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Werkstudentenjob bei zwei Arbeitgebern

Sehr geehrte Damen un Herren,

ich habe folgende Frage:

Ich arbeite in der Uni auf einer Krankenhausstation 10h/Woche und verdiene knapp mehr als 450 Euro (470 Euro). 

Ich würde jetzt sehr gerne einen zweiten Nebenjob in einem Impfzentrum, oder einer Teststelle, oder einer ITS annehmen, da dort händeringend gesucht wird.

Meine Frage: Wenn ich dort unter 10h/Woche, also einen Tag am Wochenende helfen würde und nicht über den Jährlichen Freibetrag komme, gelte ich dann noch als Werkstudentin? Oder darf ich nur bei einem Arbeitgeber angestellt sein als studentische Aushilfskraft bzw. Werkstudent und müsste beim zweiten Job Steuern zahlen?

Ich habe bereits diesen Beitrag gefunden:

https://jugend.dgb.de/studium/beratung/students-at-work?fp.l=t&fp.d=89819#:~:text=2%20Jobs%20als%20Studentische%20Aushilfe,Woche)%20bei%20zwei%20unterschiedlichen%20arbeitgebern

Allerdings verdient der STudent in diesem Fall in beiden Jobs unter 450 Euro und ich weiß nicht, ob das einen Unterschied macht.

Ich wäre über eine Antwort sehr dankbar!

Mit freundlichen Grüßen

Ewa

Ewa: 13.01.2021 |
Tags:
  • RE: Werkstudentenjob bei zwei Arbeitgebern

    Hallo Ewa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal sind die Bereiche Arbeitsrecht, Steuern und Sozialversicherung auseinander zu halten.

    Arbeitsrechtlich macht es keinen Unterschied, ob du ein oder zwei Jobs hast, ob über oder unter 450€/Monat - solange du nicht Vollzeit arbeitest, giltst du als Teilzeitarbeitnehmerin.
    Auf arbeitsrechtlicher Ebene gibt es also keinen Unterschied zwischen deiner Situation und der in der von dir verlinkten Anfrage.

    Im Bereich Steuern kommt es darauf an, wie viel du verdienst und damit verbunden auf die Art der Versteuerung. Hier gibt es übringens keine Sonderregeln für Werkstudent_innen, Steuerrecht gilt für alle gleich.
    Wenn du in beiden Jobs jeweils über 450€/Monat verdienst, passiert  das gleiche wie bei zwei Minijobs, die zusammen über 450€/Monat ergeben: Beide Jobs müssen über deine Steuer-ID abgerechnet werden und einer davon fällt in die ungünstige Lohnsteuerklasse IV. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) I abgerechnet werden kann.
    In der LSK I ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK VI ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Sollte der zweite Job für sich betrachtet allerdings ein Minijob sein, du dort also nicht mehr als 450€/Monat brutto verdienen, gibt es noch eine zweite Möglichkeit. Steuerlich werden Minijobs nämlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Dann hättest du keine Lohnsteuereinzüge in beiden Jobs.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in LSK IV.

    Tipp: Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK IV zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK IV zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.  
    Aber selbst, wenn das nicht klappt: Denk daran, dass der Lohnsteuereinzug nicht einfach weg ist und du zu viel eingezogene Steuern zurückbekommen kannst.

    Nun zum Bereich Sozialversicherung (SV). Hier passiert bei zwei Jobs mit jeweils über 450€/Monat ebenfalls das gleiche wie bei zwei Jobs mit jeweils unter 450€/Monat, zusammen aber darüber. Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet.
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen in der Regel immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Liegt die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit über 20h/Woche, entfällt der Werkstudent_innenstatus und man wird voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in.
    Hier geht es tatsächlich nur um die Sozialversicherungsbeiträge, mit Steuern hat das nichts zu tun.
    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Man ist dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in.

    Beim Werkstudent_innenstatus gibt es auch keinen Freibetrag oder eine Einkommensgrenze. Ausschlaggebend ist die regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob das Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Bis zu einer Einkommenshöhe von 1300€/Monat wird aber nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge (bei Werkstudent_innen: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob.

    Sollte der zweite Job ein 450€-Minijob sein, läuft es innerhalb der Sozialversicherung nochmal etwas anders. Dann fallen die SV-Beiträge (bei voller SV-Pflicht) bzw. die RV-Beiträge (im Werkstudistatus) nur auf das Gehalt mit über 450€/Monat brutto an. Auch die Midijobregeln gelten dann nur für den Job mit über 450€/Monat.
    Der Minijob wird in der Kombi getrennt betrachtet und das Gehalt daraus ist aufgrund seiner Geringfügigkeit bis auf 3,6% Rentenversicherung sozialversicherungsfrei. Im Minijob kannst du dich auch von der RV befreien lassen, erwirbst dann aber entsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    Ich hoffe, das hilft dir, deine Situation besser zu verstehen. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 14.01.2021


  • RE: Werkstudentenjob bei zwei Arbeitgebern

    Hallo Andrea,

    vielen, vielen Dank für diese ausführliche Antwort, das hat mir sehr geholfen.

    Ich habe noch eine Frage: Stimmt es, dass Arbeit am Wochenende, nicht zu den 20h dazu zählt?

    Ich bin verheiratet und lebe in Trennung, dadurch ändert sich aber nichts, außer, dass ich statt SK I und SK VI, in den SK IV und VI, oder?

    Nochmals vielen Dank für die Hilfe!

    Liebe Grüße

    Ewa

    Ewa: 14.01.2021


  • RE: Werkstudentenjob bei zwei Arbeitgebern

    Hallo Ewa,

    dass Wochenendarbeit bei der 20h-Regel nicht dazu zählt, ist so nicht ganz richtig. Nur unter bestimmten Umständen wird sie nicht mitgezählt.

    Der Werkstudent_innenstatus bleibt nur dann bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete(!) Beschäftigungen oder Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.

    Arbeitest du aber unbefristet oder auf mehr als ein halbes Jahr ( entspricht 26 Wochen) befristet neben dem Studium z.B. 25h/Woche, wirst du auch dann voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin, wenn 10h/Woche davon aufs Wochenende fallen. Die 26-Wochen-Regel spielt dann keine Rolle.

    Das mit den Steuerklassen hast du aber richtig verstanden. Wenn du verheiratet bist und deshalb die LSK IV greift, tritt diese an die Stelle der LSK I bei Alleinstehenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    dgb-jugend: 14.01.2021


  • RE: Werkstudentenjob bei zwei Arbeitgebern

    Hallo Andrea,

    nochmals vielen, vielen Dank. Ich habe dank dir so einiges verstanden, worüber mir bisher niemand richtig Auskunft geben konnte!

    Ich werde also streng darauf achten, dass wenn über 20h, dann nur wenn ein Teil davon am Wochenende ist UND dass dies nicht in mehr als 26 Wochen im Kalenderjahr (?) vorkommt.

     Das mit dem Kalenderjahr stimmt, oder?

    Nochmals tausend Dank!

    Ewa

    Ewa: 14.01.2021


  • RE: Werkstudentenjob bei zwei Arbeitgebern

    Hallo Andrea,

    mir ist eben mein Denkfehler aufgefallen, du hattest ja klar geschrieben, dass der Vertrag auf max 26 Wochen befristet sein muss!

    Danke nochmal für deine Hilfe, damit wären alle Fragen geklärt!

    Liebe Grüße

    Ewa

    Ewa: 14.01.2021


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