Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: Aktuelle Infos!


Mehrere (Mini)Jobs

Hallo, 

Ich bin 21 Jahre alt und habe mehrere Fragen zu meinem weiteren Vorgehen. Momentan befinde ich mich in meinem Auslandssemester. Normalerweise arbeite ich in einem Privathaushalt mit Nachhilfe, Unterricht, etc. als Minijob (angemeldet bei der  Minijob Zentrale). Da bin ich zurzeit aber abgemeldet, da ich mich im Ausland befinde. Normalerweise verdiene ich dort 160€ im Monat für min. 6h in der Woche. Nun fange ich zu morgen einen weiteren Minijob an, der digital stattfinden wird und auch über meine Auslandszeit hinaus. Dabei verdiene ich 330 Euro im Monat für 7h in der Woche.

Wenn ich zurück komme, im Januar, werde ich meinen Minijob von Nachhilfe auch wieder aufnehmen wollen und würde dann also zwei Minijobs haben. Allerdings wurde mir auch noch ein studentischer Hilfskraft Job an meiner Uni angeboten, den ich sehr gerne auch ab Januar annehmen würde für 3 Monate für 2,5h in der Woche und 106,9€ im Monat.
Das würde dann bedeuten: 2 Minijobs und ein studentischer Hilfskraft Job, für insgesamt min. 15,5 h/Woche und 596,9€ im Monat. 

Meine Fragen sind nun: Darf ich überhaupt mehrere Nebenjobs haben? Beziehungweise ich würde dann insgesamt nicht über die 20h/Woche kommen, allerdings über die 450€ im Monat. Muss ich dann meinen digitalen Job zum Januar umändern, sodass es kein Minijob mehr ist ? Welche Möglichkeiten bestehen mir da? Und kann mein Nachhilfejob als Minijob dann so weiter laufen? Kann ich den studentische Hilfskraft Job auch zusätzlich annehmen und muss ich da was beachten?

Außerdem würde ich gerne wissen, ob ich dann aus meiner familienversicherung fallen würde und ob ich weiterhin mich von der Rentenversicherung befreien lassen kann? Muss ich dann auch alle drei Jobs versteuern lassen ? 

Ich hoffe Sie können mir bei meinem Anliegen und meinen vielen Fragen weiterhelfen, denn ich fange langsam an zu verzweifeln. 

Mit freundlichen Grüßen

Lilian  

Lilian: 14.10.2020 |
  • RE: Mehrere (Mini)Jobs

    Hallo Lilian,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigungen, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, müssen alle Jobs nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet und versteuert werden.

    Wenn du in allen Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei allen um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für alle Jobs.

    Solange du mit allen Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in allen als Werkstudentin angemeldet. Dann fällt auf jedes Gehalt je 9,3% Rentenversicherung an. Davon kannst du dich nicht befreien lassen.
    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).

    Beim dem Job an der Uni könnte es auch sein, dass dieser als kurzfristige Beschäftigung abgerechnet wird. Dann wäre das Einkommen daraus sozialversicherungsfrei (also keine Rentenversicherungsabgaben) und würde bei der Familienversicherung nicht mitgezählt. Jedoch alles andere zu den beiden verbleibende Minijobs bliebe wie oben beschrieben, da du auch ohne den Job an der Uni über die 450€-Grenze kommst.

    Und noch ein Hinweis: Auch in Minijobs im Privathaushalt hast du Anspruch auf den Mindestlohn! Wenn du für mind. 6h/Woche nur 160€/Monat bekommst, ist das ungesetzlich wenig! Du müsstest ab Januar 2021 mindestens 245€/Monat bekommen!

    Zudem müssen dann auch alle Jobs (egal ob 3 Minijobs mit >450€/Monat oder 2 Minijobs mit >450€/Monat + kurzfristige Beschäftigung) über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du zwei der Jobs über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 15.10.2020


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB