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Nebenberuflich Verbundstudium und Arbeit

Hallo liebe DGB Jugend,

ich habe einen etwas "komplizierteren Fall". Ich werde ab dem kommenden WS 20/21 im Verbundstudium studieren. Das bedeutet, dass ich berufsbegleitend studieren werde. Die FH- Präsenz für das Studium wird immer alle 2 Wochen Samstags sein und unter der Woche werde ich Zeit haben zu arbeiten und die Studieninhalte im Selbststudium anzueignen, bis zum nächsten Präsenztermin Samstags. 

Nun ist es so, dass ich schon länger nicht mehr Familienversichert bin und auch einige Jahre Vollzeit gearbeitet habe. Um mir meinen Lebensunterhalt und das Verbundstudium sowie die Krankenversicherung zu finanzieren, habe ich mir eine Teilzeitstelle auf 23 Std. die Woche gesucht. Nun habe ich zusätzlich das Angebot für eine 8 Std. Stelle im Bereich meines Studienfachs erhalten, die ich zusätzlich gern annehmen möchte. Zum einen, um mir noch etwas dazuzuverdienen und Erfahrungen in dem Breich zu sammeln. Ich komme also auf eine 31 Stundenwoche, was vollkommen machbar ist, neben dem Studium. 

Nun wird es etwas tricky. Der Arbeitgeber mit der 8 Std. Stelle die Woche, bezahlt mir 465 € im Monat und sucht eine studentische Hilfskraft mit offizieller Immatrikulation. Die  Immatrikulation habe ich ja dann, nur komme ich mit den 465 € über die Minijob-Grenze und müsste Steuern zahlen, da ich ja nicht als normaler Werksstudent azusehen bin und bei der Teilzeitstelle auf 23 Std. die Woche schon Steuerabzüge auf Lohnsteuerklasse 1 zu verrichten habe und mit der 465 € Stelle wahrscheinlich in Lohnsteuerklasse 6 rutschen würde und hohe Steuerabgaben hätte. Sehe ich das richtig? Wäre es eine Möglichkeit die 8 Std. Stelle im Gehalt auf 450 € runterzuhandeln? Dann wäre ich Teilzeit- und Minijob-Angestellte und nebenberuflich Studentin.

Ich hoffe auf Hilfe und Rückmeldung. Mit freundlichen Grüßen.

Lelu91: 30.06.2020 |
  • RE: Nebenberuflich Verbundstudium und Arbeit

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du berufsbegleitend studierst, bist du im Job in der Sozialversicherung grundsätzlich als Arbeitnehmerin voll sozialversicherungspflichtig anzumelden (das wäre auch dann so, wenn du insgesamt weniger als 20h/Woche arbeiten würdest). Dafür bist du über den Job krankenversichert und musst dich nicht auf eigene Kosten studentisch (um die 100€/Monat) oder freiwillig (ab 180€/Monat) krankenversichern. Eine Anmeldung als Werkstudentin ist dann nicht möglich.

    Genau darauf möchte der Arbeitgeber vom 8h-Job aber vermutlich gerne hinaus, wenn er nach offizieller Immatrikulation fragt. Hintergrund ist, dass er für eine Werkstudentin weniger Lohnnebenkosten abführen muss. Der Unterschied: Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt für dich und die Arbeitgeber_innenseite je nur 9,3% Rentenversicherung (RV) an, bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt (neben RV noch Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) - ebenfalls für beide Seiten.

    Daher bevorzugen viele Arbeitgeber_innen studentische Jobber_innen und meckern, wenn aus irgendwelchen Gründen volle SV-Pflicht (z.B. durch die Überschreitung der 20h/Woche mit Zweitjob oder im Urlaubssemester) eintritt.

    Für dich wäre ein 450€-Minijob tatsächlich ersmal lukrativer, da hier für die Arbeitnehmer_innenseite nur 3,6% RV fällig werden und das Gehalt ansonsten sozialversicherungsfrei ist (zum Thema Steuern komme gleich noch).
    Allerdings werden im Minijob für die Arbeitgeber_innenseite insgesamt 28% Sozialpauschale fällig (plus ggf. noch 2% Pauschsteuer), so dass du für den AG als Minijobberin sogar noch teurer wärst als als voll sv-pflichtig Beschäftigte mit 465€/Monat. Sollte ich mit meiner Vermutung richtig liegen und es dem Arbeitgeber um die Ersparnis von Lohnnebenkosten gehen, wird er sehr wahrscheinlich eine Reduzierung des Jobs auf Minijobbasis ablehen.
    Versuchen solltest du es aber dennoch, vielleicht liege ich ja falsch und er fragt wegen der fachlichen Qualifikation nach der Immatrikulation.

    Nun zum Thema Steuern:
    Das ist ein eigener Bereich, die Sonderregelungen aus der Sozialversicherung für Studierende spielen hier keine Rolle.
    Hier ist ausschlaggebend, was du jeweils und insgesamt verdienst und wie die Job versteuert werden. Auch Minijobs sind zwar sozialversicherungsfrei, aber nicht automatisch steuerfrei.

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Da die Pauschsteuer in der Regel von der AG-Seite gezahlt wird, fühlt sich der Minijob nur steuerfrei an.
    In manchen Fällen kann die Pauschsteuer auch von der Arbeitnehmer_innenseite übernommen werden.

    Wenn der Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet wird, würdest du dort genauso in Lohnsteuerklasse 6 fallen wie in einem Zweitjob mit über 450€/Monat. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. Beachte, dass du hier auch Ausbildungskosten geltend machen kannst, so dass sich eine Steuererklärung auch freiwillig lohnen könnte, selbst wenn du keinen Zweitjob aufnimmst.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 30.06.2020


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