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Vertragliche Arbeitszeit Werkstudent

Hallo,

dar die vertragliche geregelte Arbeitszeit insgesamt 20 h pro Woche während der Vorlesungszeit übersteigen, wenn die tatsächlich erbrachte Arbeitszeit nicht 20 h pro Woche übersteigt?

Ich habe bei zwei verschiedenen Arbeitgebern Arbeitsverträge. Beide mit jeweils 10h pro Woche verinbarter Arbeitszeit. Da ich diese bei dem einen Arbeitgeber nicht immer im vollen Umfang ableiste könnte ich diese gelegentlich noch bei dem andere Arbeitgeber zusätzlich erbringen, dafür müsste allerdings meine vertragliche Arbeitszeit erhöht werden.

Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen
DrX

DrX: 12.01.2021 |
  • RE: Vertragliche Arbeitszeit Werkstudent

    Hallo DrX,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student_in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob in sozialversicherungsrechtlichem Sinn dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.

    Bei zwei Arbeitsverträgen mit insgesamt über 20h/Woche, wird in der Sozialversicherung dann allerdings voraussichtlich angenommen werden, dass das auch deiner tatsächlichen Arbeitszeit entspricht.
    Arbeitsrechtlich hast du nämlich einen Anspruch darauf, deinem Arbeitsvertrag entsprechend beschäftigt (und bezahlt!) zu werden. Wenn weniger Arbeit anfällt als gedacht, trägt das betriebliche Risiko der_die Arbeitgeber_in, nicht die Arbeitnehmer_innen. Das heißt, solange du deine vertraglich zugesicherte Arbeitskraft anbietest, hast du auch ein Recht auf Beschäftigung und Bezahlung.
    Wenn der_die Arbeitgeber_in deine Arbeitskraft nicht annimmt, so gerät sie_er in Annahmeverzug und ist weiterhin verpflichtet, Lohn zu zahlen (Entgeltfortzahlung nach §615 BGB).
    Sollte bei dir kein fester 10h/Woche-Vertrag vorliegen, sondern Arbeit auf Abruf, kann abweichendes gelten, ebenso bei Regelungen zu Minusstunden / Arbeitszeitkonten.

    Ansonsten ist eine volle SV-Pflicht aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert! Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Wenn du dennoch den Werkstudent_innenstatus behalten möchtest, müsstest du bei einer vertraglichen Arbeitszeiterhöhung im einen Job, den anderen entsprechend reduzieren oder schauen, ob eventuell eine der Ausnahmen von der 20h-Regel greift.
    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.01.2021


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