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Ordentlicher Student

Hallo,

ich bin Student und habe einen Werksstudentenvertrag (10-20) Stunden bei einem Unternehmen. 

Gleichzeitig bin ich aufgrund meines Alters (über 30) freiwillig privat versichert. 

Ich habe eine Frage zu dem Thema „Ordentlicher Student“. Ich habe dazu bisher noch keine Antwort finden können. Vielleicht könnt ihr mir da weiterhelfen. 

Ich habe in meinem aktuellen Werkstudenten verhältnis leider unwissentlich den Status "ordentlicher Student" verloren.

Ich würde gerne wissen ob man den Status "Ordentlicher Student“ wieder zurückbekommen könnte, wenn man ihn verloren hat oder ob dieser dann einfach erhalten bleibt?

Die Dame von der Personalabteilung hat mir gesagt das ich den Anscheind schon zweimal die 20-Stunden regel überschritten hab und die jetzt gesetzlich dazuangehalten sind den Status zu ändern. Meinte aber auch im gleichenzuge das meine Führungskräft darin eigentlich geschuldt sind und die drauf achten sollten, jetzt weiß ich gerade leider nicht wie ich damit umgehen soll. Die Abzüge sind natürlich schon echt viel und durch Corona hab ich damals meinen Studentenjob verloren und bin so in ein finanzielles Loch gefallen. Dann noch den Studentenstaus verlieren wird dann doch alles ein bisschen viel für mich.

Vielen Dank für Ihren Rat!

butdam: 29.07.2020 |
  • RE: Ordentlicher Student

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zuerst einmal, keine Sorge: Du verlierst nicht deinen Status als ordentlicher Studierender an der Hochschule, nur weil sich dein Status in der Sozialversicherung verändert. Um diesen geht es nämlich bei der sogenannten 20h- bzw. Werkstudent_innen-Regel. Die Regelungen der Hochschule, unter welchen Bedingungen du immatrikuliert bleibst, sind davon unabhängig.

    Wer regelmäßig mehr als 20h in der Woche arbeitet, der hat in der Sozialversicherung nicht mehr das „studentische Erscheinungsbild“ bzw. gilt nicht mehr als „Werkstudent_in", sondern als „dem Kreis der Beschäftigten zugehörig“. Das hat zur Folge, dass man voll sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden muss, wie alle anderen Arbeitnehmer_innen auch und nicht mehr, wie bisher, nur Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen. Du und deine Arbeitgeber_in würden sich die Beiträge zur Sozialversicherung teilen (jeweils knapp 20% statt bisher 9,3%), wobei dein Anteil bis 1.300€ Einkommen im sogenannten Übergangsbereich etwas reduziert wäre. Das hätte aber auch zur Folge, dass du über den Job krankenversichert wärst und deine private Krankenversicherung nicht mehr bräuchtest und evt. auch Ansprüche auf Arbeitslosengeld nach dem Studium sowie im Falle des Falles auf Kurzarbeiter_innen-Geld erwerben würdest. Unter Umständen käme es für dich also sogar insgesamt billiger.

    Ob das billiger ist, kannst du nur selbst einschätzen, indem du deine höheren Sozialabgaben ins Verhältnis setzt zu deinen privaten Krankenversicherungsbeiträgen. Evt. musst du dazu auch bei deiner Versicherung direkt nachfragen, wie sich eine zeitweise Krankenversicherung über den Job auswirkt, denn private Versicherungen sind nicht gesetzlich geregelt.

    Kleine Zusatzinfo: Wenn du nur zeitweise den Werkstudierenden-Status verlieren würdest, und damit über den Job Teil der gesetzlichen Krankenversicherung wirst, ist etwas Vorsicht geboten für die Zeit danach. Ein Recht, dann in die (ebenfalls sehr teure) freiwillige Krankenversicherung zu wechseln, gibt es nur dann, wenn du direkt davor schon zwölf Monate gesetzlich versichert warst. Du solltest also im Zweifel mit der privaten Krankenversicherung klären, ob und inwiefern deine Mitgliedschaft dort zeitweise ruhen kann.

    Nun kommt mir aber die Einschätzung, dass wegen zweimaliger Überschreitung der 20h bereits der Werkstudent_innen-Status insgesamt und für die Zukunft in Frage gestellt ist, eher nicht so ganz eindeutig vor. Bei den 20h handelt es sich nämlich nicht um eine harte gesetzliche Regelung sondern um eine Orientierungsgrenze, die Ausnahmen kennt, insbesondere bei Arbeit in den Abend- und Nachtstunden, am Wochenende sowie in der vorlesungsfreien Zeit. So wie du es schilderst, arbeitest du ja regelmäßig eigentlich eher unter 20h und somit steht aus Sicht der Sozialversicherung tendenziell dein Studium weiter im Vordergrund. Wenn für die Zukunft klar ist, dass du insgesamt (in allen Tätigkeiten) regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeitest besteht im Vollzeitstudium streng genommen gar keine Wahl, sie müssen dich (wieder) als Werkstudent_in melden.

    Wenn du eine weitere, von der Arbeitgeber_in unabhängige Einschätzung haben möchtest, könntest entweder bei der Krankenkasse nachfragen, über welche deine Sozialabgaben von der Arbeitgeber_in abgeführt werden, oder auch deine private, wie sie das einschätzt und dir die Auskünfte schriftlich geben lassen.

    Falls du zu dem Schluss kommst, dass für dich eine voll-sozialversicherungspflichtige Beschäftigung insgesamt günstiger kommt als die private Krankenversicherung, so gibt es auch bei einer Arbeitszeit von regelmäßig unter 20h/Woche die Möglichkeit, den Werkstudent_innen-Status „zu verlieren“, nämlich durch ein Teilzeitstudium. In einem solchen giltst du in der Sozialversicherung nämlich zunächst als Arbeitnehmer, es sei denn das Teilzeitstudium macht mehr als die Hälfte der üblichen Zeit eines Vollzeitstudiums aus. Dann gilt wieder die 20h-Regel.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 29.07.2020


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