiertag umgehen, ist unzulässig!
    Sind die Tage aber nicht fest abgesprochen oder wird das zumindest von der Arbeitgeber_innenseite behauptet, ist die Argumentation schwieriger. Ausschlaggebend für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung an Feiertagen ist nämlich, dass die Arbeitszeit ausschließlich wegen des Feietags ausfällt (§2 EntgFG). Dann kommt es darauf an, ob man nachweisen kann, dass das so ist und man nicht zufällig in der Woche an einem anderen Tag eingeteilt ist. Auch hier ist es unzulässig, Arbeitnehmer_innen vorsätzlich Feiertage vorzuenthalten, Schichtpläne also so zu erstellen, dass Feiertage absichtlich umgangen werden - der Nachweis ist, v.a. bei kürzeren Arbeitsverhältnissen, aber oft nicht leicht. Hier lohnt es sich, für den Fall der Fälle Aussagen wie die deiner Personalabteilung zu dokumentieren und am besten durch Zeug_innen bestätigen zu lasen. Auch entsprechende Aussagen per Email oder gar schriftlich solltest du unbedingt aufheben.

    Ob (und ggf. wann) es sich lohnt, die Bezahlung von Feiertagen gerichtlich einzuklagen, kann in einer (anwaltlichen) Rechtsberatung geprüft werden. Dort kann geschaut werden, ob du Nachweise erbringen kannst, dass Feiertage vorsätzlich umgangen wurden und wie "gerichtsfest" diese sind.

    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vorher Mitglied warst.
    Auch kannst du bei euch an der Hochschule mal schauen, ob es dort eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen.
    Gibt es das nicht und möchtest du auch kein Gewerkschaftsmitglied werden, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen und, wenn nötig, Prozesskostenhilfe beantragen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 23.03.2021


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