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20h-Regel und Verdienst

Guten Tag,

ich hätte ein paar allgemeine Fragen.

Nehmen wir an, ich beziehe BAföG und habe zwei Jobs (Werkstudent+Honorar). In ungefähr fünf Wochen des Jahres arbeite ich aufgrund der Honorartätigkeit mehr als 20h/Woche, nämlich ca. 30h in diesen fünf Wochen.

Dafür mache ich beide Jobs nicht das ganze Jahr über, sodass der Durchschnitt weniger als 20 Wochenstunden ergibt. 

Kann man nun allgemein sagen, dass die 20h-Regel als Durchschnitt gesehen wird und ich keine Probleme bekomme?

Ähnlich dazu frage ich mich, ob auch die Regelung vom Steuer-Grundfreibetrag von 9408€ nur auf das ganze Jahr betrachtet wird. Könnte ich also quasi vier Monate lang während der Vorlesungszeit 2000€ monatlich verdienen, den Rest des Jahres nichts mehr verdienen und trotzdem steuerfrei bleiben?

Und gilt die Durchschnittswertung auch für den Freibetrag beim BAfög, der sich ja auf 5400€ beläuft?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Christine: 16.11.2020 |
  • RE: 20h-Regel und Verdienst

    Hallo Christine,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen BAföG, Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen, der Lage deiner Arbeitszeit und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet.

    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Ein jährlicher Durchschnitt wird hier nicht gebildet. So kannst du z.B. ein paar Monate im Jahr voll sv-pflichtig sein, und wenn sich dene Arbeitszeit verringert, wieder als Werkstudentin (und andersherum).

    Wenn du aber nur in 5 Wochen im Jahr mehr als 20h/Woche arbeitest, kann es sein, dass das unter eine der Ausnahmeregelungen fällt.
    Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen oder Arbeitszeiterhöhungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

    Ansonsten ist eine volle SV-Pflicht aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job nicht nur renten, sondern auch kranken- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Bei der Einkommenssteuer ist dein jährliches Gesamteinkommen relevant. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Hast du bei mehreren Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen hohe Abzüge, kannst du die zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.
    In der Steuererklärung kannst du dann ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von 12.000 oder 13.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.
    Bei selbstständiger Tätigkeit, wozu vermutlich deine Honorartätigkeit gehört, ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Beim BAföG wiederum geht es um dein Gesamteinkommen im Bewilligungszeitraum. Der Einkommensfreibetrag beträgt hier 290€/Monat. Dein Einkommen wird beim BAföG aber noch um eine Sozialpauschale in Höhe von 21,3% und bei abhängiger Beschäftigung um die Werbungskostenpauschale (1000€/Jahr) bereinigt. So kannst du in abhängiger Beschäftigung bis zu 450€/Monat oder ca. 5400€/Jahr ohne BAföG-Abzüge verdienen. Bei der Selbstständigkeit greift die Werbungskostenpauschale allerdings nicht, dafür kannst du dort dein Honorar um die für den Job notwendigen Ausgaben bereinigen (Gewinnermittlung).

    Was dann nach der Bereinigung geteilt durch die Anzahl der Monate deines Bewilligungszeitraums (in der Regel 1 Jahr, machmal aber auch kürzer) übrig bleibt und über die 290€/Monat geht, vermindert deinen BAföG-Auszahlbetrag.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 17.11.2020


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