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Werkstudentin mit zwei Jobs

Liebes DGB-Team,

ich studiere Filmproduktion an einer Filmakademie, bekomme allerdings kein Bafög, weil Zweitstudium.

Meinen Nebenjob übe ich in einem Schuhladen immer Samstags aus - als Minijob. (8h die Woche)

Nun habe ich vorraussichtlich einen Job als Produktionsassistentin für ein Filmprojekt, das im April gedreht werden soll. Einsteigen kann ich ab Januar.

Da ich meinen Status als Werkstudentin nicht verlieren möchte, würde ich 20 Stunden unter der Woche in der Vorproduktion arbeiten und weiterhin Samstags (8h im Schuhladen).
Rutsche ich damit bei dem Werkstudentenjob in Steuerklasse 6?
Was bedeutet das grundsätzlich für meiner Abgaben? Muss ich eine Einkommensgrenze beachten?

(Ich sollte vielleicht auch erwähnen, dass ich zur Zeit keine Einnahmen aus dem Geschäft, in dem ich arbeite, habe, da ich als Studentin kein KUG bekomme und Corona bedingt der Einzehandel wieder schließen musste - zur Zeit und voraussichtlich den ganzen Januar werde ich dort nicht arbeiten können.

Des weiteren werde ich im April über 2-3 Wochen bei dem Dreh dabei sein und dementsprechend würde ich dort gerne Vollzeit arbeiten. Ist es für mich möglich in der Zeit des Drehs Vollzeit zu arbeiten ohne meinen Studentenstatus zum Beispiel bei der Krankenversicherung zu verlieren? Welche Optionen der Einstellung hätte ich in diesem Zeitraum?

Danke im Voraus und VG

E.Zb: 30.12.2020 |
  • RE: Werkstudentin mit zwei Jobs

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Sozialversicherung
    Die sogenannte 20h-Regel wird als Orientierungsgrenze innerhalb der in der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status im Job herangezogen. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Job entweder als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet.
    Solange du in deinem Minijob wegen Kurzarbeit unbezahlt freigestellt bist, zählen die Arbeitsstunden dort nicht in die 20h-Regel mit hinein.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem kannst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, KUG oder später ggf. Alg I) erwerben, auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Die SV-Beiträge werden nur auf den Job mit >450€/Monat fällig. Und bis zu einer Grenze von 1.300€/Monat wird auch nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge (bzw. der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob. Bei deinem Minijob bleibt alles wie bisher, denn Minijobs sind aufgrund ihrer Geringfügigkeit (bis auf 3,6% RV mit Befreiungsoption) sozialversicherungsfrei. Auch in den Übergangsbereich zählt das Minijobgehalt nicht mit hinein.

    Wenn deine Freistellung wegen Kurzarbeit beendet ist, zählt die Arbeitszeit im Minijob aber ganz normal in die 20h-Regel mit hinein. Ausnahmen bei Wochenendarbeit sind nur unter bestimmten Umständen möglich und gelten nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Und noch ein Hinweis: Da du bereits 30 bist, wird zudem die Möglichkeit zur studentischen Krankenversicherung bald entfallen. Dann müsstest du dich freiwillig krankenversichern (für mind. 180€/Monat, je nach Einkommenshöhe ggf. sogar mehr). Spätestens dann ist die volle SV-Pflicht günstiger und der Werkstudierendenstatus von Nachteil für dich! Überleg dir also gut, ob du diesen Status tatsächlich behalten möchtest.

    Steuern
    Steuern sind ein komplett eigener Bereich. Hier spielt es keine Rolle, ob du Werkstudentin bist oder voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin. Ausschlaggebend ist dein Einkommen und wie dein Minijob versteuert wird.
    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.Der neue Job liefe dann über die Lohnsteuerklasse 1 (sofern du unverheiratet und kinderlos bist).

    Nur wenn dein Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem der beiden Jobs in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 04.01.2021


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