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Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale/Honorarvereinbarung

Hallo liebes Team,

ich habe eine Anfrage bezüglich der Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale bzw. Honorarvereinbarung.

Zurzeit arbeite ich als Werkstudentin (12h/Woche) und bin studentisch krankenversichert. Außerdem arbeite ich ein paar Stunden im Monat bei einer Jugendbildungsstätte, wo ich über die Übungsleiterpauschale bezahlt werde. Bislang habe ich das so verstanden, dass diese Kombination problemlos ist, solange ich die 20h/Woche Regelung nicht überschreite, bzw. die 2400€ der Übungsleiterpauschale nicht überschreite. Das war aber bislang nie ein Problem.

Nun wurde mir bei einem anderen Verein eine weitere Tätigkeit angeboten (4h/Woche), allerdings soll ich dort eine „Honorarvereinbarung“ ausfüllen. In der Honorarvereinbarung steht die Gesamtsumme der vereinbarten Stunden über einen mehrmonatigen Zeitraum, sowie der Stundenlohn. Jetzt bin ich ein bisschen verwirrt und verstehe nicht ganz, ob ich diese Tätigkeit auch über die Übungsleiterpauschale abrechnen kann oder ob ich da sozusagen selbstständig bin? Muss ich mich dann bei dem Finanzamt melden?

Für mich wäre ja super, wenn ich als Werkstudentin arbeiten kann und die anderen beiden Jobs über die Übungsleiterpauschale abrechnen kann (das wäre knapp, aber realistisch machbar). Ich muss allerdings nach wie vor für meinen Werkstudentenstatus die Gesamtsumme aller Tätigkeiten beachten, bzw. dass ich die 20h/Woche nicht überschreite, richtig?

Wenn ihr mir bei der Verwirrung weiterhelfen könntet, wäre ich sehr dankbar!

Hannah  

Hannah: 28.07.2020 |
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  • RE: Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale/Honorarvereinbarung

    Hallo Hannah,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Bei der Übungsleiter_innen-Pauschale handelt es sich um eine Regelung aus dem Bereich der Steuern. Es handelt sich dabei um einen Freibetrag für bestimmte Tätigkeiten bis 2.400€ im Jahr. Eine Bezahlung, welche darunter fällt, sagt alleine noch nichts darüber aus, wie du beschäftigt bist. Die Pauschale kann sowohl in abhängigen Beschäftigungen, als auch in selbstständigen Tätigkeiten zum Tragen kommen. Es ist auch nicht verboten, die 2.400€ zu übersteigen, nur muss alles was darüber liegt nach den Regeln versteuert werden, die sonst für Einkünfte gelten. Es fallen dann auch u.U. Sozialabgaben an, von denen Einkünfte unter Übungsleiter_innen-Pauschale prinzipiell auch befreit sind.

    Unabhängig ob ein Teil der Einkünfte oder alles unter Übungsleiter_innen-Pauschale fällt: Honorartätigkeiten sind selbstständige Tätigkeiten, die du melden musst. Das heißt aber natürlich nicht automatisch, dass auch wirklich Steuern fällig werden. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du auf unseren Unterseiten zum Thema sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“. Dort findest du auf S. 23 eine „Gründungs-Checkliste“ in der Schritt für Schritt erklärt wird, was du alles beachten musst.
    Du findest darin außerdem auch eine Auflistung, was alles auf die Rechnung muss (u.a. die Steuernummer, die du erst nach Anmeldung beim Finanzamt zugewiesen bekommst).

    Eine Kombination einer abhängigen mit einer selbstständigen Tätigkeit bei einem Arbeitgeber_in/einer Auftraggeber_in ist zwar ganz prinzipiell möglich, aber unüblich und es muss sich dabei um zwei sehr strikt voneinander getrennte Tätigkeiten halten. Vielleicht war ja aber auch deine bisherige Tätigkeit eigentlich auch schon eine selbstständige bzw. du kannst sie zukünftig so handhaben? Das kann dir am besten die Jugendbildungsstätte direkt sagen.

