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450€-Job und Werkstudentenstelle

Liebes DGB-Team, 

ich arbeite schon länger in einem Job auf 450€-Basis und habe nun die Möglichkeit für 3 Monate als Werkstudent in einem Job zu arbeiten, der sich nach dem Studium sehr positiv auf meine Jobsuche auswirken wird.

Eigentlich wollte ich den 450€ Job für diese Zeit kündigen und  mir danach etwas neues suchen. Mein Arbeitgeber des 450€ Jobs war jedoch so nett und hat mir angeboten, dass ich einfach 3 Monate meine ganzen Überstunden abarbeite und nach der 3 monatigen Werkstudentenstelle wieder ganz normal bei ihm weiter arbeite.

Bei der Werkstudentenstelle würde ich im Schichtbetrieb 1-2 24 Std. Schichten pro Woche arbeiten. In meinem Arbeitsvertrag steht eine Stundenzahl von 37.5 Std. pro Woche. In diesem Job würde ich ca. 2700€/Monat brutto verdienen. 

Ich hätte also im Endeffekt für 3 Monate 2 Jobs. Aktiv würde ich aber nur bei der Werkstudentenstelle 1-2 24 Std. Schichten pro Woche arbeiten. Im 450€ Job gehe ich in dieser Zeit überhaupt nicht arbeiten, bekomme wegen meiner vielen Überstunden aber trotzdem weiter fast 450€ pro Monat ausgezahlt.

Nun stellen sich mir sehr viele Fragen...

Kann ich in dieser Job-Kombination meinen Studentenstatus verlieren?

Wer entscheidet über Ausnahmen der 20h-Regel und könnte ich eine Ausnahme sein?

Auf was muss ich Stunden- und Steuertechnisch achten? (In welcher Steuerklasse lande ich?, Kann ich etwas falsch machen und mich somit in irgendeiner Hinsicht strafbar machen?, Muss ich mich für die Zeit selbst krankenversichern oder bleibe ich familienversichert?)

Können Probleme durch diese Kombination für mich auftreten?

Liebe Grüße und vielen Dank im Vorraus! :)

Tim: 13.10.2020 |
  • RE: 450€-Job und Werkstudentenstelle

    Hallo Tim,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze herangezogen. Je nachdem, wieviel du arbeitest, wirst du in der Sozialversicherung entweder als Werkstudent oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet. Davon hängt ab, welche Sozialversicherungsabgaben auf dein gehalt fällig werden.
    Dieser Status ist allerdings nur bei Jobs relevant, die nicht geringfügig sind. Für Geringfügige Beschäftigungen gelten unabhängig vom Studierendenstatus eigene Regelungen.

    Aufgrund deiner Schilderung gehe ich davon aus, dass es sich bei deinem neuen Job nicht um eine Werkstudent_innenstelle handelt, sondern um eine kurzfristige Beschäftigung. Diese ist aufgrund ihrer zeitlichen Begrenzung auf 3 Monate sehr wahrscheinlich geringfügig und somit grundsätzlich sozialversicherungsfrei. Wenn ich mit dieser Einschätzung richtig liege (frag im Zweifel bei deine_r/m neuen Arbeitgeber_in nach), kannst du sogar trotz des hohen Einkommen familienversichert bleiben.
    Normalerweise beträgt die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich eigentlich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat) oder bist - bei Überschreiten der 20h-Regel in sv-pflichtigen Beschäftigungen über den Job krankenversichert.

    Grundsätzlich ist es auch unproblematisch, eine kurzfristige Beschäftigung und einen 450€-Minijob zu kombinieren. Die beiden Arten der geringfügen Beschäftigungen beeinflussen sich gegenseitig nicht. Bei deinem Minijob bleibt dann auch während der Kombi alles wie bisher.

    Das war jetzt alles aus dem Bereich Sozialversicherung. Der Bereich Steuern ist davon gesondert zu betrachten. Hier ist ausschlaggebend, wieviel du verdienst und wie deine Jobs versteuert werden.

    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung über deine Steuer-ID). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    450€-Minijobs werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Wird dein Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort vermutlich in Lohnsteuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest. Das kann dir aufgrund der Einkommenshöhe auch mit dem neuen Job passieren, selbst wenn dein Minijob pauschal versteuert wird.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Für deine korrekte Anmeldung und ggf. auch für das Abführen von SV-Beiträgen und Steuern sind übrigens deine Arbeitgeber_innen zuständig. Du kannst da also nichts falsch machen. Du musst nur beiden den jeweils anderen Job melden. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 15.10.2020


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