Deutscher Gewerkschaftsbund

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Praktikum während Kurzarbeit

Hallo liebe DGB-Jugend,

aufgrund der Corona-Krise ergibt sich bei mir aktuell folgende Situation:

- Ich befinde mich in einer normal sozialversicherungspflichtigen Anstellung (kein Werkstudentenstatus) auf Stundenbasis (wöchentliche Mindeststundenanzahl 10 Std., monatlicher Verdienst stark schwankend zw. 700-1200€). Derzeit in Kurzarbeit Null mit Lohnaufstockung seitens des Arbeitgebers (berechnet nach einem Durchschnittswert des Einkommens).

- Ich studiere zusätzlich an einer Hochschule (ganz normal immatrikuliert) und beginne jetzt im Rahmen des Studiums mit einem 3-monatigen Pflichtpraktikum. Das Praktikum wird vergütet (850€) und findet an 4 Tagen in der Woche statt.

1. Welche Möglichkeiten gäbe es, beide Anstellungen zu vereinen? Eine Änderung meines aktuellen Arbeitsvertrages (weniger Stunden oder auf 450,-€) wäre erst nach Beendigung der Kurzarbeit möglich.

2. Würde mein Einkommen aus dem Praktikum auf mein Einkommen aus der Kurzarbeit angerechnet werden? Welcher Nettolohn würde dann berücksichtigt werden? Der, der Berechnung der Kurzarbeit zugrunde liegt? Wäre das Praktikum dann Lohnsteuerklasse 6?

3. Macht es Sinn, mich bei meinem bisherigen Arbeitgeber unbezahlt beurlauben zu lassen? Läuft das Praktikum dann auf Lohnsteuerklasse 6 oder bin ich dann Werkstudent mit Steuerklasse 1 und trage die Kosten für die Krankenkasse selber?

Ich bedanke mich für eure Einschätzung!

Jojo: 10.01.2021 |
  • RE: Praktikum während Kurzarbeit

    Hallo Jojo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Das klingt ja ganz schön kompliziert! Grundsätzlich ist es aber möglich, neben deinem Job ein Pflichtpraktikum zu absolvieren.
    Es gibt dabei allerdings einiges zu beachten. Das betrifft die Bereiche Arbeitsrecht, Steuern und Sozialversicherung.

    So gelten arbeitsrechtlich die Regelungen nach dem Arbeitszeitgesetz auch für Pflichtpraktika. Demnach darfst du nicht mehr als 8h/Tag (10h/Tag bei Ausgleich) bei einer 6-Tage-Woche und damit nicht mehr als 48h/Woche abhängig beschäftigt werden.
    Wenn ich dich richtig verstehe, hast du eine vertragliche Wochenarbeitszeit von mind. 10h, arbeitest aber schwankend (also auf Abruf) mehr, in der Regel über 20h/Woche.
    Damit könnten während der Kurzarbeit die 10h/Woche für das Arbeitszeitgesetz relevant sein, ganz sicher bin ich mir aber nicht. Um auf Nummer Sicher zu gehen, schau mal, was die deinem KUG zugrundegelegte wöchentliche Arbeitszeit ist und addiere dazu die wöchentliche Praktikumszeit. Liegt das zusammen nicht über 48h/Woche, geht die Kombi auf jeden Fall klar. Achte aber darauf, dass die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten einzuhalten sind, wenn die Kurzarbeit vor Praktikumsende beendet werden sollte und du dann beides tatsächlich parallel machst.
    Solltest du insgesamt mit beidem über 48h/Woche kommen, solltest du die Praktikumszeit entsprechend reduzieren.

    Innerhalb der Sozialversicherung beeinflussen sich ein Pflichtpraktikum und ein Teilzeitjob gar nicht. Das Pflichtpraktikum gilt hier nicht als Arbeitsverhältnis, sondern als Teil deines Studiums. Die Vergütung ist grundsätzlich sozialversicherungsfrei - aber steuerpflichtig, dazu gleich mehr.

    Wenn du nicht wieder in den Werkstudent_innenstatus zurückzufallen möchtest, solltest du darauf achten, dass offiziell deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit bei >20h/Woche bleibt. Hier zählt die Zeit für das Pflichtpraktikum nicht mit hinein. Bei einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von weniger als 20h/Woche, müsstest du bei Vollzeitimmatrikulation wieder als Werkstudent angemeldet werden - und deine Krankenkassenbeiträge alleine bezahlen (freiwillig mind. 185€/Monat). Auch, wenn du deinen Job in einen Minijob umwandelst oder bei unbezahlter Freistellung/Beurlaubung, müsstest du dich freiwillig krankenversichern. Das wäre also finanziell vermutlich nicht so günstig für dich.

    Ob deine Praktikumsvergütung auf dein KUG angerechnet wird und falls ja, in welcher Höhe, kann ich dir allerdings nicht sagen. Erkundige dich dazu am besten direkt bei der Agentur für Arbeit.

    Das Thema Steuern ist wieder ein eigener Bereich mit eigenen gesetzlichen Regelungen. Hier gibt es keine Besonderheiten für Studierende und auch der Werkstudistatus spielt keine Rolle. Wichtig ist, wie viel du verdienst.
    Kombinierst du einen Teilzeitjob mit einem vergüteten Praktikum, muss eins von beiden über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs/Einkünfte über deine Steuer-ID hast, wovon nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur leicht drüber kommst.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    In der Steuererklärung kannst du dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von z.B. 12.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 11.01.2021


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