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Teilzeitjob+Minijob+Honorarkraft

Moin,

ich bin Student und bin studentisch versichert. Ich habe einen Minijob als Küchenaushilfe (ca. 300€) und eine Honorartätigkeit in einer Schule (ca. 200€).

Nun bewerbe ich mich für eine Teilzeitstelle als studentische Hilfskraft an meiner Uni und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich sie bekomme.

Könnt ihr mir vielleicht sagen, wie das mit Steuern geregelt wird? Insgesamt darf ich nur unter 20h/Woche arbeiten, oder? Was soll ich noch beachten?

Vielen Dank für die Hilfe im Voraus. :)

lelewth_: 21.12.2020 |
  • RE: Teilzeitjob+Minijob+Honorarkraft

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent oder als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer angemeldet.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100-110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Die regulären Sozialversicherungsbeiträge werden auch nur auf Gehalt aus nicht-geringfügiger abhängiger Beschäftigung fällig, also auf Jobs, in denen du mehr als 450€/Monat verdienst.
    Nimmst du einen  dritten Job mit über 450€/Monat auf und kommst insgesamt auf regelmäßig über 20h/Woche, wirst du also nur im neuen Job voll sv-pflichtig. In deinem bisherigen Minijob bleibt alles wie bisher. Auch deine selbstständige Tätigkeit wird getrennt betrachtet und es ändert sich dort nichts durch die Aufnahme des dritten Jobs.

    Steuern sind ein eigener Bereich. Hier ist relevant, wieviel du insgesamt verdienst und wie dein Minijob versteuert wird.
    Steuerlich werden Minijobs nämlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Wird der Minijob allerdings über deine Steuer-ID abgerechnet, fällst du dort mit der Aufnahme des Teilzeitjobs in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6.

    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere abhängige Beschäftigungen hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr bzw. ab 2021 dann 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben oder nur leicht drüber kommen solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen bzw. werden diese mit einer eventuellen Steuerschuld auf deine selbstständige Tätigkeit verrechnet.

    In der Steuererklärung kannst du dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 12.000 oder 13.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Ausführlicheres zum Thema Steuern findest du hier. Was du alles beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen. Und zum Thema Selbstständigkeit lies hier weiter und schau auch gern mal in unserer Broschüre zu Selbstständigkeit und Studium.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 21.12.2020


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