Deutscher Gewerkschaftsbund

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Werkstudent / Selbstständiger

Einen schönen Abend wünsche ich!

Ich hätte da mal eine Frage bezüglich meiner Arbeit. Ich arbeite neben dem Studium über mein kleingewerbe. Derzeit nur so 10 Stunden die Woche. Nun werde ich vorraussichtlich ab Mai eine feste WerkstudentenStelle mit 20 Stunden pro Woche erhalten. 

Allerdings hat mich nun auch eine andere Firma angefragt, hin und wieder auf Rechnung, etwaige Aufgaben zu bestreiten. Dies würde natürlich den 20 Stunden Satz sprengen. Inwiefern kann ich das machen? Bzw was sind hier die rechtlichen Vorgaben?

Außerdem muss ich am Mitte / Ende des jahres sowieso mehr als 20 Stunden arbeiten um insgesamt finanziell im grünen bereich zu sein. 

Wenn ich bis dahin alle Regularien bezüglich einer Werkstudententätigkeit einhalte, muss ich dann dennoch Krankenkasse für den vorherigen Bereich nachzahlen? Ich bin ab April mit 110 Euro selber versichert. Und müsste bei einer normalen Tätigkeit ja mindestens 250 Euro oder sowas monatlich zahlen. Gilt dass dann auch Rückwirkend auch wenn ich vorher nicht mehr als 20 Stunden gearbeitet habe? Bzw habe ich dann ja auch bis April, 4 Monate unter 20 Stunden gearbeitet, spielt das irgendeine Rolle?

Bzw gibt es dann etwaige Steuern die nachwirkend anfallen weil ich dann ja im Jahr über den Steuerfreibetrag kommen würde und aufs jahr gerechnet, ja auch mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Hat das überhaupt etwas mit dem Steuerfreibetrag zutun?

Und noch eine generelle Frage zum Steuerfreibetrag, gilt dieser insgesamt? Oder nur für das Gewerbe? Also wenn ich bspw 30 Stunden mit einem normalen Arbeitsvertrag pro Woche arbeite und hierbei normale Steuerabgaben habe und nebenbei mit meinem Gewerbe arbeite, kann ich dann mit dem Gewerbe dennoch die knappen 9000 Euro steuerfrei verdienen? Oder wird das mit den Einnahmen aus meiner ''normalen'' Tätigkeit mit Arbeitsvertrag zusammengerechnet?

Ich will natürlich vermeiden irgendwas falsch zu machen worduch dann große Nachzahlungen entstehen könnten. Deswegen bin ich für jegliche Hilfe sehr dankbar.

Nette Grüße,

Wieland

Wieland: 19.02.2021 |
  • RE: Werkstudent / Selbstständiger

    Hallo Wieland,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Jobs, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in den Bereichen Steuern und Sozialversicherung angemeldet werden (das sind tatsächlich unterschiedliche Bereiche, die nichts/wenig miteinander zu tun haben).

    Sozialversicherung
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest.
    Hier wird die Arbeitszeit aus allen Jobs - abhängige Beschäftigung(en) UND selbstständige Tätigkeit(en)/Kleingewerbe reingerechnet. Der Werkstudent_innenstatus ist aber vorrangig für abhängige Beschäftigungen mit über 450€/Monat relevant.

    Je nachdem, ob du also insgesamt regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du im abhängigen Job dann entweder als Werkstudent oder als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer angemeldet.

    Eine volle SV-Pflicht ist aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent! Bis zu einer Gehaltshöhe von 1300€/Monat werden die SV-Beiträge für dich günstiger berechnet (Midijob). Außerdem erwirbst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Deine Einnahmen aus der Selbstständigkeit spielen hier keine Rolle, die regulären SV-Beiträge werden nur vom Gehalt aus abhängiger Beschäftigung eingezogen. Bei deinem Kleingewerbe kommt es eher darauf an, ob es sich um eine nebenberufliche und/oder geringfügige Selbstständigkeit handelt. Solange du von deiner Krankenkasse als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums (bis 20h/Woche) studentisch krankenversichern oder (bei insgesamt über 20h/Woche) ausschließlich über deine abhängige Beschäftigung versichert sein.
    Beachte die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung in Höhe von 470€/Monat! Verdienst du aktuell schon mehr, musst du dich ggf. auch jetzt schon selbst krankenversichern, nicht erst, wenn du mit der 20h-Stelle anfängst.

    Bei der Frage, ob du aus der Famileinversicherung fällst und dich selbst studentisch versichern musst, kommt es also nicht darauf an, ob du unter 20h/Woche bleibst, sondern darauf, wieviel du verdienst. Hier kann es vorkommen, dass du dich bei entsprechendem Einkommen auch rückwirkend selbst versichern musst.
    Wenn es um die Frage der vollen SV-Pflicht geht, kommt es wiederum nicht auf deine Gehaltshöhe (solange über 450€/Monat) an, sondern ob deine regelmäßige Arbeitszeit über oder unter 20h/Woche liegt. Hier ändert sich dein Status auf voll sv-pflichtig erst, wenn du tatsächlich mehr arbeitest. Bist du bis einschließlich März unter 20h/Woche (oder greift eine der Ausnahmen), musst du rückwirkend nichts nachzahlen, wenn du ab April mehr arbeitest und sich dadurch dein SV-Status ändert. Dann gilt die volle SV-Pflicht ab April.
    Verringert sich deine Arbeitszeit irgendwann mal wieder dauerhaft, kannst du während deines Studiums in den Werkstudierendenstatus zurückwechseln.

    Steuern
    Hier gibt es keine 20h-Regel oder sonst irgendwelche Besonderheiten für Studierende. Das Steuerrecht gilt für alle gleichermaßen. Ausschlagebend ist, wieviel du verdienst. Da bei werden aber nicht schon ab dem ersten Cent Steuern fälig.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9744€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Er gilt einmalig für dich und alle deine stezuerpflichtigen Einkünfte. Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag übersteigt.

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Im Job wird deine Lohnsteuer automatisch von den Arbeitgeber_innen abgeführt, bei der Selbstständigkeit musst du dich selbst darum kümmern. Deine tatsächliche Steuerschuld errechnet sich dann immer erst im Folgejahr mit deiner Steuererklärung, wobei die bereits eingezogene Lohnsteuer ggf. gegengerechnet wird.
    In der Steuererklärung kannst du neben deinen Betriebsausgaben dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 13.000 oder 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Ausführlicheres zum Thema Steuern findest du hier und zum Thema Selbstständigkeit hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 22.02.2021


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