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Urlaubsanspruch / Krankheitsfall - Zahlungsausfall?

Liebe Community, 

ich bin seid September in meinem Unternehmen als studentische Aushilfskraft in einem Anstellungsvertrag tätig. 

In dem Vertrag wird ausdrücklich beschrieben, dass ich pro tatsächlich geleisteter Stunde einen Stundensatz von XY erhalte. 

Ebenso ist festgehalten, dass ich max. 20 Std., verteilt auf max. 3 Tage arbeiten soll/kann. 

Sowohl zu den Urlaubstagen als zum Krankheitsfall steht im Vertrag nichts drin. 

Da ich in der letzten Woche krankheitsbedingt nicht im Unternehmen war (mit vorliegender Krankschreibung des Arztes), habe ich meinen Chef gefragt mit wievielen Stunden ich die krankheitstage ansetzen soll, da ich monatlich einen Arbeitszeitnachweis der geleisteten Stunden abgeben muss, wonach sich dann mein Verdienst richtet. Mein Chef sagte sowohl zu den krankheitstagen als auch dem Urlaubsanspruch, dass ich auf keines der beiden Themen Ansprüche hätte. 

Bedeutet, kein Urlaub und kein Geld bei Krankheit. 

Zudem ist noch zu sagen, dass ich monatlich eine "Pauschale" erhalte, die auf 15 Std. wöchentlich ausgelegt ist. Arbeite ich mehr, wird mir dies im Folgemonat als Überstunden ausgezahlt. (Also werde ich nach Honorar bezahlt, irgendwie aber auch nicht ganz)

Meiner Meinung nach ist dies verwunderlich und mich würde interessieren, ob dies so in Ordnung ist. 

Ich habe online recherchiert und für mich klingt es so, als hätte ich einen Honorarvertrag. Dies ist doch nicht der Fall, da in meinem Vertrag ausdrücklich von einem Anstellungsvertrag gesprochen wird und ich somit doch sowohl den gesetzlichen Urlaubsanspruch als auch das Recht auf Lohnfortzahlung bei Krankheit habe?

Meine konkrete Frage: Habe ich Anspruch auf Urlaub und auf Lohnfortzahlung bei Krankheit oder wird dies durch vertragliche Formulierungen im Vertrag entkräftet?

Ich bedanke mich ganz herzlich im Voraus und sende viele Grüße!

Vanessa 

Vanessa: 23.11.2020 |
  • RE: Urlaubsanspruch / Krankheitsfall - Zahlungsausfall?

    Hallo Vanessa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Allen Arbeitnehmer_innen steht das Recht auf Entgeltfotzahlung im Krankheitsfall (für bis zu sechs Wochen) und bezahlten Urlaub (mind. 4 Wochen im Jahr) zu. Da das Bundesgesetze sind, brauchst du auch keine Regelung in deinem Arbeitsvertrag dafür. Selbst wenn deine Ansprüche vertraglich ausgeschlossen wären, wäre das nicht rechtsgültig und du hättest Anspruch. Das gilt auch für studentische Arbeitnehmer_innen mit flexiblen Arbeitszeiten!

    Bist du an einem vorher festgelegten Arbeitstag krank, so musst du dich krankmelden (Anzeigepflicht) und deine_r/m Arbeitgeber_in spätestens bis zum dritten Tag die Krankschreibung einreichen (Nachweispflicht). Der/Die Arbeitgeber_in kann den Nachweis aber auch früher verlangen (sogar schon am ersten Tag deiner Krankmeldung).
    Kommst du der Anzeige- und Nachweispflicht ordnungsgemäß nach, muss dir dein_e Arbeitgeber_in Entgeltfotzahlung im Krankheitsfall gewähren.

    Auch bei schwankenden Arbeitszeiten gibt es Regelungen zu Krankheit und Urlaub. Damit es nicht immer wieder zu rechtswidrigen Umgehungen der Entgeltfortzahlung bei Krankheit kommt, hat der Gesetzgeber extra nachgebessert. In § 12 Teilzeit- und Befristungsgesetz Absatz 4 ist geregelt, dass die zur Berechnung der dir zustehenden Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall "maßgebende regelmäßige Arbeitszeit […] die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten drei Monate vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit (Referenzzeitraum)" ist.
    Auch für den Fall, dass du krank wirst, bevor dein Arbeitsverhältnis volle drei Monate bestanden hat, gibt es eine klare Regelung. Dann ist "der Berechnung des Entgeltfortzahlungsanspruchs die durchschnittliche Arbeitszeit dieses kürzeren Zeitraums zugrunde zu legen".

    Weise deine_n Arbeitgeber_in auf die bestehende Rechslage hin. Wenn es bei euch einen Betriebs- oder Personalrat gibt, lass dich von den Kolleg_innen dort unterstützen!
    Wenn das alles nichts hilft, kannst du deine Ansprüche auch einklagen. Lass dich dazu aber am besten anwaltlich beraten, auch um eventuelle Folgen gut abzuwägen.

    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vorher Mitglied warst.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 24.11.2020


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