    Für die Frage des Werkstudent_innen-Status ist die Höhe der Einkünfte egal. Relevant ist nur die Frage, wie viel du insgesamt in allen Tätigkeiten zusammen regelmäßig pro Woche arbeitest. Arbeitest du regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche bzw. finden einzelne Überschreitungen nur innerhalb der möglichen Ausnahmen statt, bleibt alles wie gehabt. Wenn du mehr arbeitest, heißt das aber auch nicht automatisch, dass das für dich von Nachteil ist. Es hätte vermutlich nämlich „nur“ zur Folge, dass deine Arbeitgeber_in dich voll sozialversicherungspflichtig melden muss. Du hättest dann zwar auch höhere Sozialabgaben im Job, aber auch die entsprechenden Ansprüche auf Krankenversicherung und ggf. später Arbeitslosengeld nach dem Studium. Deine eigenen Kosten für die studentische Krankenversicherung würden entfallen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass du deine_n Arbeitgeber_in über deine anderen Tätigkeiten informierst, so dass sie alle Informationen an der Hand haben, um dich korrekt anzumelden. Das wiederum ist dann ihre Aufgabe.

    Mehr zum Thema Jobkombination kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 29.07.2020


  • RE: Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale/Honorarvereinbarung

    Hallo liebes Team,

    erstmal vielen Dank für die rasche Antwort! Zuerst einmal eine kurze Klarstellung: Letztendlich würde ich dann drei verschiedene Tätigkeiten bei drei absolut verschiedenen  Arbeitgebern ausüben. Also einmal die Tätigkeit als Werkstudentin (Arbeitgeber A), dann bei der Jugendbildungsstätte (Arbeitgeber B) und dann die dritte Tätigkeit bei Arbeitgeber C, bei der mir eben nicht klar war, ob ich sie über die Übungsleiterpauschale abrechnen darf, weil mir da der Honorarvertrag vorliegt.

    Also wenn ich das richtig verstanden habe, kann ich sowohl abhängige als auch selbstständige Tätigkeiten bei der passenden Eignung über die Übungsleiterpauschale abrechnen. Aber unabhängig davon, müssen Honorartätigkeiten, wie eben dieser mir angebotene Honorarvertrag prinzipiell beim Finanzamt gemeldet werden, richtig?

    Dazu hätte ich noch zwei Fragen, hoffentlich ist das in Ordnung?

    1. Was passiert eigentlich, wenn ich die 2400€ übersteige? Mein Arbeitgeber B warnt da immer davor und möchte, dass ich das auf jeden Fall vermeide. Deswegen habe ich da Sorge vor der Reaktion.


    2.  Ginge es denn auch, dass ich die dritte Tätigkeit (Arbeitgeber C) nicht über die Übungsleiterpauschale abrechne, sondern als selbstständige Tätigkeit auffasse? Muss ich dann etwas beachten, bzw. gibt das Probleme mit den anderen Arbeitgebern? Dann hätte ich die Kombination Werkstudentin + Übungsleiterpauschale + selbstständige Tätigkeit (übersteigt gesamt nicht die 20h/Woche)

    Viele Grüße,

    Hannah

    Hannah: 30.07.2020


  • RE: Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale/Honorarvereinbarung

    Hallo Hannah,

    ja, das hast du richtig verstanden, dass sowohl abhängige als auch selbstständige Tätigkeiten bei entsprechender Eignung über die Übungsleiter_innenpauschale laufen können.

    Auch ist es korrekt, dass du Honorartätigkeiten anmelden musst.
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi formal deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).
    Für die Steuer ist bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Hier funktioniert es so, dass du deine Einnahmen um den Betrag, der unter die Übungsleiter_innenpauschale fällt, entsprechend bereinigen kannst.
    Wenn der Job bei der Bildungsstätte formal auch auf selbstständiger Basis ist und die Tätigkeit dort derjenigen ähnlich ist, die du über den neuen Honoratvertrag machen willst (z.B. Seminarleitung / freiberufliche Lehrtätigkeit), dann zählt das als eine selbstständige Tätigkeit und du hast 2 verschiedene Auftraggeber_innen.

