Deutscher Gewerkschaftsbund

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Werkstudentin + Minijob als ausländische Studierende

Liebes DGB-Jugend-Team, 

ich bin derzeit im 6. Semester meines Masterstudiums und habe vor, in einem Monat meine Abschlussarbeit endlich abzugeben. Derzeit arbeite ich als Mini-Jobberin 10 St/Woche in einem Supermarkt, muss aber nächste Monate, wenn ich auf mein Zeugnis warten werde, finanziell in vollem Umfang alleine stemmen (also ~800 Euro/Monat verdienen). Ich bin dazu privat durch eine DAAD-Grupperversicherung versichert. 

Ich möchte daher wissen, welche Arbeitsmöglichkeiten konkret ich habe. Dazu meine Fragen: 

1) Bei meinem Minijob habe ich 2 Wochen Kündigungsfrist. Darf ich einen Job als Werkstudentin sofort annehmen und diese 2 Wochen gleichzeitig zwei Beschäftigungen ausüben? Dabei würde ich darauf achten, 20 St/Woche nicht zu überschreiten. 

2) Lässt sich ein Minijob überhaupt mit irgendwelcher anderen Beschäftigung kombinieren, wenn man die 20St/Woche-Grenze nicht überschreitet? 

3) Ab dem 08.08.2020 haben wir eine vorlesungsfreie Zeit. Kommt aus diesem Grund diese Ausnahmeregelung zustande, wenn Studierende mehr als 20 St/Woche arbeiten dürfen? Würde das heißen, dass ich als Minijobberin 10 St/Woche und als Werkstudentin 20 St/Woche arbeiten dürfte? Muss ich das außerdem mit meiner Versicherung klären?

4) Wenn ich durch zwei Beschäftigungen in die LSK 6 rutsche, werden mir dann automatisch jeden Monat Steuer abgezogen oder muss ich dann am Ende des Jahres noch was nachzahlen? 

5) Wenn ich den Minijob gekündigt habe und nur als Werkstudentin arbeite, bin ich wieder in der LSK 1? 

6) Dürfen (ausländische) Studierende auch als Teilzeit, nicht als Werkstudenten arbeiten? 

Vielen Dank im Voraus für die Antwort! 

Viele Grüße

Sofiya: 30.07.2020 |
  • RE: Werkstudentin + Minijob als ausländische Studierende

    Hallo Sofiya,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    1.) Ja, das ist problemlos möglich. Beachte aber, dass die gesetzlichen Kündigungsfrist 4 Wochen zum 15. oder dem Monatsende beträgt. Eine 2-wöchige Kündigungsfrist ist eigentlich nur in der Probezeit erlaubt.

    2.) Du kannst so ziemlich jede Jobart mit einem Minijob kombinieren - du musst nur entsprechend in der Sozialversicherung (SV) angemeldet werden.

    3.) Grundsätzlich dürfen auch Studierende mehr als 20h/Woche arbeiten. Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr, entfällt der Werkstudierendenstatus und du wirst voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.
    Ausnahme: In der vorlesungsfreien Zeit kannst du auch mehr als 20h/Woche arbeiten und trotzdem weiterhin als Werkstudentin angemeldet bleiben.

    Für deine korrekte Anmeldung musst du allen deinen Arbeitgeber_innen deine jewels anderen Jobs mitteilen. Die kümmern sich dann um deine korrekte Anmeldung in der Sozialversicherung, das musst du nicht selbst tun.
    Ob das Einfluss auf deine DAAD-Gruppenversicherung hat, kann ich dir allerdings nicht sagen. Frag am besten mal direkt beim DAAD nach.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    4.) Hast du mehrere Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen kann es zu hohen Abzügen kommen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. Nachzahlen musst du da in der Regel nichts (außer du hast noch weitere steuerpflichtge Einkünfte).

    5.) Wenn du durch Kündigung dann wieder nur einen Job hast, wird dieser in der LSK 1 abgerechnet.

    6.) Jeder Job, in dem du nicht Vollzeit arbeitest, ist ein Teilzeitjob. Dazu gehören auch Minijobs und Werkstudierendenjobs. Du meinst vermutlich die volle Sozialversicherungspflicht, wenn du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest oder dein Studium beendet ist.
    Hier ist es so, dass das Einfluss auf deinen Aufenthaltsstatus habe kann.
    Überwiegt die Arbeit dein Studium (Überschreitung der 120-Tage-Regel) und/oder wirst du voll sozialversicherungspflichtig ( = Wegfall des Werkstudierendenstatus), wird der Zweck deines Aufenthalts vom Studium zur Erwerbstätigkeit faktisch geändert. In so einem Fall kann dein Aufenthaltsrecht zum Zweck des Studiums erlischen und du musst einen Titel zum Zweck der Erwerbstätigkeit beantragen. Sprich das also unbedingt vorher mit der zuständigen Ausländerbehörde ab, wenn du so viel arbeiten möchtest, dass du voll sozialversicherungspflichtig werden würdest.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 30.07.2020


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