Deutscher Gewerkschaftsbund

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Beitragsnachzahlung?

Derzeit studiere ich per Fernstudium (Vollzeit) und arbeite 

nebenher noch 18 h in der Woche. Daher besitze 

ich den Studentenstatus. Leider werden mir durch 

mein Fernstudium keine Semesterferien zugestanden

-ich vermute, dass das leider so ist. 

Ich überlege nun ab nächsten Monat Vollzeit 

zu arbeiten. Mir ist es klar, dass ich dann als normaler

Arbeitnehmer angesehen werde. Die Frage ist die folgende:

Muss ich die Beiträge aus den letzten Monaten nachzahlen?

(in denen war ich ganz normal Student und habe weniger als

20h gearbeitet).

Es hat folgenden Hintergrund: Ich habe letztes Jahr im Juli und August  Vollzeit gearbeitet und sie mir als meine eigenen 

Semesterferien festgelegt. Da hat mein Arbeitgeber nun

die kompletten Beiträge zurückgefordert, auch von den Monaten, 

in denen ich weniger als 20h gearbeitet habe und Student war. 

Ist das rechtens?

Beispiel :

Februar Student und unter 20 h gearbeitet

März Student und unter 20 h gearbeitet

April Student und unter 20 h gearbeitet

Mai Student und unter 20 h gearbeitet

Juni Student und unter 20 h gearbeite

Juli Vollzeit gearbeitet 

August Vollzeit

September Student und unter 20 h gearbeitet

Oktober Student und unter 20 h gearbeitet.

Zurückgefordert wurden die Beiträge von Februar bis einschließlich August. Entspricht das der geltenden Regelung? 

Vielen Dank 🙃

Andiandi : 17.02.2021 |
  • RE: Beitragsnachzahlung?

    Hallo Andi,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ob und wenn ja für welchen Zeitraum für dich der Werkstudierendenstatus anerkannt werden kann, entscheidet tatsächlich erstmal dein Arbeitgeber.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich auch nicht um eine gesetzliche Regelung, sondern lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Sie basiert auf Rechtsprechung und kann im Einzelfall abweichend ausgelegt werden.

    Ausschlaggebend ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer.
    Vielleicht hat dein Arbeitgeber hier aufs ganze Semester gerechnet und kam so auf einen Schnitt von über 20h/Woche. Ob das in deinem Fall rechtlich zulässig ist oder nicht, können wir rechtssicher nicht einhschätzen.

    Unterm Strich nimmt sich das aber meistens nicht viel. Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen.
    Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job renten-, kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe kann eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich sein als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.
    Wirst du rückwirkend voll sv-pflichtig umgemeldet und musst entsprechende SV-Beiträge nachbezahlen, kannst du für diese Zeit die Beiträge für die studentische KV wieder zurückbekommen. Wende dich dafür an deine Krankenkasse.

    Wenn du der Ansicht bist, dass die Einstufung als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer falsch ist und du eigentlich zumindest für die Zeit von Februar bis Juni als Werkstudent angemeldet werden musst, kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ein Statusfeststellungsverfahren beantragen. Dort wird dein SV-Status dann rechtssicher geprüft und auch dein Arbeitgeber muss sich an das Ergebnis halten (oder dagegen klagen, was er vermutlich nicht machen wird, wenn er eine rechtliche Bestätigung von der DRV bekommt, wie du anzumelden bist.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort ggf. direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 18.02.2021


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