    Bekommst du dann insgesamt im Laufe des Jahres z.B. 4000€ Honorar und erfüllen beide Tätigkeiten insgesamt die Voraussetzungen für die Übungsleiter_innenpauschale, kannst du 2400€ abziehen. Dein Gewinn beträgt dann 1600€ - das musst du dann in deiner Steuererklärung angeben und ggf. versteuern.

    Das erklärt den Teil deiner Frage unter 1., was passiert, wenn du drüber kommst.
    Warum du allerdings "gewarnt" wirst, die 2400€/Jahr nicht u überschreiten, kann ich nur mutmaßen. Manchmal steht da die Angst der Auftraggeber_innen dahinter, dass sie eventuell nachträglich Sozialabgaben für dich zahlen müssen. Das könnte z.B. der Fall sein, wenn festgestellt wird, dass der Job bei der Bildungsstätte eine abhängige Beschäftigung ist (das kann die Rentenversicherung im Zuge einer Betriebsprüfung feststellen oder von dir eingeklagt werden, wenn es entsprechende Indizien dafür gibt). Dann müsste dich die Bildungsstätte anstellen, entsprechend anmelden und ggf. Sozialversicherungsbeiträge für dich zahlen. Solange du aber nicht mehr verdienst, als eh unter die Übungsleiter_innenpauschale fällt, müsste die Bildungsstätte auch dann nichts für dich zahlen, wenn eine abhängige Beschäftigung festgestellt werden würde, da die Einkünfte dennoch sozialversicherungsfrei wären. Das ist aber nur eine Vermutung von mir.

    2. Wie mein Kollege Valentin schon sagte, ist "Übungsleiter_innenpauschale" keine Jobart - formal bist du dann in der Regel entweder selbstständig tätig oder abhängig beschäftigt. Solltest du bei Job B formal selbstständig sein, musst du denen weitere Honoratätigkeiten gar nicht zwingend mitteilen, dann bist du für deine korrekte Besteuerung ja eh selbst verantwortlich.
    Das gilt auch für Job C.
    Und wenn du dort formal abhängig beschäftigt bist und die Bildungsstätte Angst hat, dass sie was für dich zahlen müssten, wenn du einen weiteren Job in dem Bereich machst, kannst du denen (wenn du das möchtest) zusichern, dass sie für dich weiterhin die Übungsleiter_innenpauschale voll geltend machen können. Das geht auch, wenn du dort ehrenamtlich tätig bist und eine Aufwandsentschädigung erhältst.
    Du kannst die Pauschale dann nur bei Job C nicht mehr beanspruchen bzw. nur so viel, wie du bei der Bildungsstätte noch nicht "verbraucht" hast.
    Auch bei mehreren Tätigkeiten, die grundsätzlich unter die Übungsleiter_innenpauschale fallen könnten, kannst du maximal 2400€/Jahr insgesamt darüber abrechnen.

    Die Kombi aus Werkstudijob und selbstständiger Tätigkeit (auch für mehrere Auftraggeber_innen) ist kein Problem. Solange du insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest (bzw. eine der Ausnahmeregelungen greift), hat das keinen Einfluss auf Job A. Das gleiche gilt auch, wenn Job B formal eine abhängige Beschäftigung sein sollte. Selbst wenn du dort über die 2400€/Jahr kommen solltest, wäre es dann ein Minijob und würde Job A nicht beeinflussen (dann müsste nur die Bildungsstätte entsprechene Pauschalbeiträge an die Minijobzentrale für dich bezahlen).
    Mitteilen musst du die anderen Tätigkeiten bei Job A aber trotzdem.

    Ich hoffe, das klärt deine Nachfragen. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung


    dgb-jugend: 30.07.2020


  • RE: Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale/Honorarvereinbarung

    Hallo liebes Team,

    vielen Dank für die rasche Antwort. Also, Job B ist nach meinem (begrenzten) Verständnis vermutlich eine abhängige Beschäftigung. Es geht um einen festen (nicht wechselnden) Tag in der Woche, an dem man zu einem klar begrenzten Zeitraum vor Ort sein muss, also die Schicht an dem Tag übernimmt. Wir sind allerdings zu mehreren im Team, so dass wir uns vorher absprechen, wer welche Schicht belegen möchte.

