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Werkstudent und Gewerbe gleichzeitig

Hallo,

ich bin seit dem WS 2019/2020 immatrikuliert und habe im Dezember angefangen als Werkstudent für 850€ ca. 12h pro Woche zu Arbeiten. Im März habe ich freiberuflich an dem Aufbau eines StartUps angefangen mitzuwirken und bislang in diesem Jahr 2700€ erhalten, werde allerdings noch ca. 3000€ mehr erhalten und haben eine Arbeitszeit die pro Woche unter oder ca. bei 8 Stunden liegt.

Was muss ich beachten und was müsste ich beachten wenn die Arbeitszeit in Summe über 20 Stunden liegen würde?

Was wäre wenn die Arbeitszeit bspw. in 4 Wochen im Jahr über 20 Stunden liegen würde?

Danke und LG

janr: 09.09.2020 |
  • RE: Werkstudent und Gewerbe gleichzeitig

    Hallo Jan,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort in abhängiger Beschäftigung.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent angemeldet.

    Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr als 20h/Woche, wirst du voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmer.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die Krankenversicherung tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe und KV-Kosten ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Von dieser 20h-Regel gibt es dann auch noch Ausnahmen, nach denen du mehr als 20h/Woche arbeiten kannst, ohne dass sich dein Status von Werkstudent auf Arbeitnehmer verändert. Dies ist z.B. der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr aufs Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt.
    Es kommt also auch darauf an, wann und wie oft du mehr als 20h/Woche arbeitest.

    Ob und wenn ja, welche Auswirkungen es auf deine Krankenversicherung hat, wenn du deine selbstständige Tätigkeit ausbaust und durch die Ausnahmeregelungen in der abhängigen Beschäftigung im Werkstudent_innenstatus bleibst, können wir nicht einschätzen. Private Krankenversicherungen unterliegen nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung, z.B. müssen Einkommens- und Altersgrenzen aus der gesetzlichen Familienversicherung oder zu den Grenzen der nebenberuflichen Selbstständigkeit nicht gelten. Ausschlaggebend ist der Versicherungsvertag. Erkundige dich dazu am besten direkt bei deiner PKV.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 15.09.2020


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