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450 Euro Basis als Honorarkraft

Ich möchte demnächst einen Job als Honorarkraft antreten. Zurzeit bin ich im fünften Semester und habe im Dezember BAföG beantragt, jedoch dauert die Bearbeitung noch.

Ich habe die Möglichkeit die Honorartätigkeit auf einer 450€ Basis zu machen, jedoch steige ich leider noch nicht ganz durch das Prinzip durch. Die Honorartätigkeit wäre sozusagen meine Hauptbeschäftigung, nebenher würde keine bestehen.

Meine Frage sind:

- Was genau muss ich beim Finanzamt melden? Muss ich ein Gewerbe oder eine Selbstständigkeit anmelden? Welche Formulare sind das?

- Da die 450 Euro steuerfrei sind, welche Unterlagen muss ich für das Finanzamt verfassen? Gibt es dafür Vordrucke?

- Ich würde den ersten Monat die Nebentätigkeit  als Ehrenamtliche Tätigkeit machen. Was muss ich hierbei beachten?

- Was gibt es sonst noch grundsätzlich zu beachten, was ich nicht verfasst habe?

Viele Grüße und vielen Dank für die kommenden Hilfestellungen!

Julia.123: 19.02.2021 |
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  • RE: 450 Euro Basis als Honorarkraft

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du als Honorarkraft arbeitest, bist du selbstständig tätig. Du bist dann quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig.
    Beim Finanzamt meldest du dich mit dem "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Ob du zusätzlich ein Gewerbe anmelden musst, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab.
    Handelt es sich um eine selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, ist diese freiberuflich und du brauchst kein extra Gewerbeanmeldung, dann reicht die Meldung beim Finanzamt aus.

    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9744€/Jahr. Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen oder Sonderausgaben) übersteigt.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.
    Es kann aber sein, dass du auch dann eine Steuererklärung machen musst, wenn du unterhalb des Freibetrags bleibst. Das ist insbesondere der Fall, wenn dich das Finanzamt dazu auffordert. Sieh es dann einfach als eine Art Trockenübung an.
    Eventuell greift zusätzlich zum Freibetrag noch die Ehrenamts- oder Übungsleiter_innenpauschale.

    Bei deiner Krankenkasse musst du dich auch melden, das geht aber formlos. Die schicken dir dann zu, was sie wissen wollen. Solange du dort als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du bis zum Erreichen der Einkommensgrenze in Höhe von 470€/Monat in der gesetzlichen Familienversicherung bleiben oder dich - falls du mal mehr verdienst - studentisch krankenversichern.

    Beachte, dass für  Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, wirst rentenversicherungspflichtig oder musst Mitglied einer Kammer werden.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Beim BAföG wiederum gibt es einen Einkommensfreibetrag in Höhe von 290€/Monat. Ausschlagegebnd ist dein Einkommen im gesamten Bewilligungszeitraum (üblicherweise ein Jahr), so dass du in manchen Monaten auch mehr verdienen kannst, ohne dass es zu Abzügen kommt, wenn du dafür in anderen Monaten weniger verdienst.
    Dein Einkommen wird beim BAföG dann auch noch um eine Sozialpauschale in Höhe von 21,3% bereinigt. Außerdem kannst du bei Selbstständigkeit dein Honorar um die für den Job notwendigen Ausgaben bereinigen (Gewinnermittlung). Dein Gewinn kann dann ungefähr 4400€/Jahr betragen, ohne dass es zu Abzügen kommt.

    Sollte die Ehrenamts- oder Übungsleiter_innenpauschale greifen: Einkünfte, die da hinein fallen, sind zusätzlich zum Steuerfreibetrag steuerfrei UND werden auch beim BAföG nicht angerechnet.

    Solltest du mehr verdienen: Was nach Abzug der Pauschalen übrig bleibt und über die 290€/Monat geht, vermindert deinen BAföG-Auszahlbetrag. Das BAföG fällt dann also nicht weg, sondern vermindert sich nur entsprechend (und damit aber auch deine Schulden).

    Mehr dazu hier.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 22.02.2021


  • RE: 450 Basis

    Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort!

    Wie wäre es, wenn man die Übungsleiterpauschale Hauptberuflich machen würde im erzieherischen Bereich? Wo muss ich das melden? 

    Julia.123: 23.02.2021


  • RE: 450 Euro Basis als Honorarkraft

    Hallo Julia,

    mir ist gerade nicht klar, was du damit meinst.

    Die Übungsleiter_innenpauschale kann nur für nebenberuflich augeübte Tätigkeiten in Anspruch genommen werden. Wenn du einer Tätigkeit hauptberuflich nachgehst, kannst du die Übungsleiter_innenpauschale gar nicht geltend machen.

    Grundsätzlich machst du die Übungsleiter_innenpauschale übers Finanzamt mit der Steuererklärung geltend. Wenn die Vuarssetzungen dafür erfüllt und plausibel dargelegt sind, kann das aber auch schon vorher, z.B. bei der Krankenkasse, entsprechend gemeldet werden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    dgb-jugend: 01.03.2021


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