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Werkvertrag

Hallo, ich habe eine Frage zu einem Werkvertrag, der mir von der Uni angeboten wurde. Es geht dabei um einen Werkvertrag, der für 4 Monate angelegt ist. Ich habe vor 3 Wochen meine Masterarbeit abgegeben und noch nicht verteidigt, deswegen bin ich für das folgende Semester noch immatrikuliert. Nun soll ich für den Werkvertrag angelehnt an E13 bezahlt werden, was aber - wie mir gesagt wurde - nur geht, wenn ich schon exmatrikuliert bin. Solange ich noch eingeschrieben bin, wird der Werkvertrag angelehnt an die Bezahlung von studentischen Hilfskräften, weil das anders nicht ginge. Jetzt ist meine Frage, ob es sinnvoll ist, eingeschrieben zu bleiben, was eine geringere Bezahlung bedeuten würde, ich aber den studentischen Beitrag zur Krankenversicherung weiter zahlen könnte. Wenn ich exmatrikuliert bin, müsste ich mich selbst versichern und Steuern zahlen. Ich bin mir unsicher, was sinnvoller ist.

Vielen Dank für eure Antwort, mit besten Grüßen,

Mareike

Mareike: 29.07.2020 |
  • RE: Werkvertrag

    Hallo Mareike,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die Aussage deiner Uni irritert mich sehr.
    "Werkvertrag" ist eine Vertragsart für eine selbstständige Tätigkeit. Welches Honorar ihr vereinbart, sollte von deinen Fähigkeiten und dem Vertragsgegenstand abhängen. Wieso eine besssere Vergütung von deiner Exmatrikulation abhängen sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Sprich mal den Personalrat (ggf. den studentischen) bei euch an, vielleicht können die dir mehr dazu sagen, welche uniinterne Regelung dahinter stehen könnte oder ob es doch Quatsch ist, den sie dir erzählen, um Geld zu sparen.

    Aber selbst eine Anlehung an E13 kommt mir ziemlich niedrig vor. Denn als Selbstständige hast du deutlich höhere Ausgaben:

    • du musst eventuell anfallende Sozialversicherungsabgaben allein zahlen (nicht wie bei abhängigen Beschäftigungen anteilig mit der Arbeitgeber_innenseite)
    • du musst die Tätigkeit beim Finanzamt anmelden und versteuern (das gilt unabhängig davon, ob du immatrikuliert bleibst oder nicht)
    • ob du immatrikuliert noch weiterhin studentisch krankenversichert sein kannst, hängt davon ab, ob du von deiner Krankenkasse als haupt- oder nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst. Es kann also auch sein, dass du dich als Selbstständige freiwillig krankenversichern musst, selbst wenn du noch eingeschrieben bleibst
    • je nach Art der Tätigkeit kann zudem noch Rentenversicherungspflicht bestehen
    • außerdem gelten für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht. Für deine soziale Absicherung bist du dann selbst verantwortlich, solltest also entsprechende Rücklagen einplanen.

    Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!).
    Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Nutze auch unser Beratungsangebot und das deiner Mitgliedsgewerkschaft bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen dich aber auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 30.07.2020


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