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Freiberufliche Nebentätigkeit als Werkstudentin

Hallo,

ich bin derzeit voraussichtlich noch bis Ende März 2021 in Deutschland eingeschriebene Studentin und übe bis dahin (seit Juni 2020) 20 h pro Woche einen studentischen Aushilfsjob aus, für den ich allerdings aufgrund des niedrigen Einkommens (10,60€ brutto pro Stunde) aktuell keine Steuern bezahlen muss. Seit 27.12.2020 lebe ich offiziell in London, England, bin aber weiterhin in Deutschland gemeldet und zahle dort auch noch studentische Krankenversicherung. Zusätzlich zu meinem studentischen Aushilfsjob, den ich aufgrund der Corona Pandemie derzeit im Homeoffice (also aktuell von London aus) ausüben kann, würde ich gern eine freiberufliche Tätigkeit aufnehmen, die ich dann ebenfalls von London aus im Homeoffice ausüben würde.

Was muss ich hierbei bezüglich der Steuern, evtl. Doppelbesteuerungsabkommen sowie der Anmeldung als Freiberuflerin beachten? Müssen diese Anmeldung sowie die Steuererklärung für 2020 in Deutschland oder in Großbritannien erfolgen?

Ich bin total überfragt und will in puncto Steuern aber auch lieber nichts dem Zufall überlassen. Gleichzeitig würde ich ungern mehrere Hundert Euro für Steuerberater*innen ausgeben. Hättet ihr vielleicht einen Tipp?

Danke und liebe Grüße

Layla

Layla: 07.01.2021 |
  • RE: Freiberufliche Nebentätigkeit als Werkstudentin

    Hallo Layla,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Leider kann ich dir nur Infos geben, wie es in Deutschland läuft, wie du hier eine selbstständige Tätigkeit anmelden kannst und was du dabei beachten solltest.

    Ob es eventuell sinnvoll(er) wäre, dich in Großbritannien anzumelden, welche Regelungen dort gelten und insbesondere, was das für die Besteuerung bedeutet, kann ich dir nicht sagen - zumal der Brexit jetzt erst wenige Tage alt ist. Wende dich am besten an eine Beratungsstelle in London, die dir sicher erklären können, was auf dich zukommt, wenn du in GB eine selbstständige Tätigkeit anmeldest.
    Ich schreibe dir hier die wichtigsten Infos rund ums Thema Selbstständigkeit in Deutschland, dann kannst du die Infos vergleichen.

    In Deutschland kannst du eine selbstständige Tätigkeit an deinem (offiziellen) Wohnsitz mit dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung online über Elster anmelden.
    Wenn es sich um eine freiberufliche Tätigkeit handelt, musst du kein Gewerbe anmelden. Dann reicht die Anmeldung beim Finanzamt.

    Außerdem musst du noch deiner Krankenkasse und deinen Arbeitgeber_innen im Werkstudijob Bescheid sagen. Solange du von deiner Krankenkasse als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst und sich deine wöchentliche Arbeitszeit insgesamt innerhalb der 20h-Regel  bewegt (Ausnahmen möglich), kannst du dich bis zum Ende deines Studiums weiterhin studentisch krankenversichern und auch bei deinem Werkstudijob bleibt dann alles wie bisher.
    Liegt deine Arbeitszeit über 20h/Woche und greift auch keine der Ausnahmeregelungen, musst du ggf. im Werkstudijob voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Bei deiner Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem kannst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erwerben, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Je nachdem, welcher Tätigkeit genau du nachgehst und wieviel du verdienst, kann die freiberufliche Tätigkeit auch noch rentenversicherungspflichtig sein.Dann musst du dich zusätzlich bei der Deutschen Rentenversicherung melden.

    Für deinen Status in deinem Werkstudijob ist es übrigens nicht relevant, ob du die selbstständige Tätigkeit in Deutschland oder in GB anmeldest. Arbeitszeit aus allen Jobs/Tätigkeiten, auch im Ausland, zählen in die 20h-Regel mit hinein.

    Steuerlich würde sich durch die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit bei deinem Werkstudijob nichts verändern. Wenn du die Tätigkeit in Deutschland anmeldest, müsstest dann lediglich immer im Folgejahr (bis zum 31.7.) eine Steuererklärung machen. Dann errechnet sich, ob du noch Einkommenssteuer znachzahle musst oder nicht.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt aktuell 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale für deine abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag übersteigt.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    In der Steuererklärung kannst du dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 12.000€ im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

    Ausführlicheres zum Thema Steuern findest du hier und zum Thema Selbstständigkeit hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 08.01.2021


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