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mehrere Jobs

Hallo, ich bin Werkstudentin und arbeite ca. 20 Stunden die Woche. Gleichzeitig bin ich Pflegerin für Familienangehörige bei der AOK, also ich pflege dort meine Oma ca. 2 mal die Woche. Und ich habe von August bis November ein Praktikum absolviert. Die Chefin hat mich weiterhin als freie Mitarbeiterin für kleine Recherchen behalten. Darf ich zusätzlich als freie/freiwillige Mitarbeiterin bei einem Uni-Kunstmagazin arbeiten? Oder sind das zu viele?

Danke!

Seybi19: 07.01.2021 |
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  • RE: mehrere Jobs

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.Du musst nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi dann in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen/Tätigkeiten und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr, wirst voll du ggf. sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Ausnahmen von dieser 20h-Regelsind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Ändert sich dein SV-Status ( = Sozialversicherungsrecht), gilt dein Arbeitsvertrag ( = Arbeitsrecht) trotzdem weiter. Und du darfst nicht allein wegen einer SV-Statusänderung gekündigt werden. Für deine korrekte Anmeldung sind deine Arbeitgeber_innen zuständig. Du musst ihnen dafür aber alles für deine Anmeldung relevante mitteilen, insbesondere andere Jobs.

    Bei der freien Mitarbeiten beachte, dass es sich um eine selbstständige Tätigkeit handelt. Das Uni-Kunstmagazin wäre dann vermutlich  lediglich ein weiterer Auftraggeber. Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung). Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 08.01.2021


  • RE: mehrere Jobs

    Hallo,

    ich habe eine ergänzende Frage zu der Ausnahmeregelung, dass man an 26 Wochen im Jahr mehr als 20h/Woche arbeiten darf. Wie ist das denn, wenn man im Home Office ist? Kann ich dann also an 26 Wochen für z.B. 30h/Woche arbeiten, indem ich die 10h "Überschuss" die Woche offiziell einfach am Wochenende arbeite?

    Danke

    frank92: 12.01.2021


  • RE: mehrere Jobs

    Hallo Frank,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    die 26-Wochen-Regel ist nur auf entsprechend befristete Beschäftigungen / Arbeitszeiterhöhungen anwendbar, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Ob du dabei im Homeoffice arbeitest oder nicht spielt keine Rolle.

    Aber selbst wenn die 26-Wochen-Regel nicht greifen sollte, kannst du auch so 30h/Woche arbeiten. Die 20h- und damit verbunden die 26-Wochen-Regel bezieht sich lediglich auf deinen Status innerhalb der Sozialversicherung, also wie du im Job angemeldet werden musst. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent oder als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer angemeldet.

    Da du bereits freiwillig krankenversichert zu sein scheinst, kämst du finanziell als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer, also ohne Werkstudistaus deutlich besser weg.
    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt zwar nur 9,3% Rentenversicherung (RV) an, allerdings muss man selbst die Kosten für die Krankenversicherung (freiwillig mind. 185€/Monat!) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Für freiwillig Versicherte ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell deutlich günstiger als der Status als Werkstudent_in. Selbst bei studentisch Krankenversicherten kann je nach Einkommenshöhe die volle SV-Pflicht günstiger sein (insbesondere bei Bruttoeinkünften unter 1000€/Monat) Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.01.2021


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