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Werkstudent + Minijob

Hallo,

ich habe keine Hauptbeschäftigung. Ich studiere Vollzeit. Ich bin studentisch gesetzlich versichert.

ich habe seit ca 6 Monaten einen Minijob (geringfügig Beschäftigt, 450 Euro Basis). Den Minijob übe ich nur am Wochenende aus, dies bedeutet er behindert nicht mein Studium. Im Minijob erfolgt die Lohnsteuer über einen Pauschbetrag.

Nun beginne ich einen Werkstudentenjob mit 20h /Woche.

1. In welche Lohnsteuerklasse rutsche ich nun in dem Werkstudentenjob?

2. In welche Lohnsteuerklasse rutsche ich nun in den Minijob? Oder bleibt der Pauschbetrag?

3. Kann ich die Lohnsteuerklasse tauschen? Wenn ich z.B. im Werkstudentenjob in die Lohnsteuerklasse 6 eingestuft werde und im Minijob der Pauschbetrag bleibt, könnte ich dann die Lohnsteuerklasse tauschen und im Werkstudentenjob in die Lohnsteuerklasse 1 wechseln und im Minijob in die Lohnsteuerklasse 6 wechseln?

Wenn ja wo kann ich den Wechsel der Lohnsteuerklasse ändern lassen?

4. Mit welchen weiteren Abzügen muss ich im Werkstudentenjob rechnen? Da ich mit 12h/Woche und 12 Euro/pro Stunde ein Gehalt von  ca 960 Euro erhalte komme ich über den aktuellen steuerungsfreibetrag von Studenten, was bedeutet das?

Vielen Dank

Mit freundlichen Grüßen

Jenny

Jenny: 14.09.2020 |
  • RE: Werkstudent + Minijob

    Hallo Jenny,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal kurz zu der Sache mit der „Hauptbeschäftigung“. Mir ist jetzt nicht ganz klar, ob du in deinem neuen Job 12 oder 20 Stunden arbeitest, insgesamt in allen Jobs also mehr als 20h oder nicht.

    Wenn du ab jetzt dauerhaft bzw. regelmäßig insgesamt über 20 Stunden in der Woche arbeitest, so kannst du eigentlich nicht mehr im Status „Werkstudent_in“ bleiben. Wenn in diesem Fall beide Jobs über sechs Monate befristet wären, so geht die Krankenkasse (zumindest nach den eigenen Richtlinien) davon aus, dass du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest. Nur wenn vom absehbaren Ende einer neuen Beschäftigung ein Jahr rückwärts gerechnet in maximal 26 Wochen mehr als 20h gearbeitet haben wirst, kann die Krankenkasse noch entscheiden, dass dein Studium im Vordergrund steht. Das tut sie dann regelmäßig dann, wenn die Überschreitungen z.B. am Wochenende erfolgt sind. Wenn jetzt schon klar ist, dass du über ein halbes Jahr mehr als 20 Stunden arbeitest ist es egal, wann die Arbeitszeit liegt, welche die 20 Stunden überschreitet.

    Falls du den Werkstudierenden-Status verlierst würde Folgendes passieren: Du würdest dann zwar weiterhin Vollzeit immatrikuliert bleiben und hättest an der Hochschule keine Konsequenzen zu befürchten, für die Sozialversicherung bist du dann aber regulär Beschäftigte und es würden deshalb in dem 20h-Job Sozialabgaben in alle Zweige der Sozialversicherung fällig. Das muss aber nicht zu deinem Nachteil sein, im Gegenteil: es werden zwar bis zu 20% statt bis zu 9,3% Abgaben fällig (im Übergangsbereich bis 1.300€ sind deine Abgaben etwas reduziert), aber du wärst dann auch über den Job krankenversichert und müsstest nicht mehr deine eigenen Beiträge jenseits des Jobs zahlen. Diese werden ziemlich teuer werden, wenn du von der studentischen in die freiwillige Krankenversicherung wechseln musst (was regelmäßig ab der Altersgrenze von 30 Jahren passiert).

    Es kann also durchaus für dich von Vorteil sein, den Status „Werkstudent_in“ zu verlieren.

    Einzig dein_e Arbeitgeber_in freut sich wahrscheinlich erstmal nicht darüber, denn auch sie müssen sich dann an deinen Krankenversicherungskosten beteiligen – und nicht „wie bisher“ nur Rentenversicherungsbeiträge zahlen.

    Wichtig ist vor allem, dass du alle deine Arbeitgeber_innen über die jeweiligen anderen Tätigkeiten informierst. Dich korrekt anzumelden ist dann ihre Aufgabe. Wenn du außerdem sicher gehen willst, wie deine Krankenkasse das einschätzt, kannst du dort direkt fragen und dir die Auskünfte schriftlich geben lassen.

    Was nun die Kombination mit deinem Minijob angeht, so ist es problemlos möglich einen Minijob und noch einen anderen Job über 450€ zu haben. Beide werden in der Sozialversicherung getrennt betrachtet – am Minijob ändert sich also nichts.

    Und damit zu deinen konkreten Fragen – die übrigens ganz unabhängig davon sind, ob der Werkstudierenden-Status bei dir noch greift oder nicht – denn: bei den Steuern gibt es keine Sonderregeln für Studierende.

    1. Wenn der Minijob mit 2% pauschal versteuert wird, läuft er nicht über Steuer-ID und dementsprechend sollte dein neuer Job über Lohnsteuerklasse I laufen, bei der die Freibeträge hinterlegt sind.

    2. Wenn der_die Arbeitgeber_in sich für Pauschalversteuerung entschieden hat bleibt diese, das Einkommen aus deinem Minijob zählt dann auch nicht mehr in dein zu versteuerndes Jahreseinkommen.

    3. Falls es doch relevant werden sollte: es ist sowohl möglich, Lohnsteuerklassen zu tauschen, als auch einen Teil des Freibetrags auf einen anderen Job zu übertragen. Beides geht per Antrag beim Finanzamt, mehr dazu hier.

    4. Leider können und dürfen wir dir nicht ausrechnen, wie viele Steuern und Abgaben du zu erwarten hast. Sollte der Werkstudierenden-Status weiterhin auf dich zutreffen kannst du die Abgaben in die Rentenversicherung mit unserem „Übergangsbereich-Rechner“ kalkulieren. Was die Steuern angeht, so kannst du optimistisch sein, am Ende keine oder wenig Steuern zahlen zu müssen. Denn zum jährlichen Freibetrag (der auf’s Kalenderjahr zählt) von 9.408€ kommen mindestens nochmal 1.000€ Werbungskostenpauschale drauf und ggf. noch Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben. Und steuern werden dann nur auf den Teil fällig, der all das übersteigt. Mehr dazu hier.

    Mehr zum Thema Jobkombination insgesamt kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 16.09.2020


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