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Zwei Jobs gleichzeitig

Hallo, 

ich bin Studentin und privat durch meinen Vater versichert. Ich möchte als Werkstudentin bei einem Supermarkt arbeiten (10-20h pro Woche), ich arbeite vor allem auch an den Samstagen. 

Zusätzlich möchte ich abends an einem Restaurant gleich um die Ecke auf 450€-Basis aushelfen. 

Wie ist es mit der 20h-Regel, wenn ich am Wochenende und abends im Restaurant arbeite? Bleibe ich weiterhin privatversichert?  

Welche Sozialabgaben hätte ich?

Ab welchem Verdienst kommt der 450€-Job in die Steuerklasse 6 und ab wann wird mein BaFög beeinträchtigt? 

Julia: 09.09.2020 |
  • RE: Zwei Jobs gleichzeitig

    Hallo Julia,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ob die 20h-Regel und damit der Status „Werkstudent_in“ noch greift, hängt ganz davon ab, wie oft und lange du über 20 Stunden in der Woche arbeitest. Es gibt zwar Ausnahmeregeln für Überschreitungen in Abendstunden und am Wochenende. Wenn aber beide Tätigkeiten über sechs Monate befristet (oder gar unbefristet) sind und damit jetzt schon abzusehen ist, dass du regelmäßig über 20h arbeiten würdest, so gelten die Ausnahmeregeln zur Überschreitung der 20h-Regel nicht mehr. In diesem Fall wärst du im Supermarkt-Job voll sozialversicherungspflichtig und über die dann anfallenden Abgaben für dich und deine_n Arbeitgeber_in (jeweils knapp 20% statt nur Rentenversicherung von 9,3%) krankenversichert.

    Im Minijob ergeben sich unabhängig von der Wochenarbeitszeit keine Besonderheiten, denn hier bist du, egal ob Werkstudentin oder nicht, immer nur rentenversicherungspflichtig und kannst dich davon auch befreien lassen, wenn du das möchtest.

    Trotzdem musst du beiden Arbeitgeber_innen über die jeweilige andere Tätigkeit informieren, sodass sie dich korrekt anmelden können – dafür sind sie zuständig und damit auch für die Frage, ob für dich die 20h-Regel noch gilt oder nicht.

    Ob es bei deiner privaten Krankenversicherung eine Regelung gibt, wie viel du dazuverdienen kannst, ist nicht allgemein geregelt und musst du dementsprechend direkt dort nachfragen.

    Was das BAFöG angeht, so liegt die Zuverdienstgrenze hier bei ca. 5.400€ im Bewilligungszeitraum, dabei ist es ganz egal ob du das als Werkstudentin oder über den Minijob verdienst. Du musst davon ausgehen, dass alles was du darüber hinaus verdienst dir – auf die Monate umgelegt – vom BAföG abgezogen wird. Mehr dazu hier.

    Mehr zum Thema Jobkombination insgesamt kannst du hier nachlesen.

    Was die Steuern angeht, so sind im Minijob zwei Varianten möglich. Anmeldung über Steuer-ID bedeutet eine Anmeldung in Lohnsteuerklasse 6 (weil es dein zweiter Job ist) und damit erstmal Steuerabzüge. Es gilt am Ende aber gilt aber für beide Jobs gemeinsam der jährliche Steuergrundfreibetrag i.H.v. 9408€ (Stand 2020). Zu diesem hinzu kommt, dass du von deinem Einkommen noch Werbungskosten i.H.v. mindestens 1.000€ und ggf. Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben abziehen kannst. Nur derjenige Teil deines Einkommens, der dann noch den Steuerfreibetrag überschreitet wird am Ende tatsächlich besteuert, zunächst auch nur mit dem Eingangssteuersatz von 14%. Zu viel gezahlte Beiträge kannst du dir am Jahresende per Steuererklärung zurückerstatten lassen oder bereits im Vorfeld auf Antrag einen Teil deines Freibetrags auf den anderen Job übertragen. Mehr dazu hier.

    Wenn dein Minijob pauschal mit 2% versteuert wird, so zählt das Einkommen aus dem Minijob nicht mehr in dein zu versteuerndes Jahreseinkommen (beim BAföG trotzdem noch!), du kannst dir wiederum aber auch evt. insgesamt zu viel bezahlte Steuern nicht zurückerstatten lassen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 15.09.2020


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