    Job C ist hingegen eine Tätigkeit im künstlerischen Bereich (allerdings mit einem klaren sozialen Schwerpunkt). Den Job würde ich mir mit niemandem teilen, es gibt also niemanden außer mir, der diese Tätigkeit ausüben würde. Es gibt feste Probenzeiten, allerdings ist die Tätigkeit durch einen zeitlich klar begrenzten Raum gekennzeichnet (die Tätigkeit endet mit den Aufführungen). Daher die feste Summe an Stunden, die im Honorarvertrag vorab festgelegt wird. Insofern wäre das für mich eine eher selbstständige Tätigkeit?

    Also, wenn ich das richtig verstanden habe, kann ich die Einkünfte aus Job B (abhängige Beschäftigung) mit der Übungsleiter_innenpauschale verrrechnen. Wenn ich jetzt z.B. in Job B im Jahr  2000€ verdiene, ist der Arbeitgeber von Job B vermutlich deswegen „zufrieden“, weil er z.B. keine Sozialversicherungsbeiträge für mich zahlen müsste, bzw. man dann nicht im Rahmen eines Minijobs beschäftigt ist. Zumindest habe ich das bislang tatsächlich so verstanden, dass die Abrechnung über die Übungsleiter_innenpauschale dem AG von Job B lieber ist als die Beschäftigung über den Minijob.

    Job C (selbstständige Beschäftigung) müsste ich dann definitiv beim Finanzamt anmelden und könnte dann entsprechend dem obigen Beispiel im Rahmen einer Steuererklärung noch 400€ geltend machen, die ich über die Übungsleiter_innenpauschale abrechnen kann, richtig? Alles darüber müsste ich versteuern. Und Job A muss ich auf jeden Fall alle Tätigkeiten mitteilen, aber solange ich bei 20h/Woche bleibe (bzw. den erlaubten Ausnahmen) ist alles okay.

    Puh, ich hoffe, ich habe das alles richtig verstanden! Falls bis hierhin alles richtig ist, hätte ich noch eine Frage bezüglich der Versteuerung. Also wenn am Ende auch nach Abrechnung der Übungsleiterpauschale beispielsweise ein Betrag von 500€ übrig wäre – was und wie viel muss davon eigentlich versteuert werden? Davon habe ich gar keine Vorstellung.

    Nochmals vielen Dank für eure hilfreichen Antworten, das hilft mir sehr weiter!

    Viele Grüße, Hannah

    Hannah: 30.07.2020


  • RE: Kombination Werkstudenten-Stelle und Übungsleiterpauschale/Honorarvereinbarung

    Hallo Hannah,

    ich glaube, du hast soweit alles richtig verstanden. Im Zweifel frag bei Job B doch einfach nach, ob/wie du dort angemeldet bist.
    Die Punkte, die du aufgezählt hast, sind alles Indizien, im Einzelfall kann es an Kleinigkeiten liegen, ob ein Job eine abhängige Beschäftigung ist oder eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt wird.
    Auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung kannst du genaueres nachlesen.

    Zu deiner letzten Frage: Der Eingangssteuersatz beträgt 14%. Je höher dein Einkommen ist, desto höher fällt der Steuersatz aus. Wenn du aber am Ende tatsächlich nur auf 500€ Einkommenssteuer zahlen musst, sind das ca. 70€ (entspricht also im Durchschnitt weniger als 6€/Monat).
    Zur Orientierung: Dadurch, dass du die Übungsleiter_innenpauschale geltend machen kannst, den Grundfreibetrag hast und vermutlich auch noch weitere Ausgaben hast (z.B. Vorsorgeaufwendungen und Kosten fürs Studium), sollten bei einer Einkommenshöhe von ca. 15.000€/Jahr (inkl. Einkommen über Ü-Leiter_innenpauschale) noch keine Steuern anfallen.
    Achtung, dass ist nur eine Schätzung zur groben Orientierung und keine verlässliche Steuerberechnung! Sowas können und dürfen wir im Rahmen dieses Onlineformus nicht machen. Sicher einschätzen können das nur Steuerberater_innen.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    dgb-jugend: 31.07.2020


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