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Werkstudentenjob und Praktikum

Hallo,

ich beginne ab 01.07 einen Werkstudentenjob und parallel dazu ab dem 01.08 mein Pflichtpraktikum.

Das Praktikum geht bis Juli nächsten Jahres und man erhält eine Aufwandsentschädigung.

Im Praktikum beträgt die wöchentliche Arbeitszeit in etwa 11 Stunden und bei dem Werkstudentenjob weniger als 10 Stunden die Woche.

Muss ich mich dennoch in Steuerklasse I und VI einordnen lassen oder geht auch beides in Steuerklasse I?

Vielen Dank!

Liebe Grüße 

Theresa

Theresa: 27.06.2020 |
Tags:
  • RE: Werkstudentenjob und Praktikum

    Hallo Theresa,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Einkünfte aus Pflichtpraktika sind grundsätzlich erstmal ebenso steuerpflichtig, wie Einkünfte aus regulären Jobs. Wie Job und Praktikum dann tatsächlich versteuert werden (können), hängt davon ab, wieviel du im Werkstudijob verdienst.

    Verdienst du dort mehr als 450€/Monat, müssen beide, Job und Praktikum, über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du eins davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Verdienst du im Werkstudijob nicht mehr als 450€/Monat, handelt es sich um einen Minijob. Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Dann könnte das Pflichtpraktikum in LSK 1 abgerechnet werden.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, würdest du auch dann mit dem Minijob oder dem Praktikum in Steuerklasse 6 fallen.
    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

    Klappt das nicht, solltest du die LSK 6 für das Einkommen wählen, das niedriger ist, um den Lohnsteuereinzug zu gering wie möglich zu halten. Aber egal wie rum du das machst, zuviel gezahlte Steuern kannst du wieder bekommen, das Geld ist also nicht weg.

    Beachte außerdem die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung in Höhe von 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du insgesamt mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).
    Wenn dein Einkommen wieder sinkt und du die Altersgrenze noch nicht überschritten hast, kannst du ggf. wieder in die Familienversicherung zurückwechseln.

    Darüber hinaus sind Einkünfte aus Pflichtpraktika sozialversicherungsfrei. Im Werkstudijob (>450€/Monat) fielen 9,6% Rentenversicherungsbeitrag (RV) an und im Minijob (bis 450€/Monat) wären es 3,6% RV. Im Minijob kannst du dich von der RV auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. Im Werkstudijob ist eine Befreiung nicht möglich.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 29.06.2020


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