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Minijob + Midijob und Steuern ?

Hallo liebes Team,

ich bin Student im ersten Semester und studiere dual und praxisintegriert. Mein Praxisbetrieb bezahlt mir meine Überstunden auf Mini-Job Basis. Da ich bereits 20 Stunden arbeite, schaffe ich in der Woche nicht so viele Überstunden und habe mich nun für ein Mini-Job am Wochenende beworben. Bei 2 Minijobs werden zusammengerechnet und wenn diese insgesamt 450,00€ übersteigt müsste ich auf beide Steuern zahlen und da hab ich fast nichts mehr über. :( 

Jetzt meine Frage, wenn eines von den Jobs als Midijob angemeldet wird wäre ja dieser Job sozialversicherungspflichtig und mein Mini-Job dann frei von Steuern aber leider sind beide Jobs dauerhaft unter der "Gleitzone" sind also vom Betrag und pro Job nie über 450€.

Wie lange dürfte oder wie oft darf man die Gleitzone unterschreiten? Würde ich dadurch Probleme bekommen? oder gibt es zu meinem Fall eine andere Lösung? 

Danke im Voraus für die Hilfe!

Erstes_Semester_Studi: 09.01.2021 |
  • RE: Minijob + Midijob und Steuern ?

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Irgendwie sind deine Angaben nicht ganz nachvollziehbar für mich. Du studierst praxisintegriert dual, bekommst eine Vergütung, aber Überstunden werden als Minijob ausgezahlt? Und du bist familienversichert?
    Das geht rechtlich eigentlich so nicht zusammen.

    Wenn du dual studierst und eine Vergütung erhältst, bist du voll sozialversicherungspflichtig über deinen Praxisbetrieb anzumelden. Das bedeutet, du bist dann darüber krankenversichert. Die gesetzlichen Familienversicherung ist für dual Studierende nur möglich, wenn sie kein Arbeitsentgelt beziehen.
    Eine zusätzliche Vergütung für über die vereinbarte Praxiszeit hinaus geleistete Arbeitsstunden im gleichen Betrieb müssten dann eigentlich auch noch zu deiner Ausbildungsvergütung gehören und nicht als zusätzlicher Minijob abgerechnet werden.

    Ein zusätzlicher Minijob bis 450€/Monat in weinem anderen Betrieb wäre dann parallel dazu kein Problem. Er würde als Minijob (bis auf 3,6% Rentenversicherung) sozialversicherungsfrei und könnte pauschal mit 2% versteuert werden. Von der Rentenversicherungspflicht im Minijob kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber entsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    Die "Gleitzone" bzw. mittlerweile Übergangsbereich spielt in der Kombi dann gar keine Rolle.

    Solltest du tatsächlich (rechtlich formal korrekt angemeldet) nur zwei Minijobs miteinander kombinieren, werden diese in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. 
    Da du mit beiden Jobs zusammen insgesamt mehr als 20h/Woche arbeiten würdest, käme der Werkstudent_innenstatus nicht infrage und du müsstest spätestens dann voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden.

    Wenn du zwei Minijobs neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung/Ausbildung ausübst, kann nur der zeitlich zuerst aufgenomme als Minijob als solcher abgerechnet werden. Der zweite Minijob wird dann automatisch sozialversicherungspflichtig und mit dem "Hauptjob" zusammen verbeitragt. Auch dann, wenn du mit beiden Minijobs nicht über 450€/Monat kommst.

    Der Bereich Steuern ist wieder ein eigenes Thema:
    Hier ist relevant, wie viel du verdienst. Und auch Minijobs sind grundsätzlich steuerpflichtig. Sie können jedoch ggf. pauschal versteuer werden (siehe Link weiter oben). Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf - quasi gefühlt steuerfrei - dazuverdient werden. Wird der Minijob bzw. werden die Minijobs über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du jedoch die ungünstige Lohnsteuerklasse 6.
    Das ist aber vielleicht gar niocht so schlimm wie du denkst. Die Steuerklasse 6 kommt immer dann ins Spiel, wenn du mehrere (nicht pauschal versteuerte) Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    In der Steuererklärung kannst du dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von z.B. 12.000 oder 13.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Und um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 gleich von Anfang an zu vermeiden, kannst du auch versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.
    Und frag auch mal bei deinem Praxisbetrieb nach, ob es sein kann, dass du falsch angemeldet bist. Genauere Infos dazu findest du ab Seite 20 im Rundschreiben zur versicherungsrechtlichen Beurteilung beschäftigter Studierender. Darauf kannst du auch deinen Praxisbetrieb verweisen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort ggf. direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 11.01.2021


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