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Mehrere Jobs als Student

Hallo,

ich bin eingeschriebener Student und ich frage mich, welche Kombinationen bzgl Beschäftigungsverhältnissen neben dem Studium möglich bzw ratsam sind. Aktuell habe ich einen 450 Euro Job. Der Lohnsteuerfreibetrag liegt dieses Jahr bei 9.408. Allerdings arbeite ich erst seit kurzem und möchte diesen Freibetrag bis zum Ende des Jahres noch erreichen. Das wären auf ein halbes Jahr 1568 Euro pro Monat. Ich möchte zusätzlich noch als Independent Contractor (Freiberufler) für einen Sprachdienstleister im Ausland arbeiten. Kann ich nach Anmeldung eines Kleingewerbes einfach mit beiden Jobs noch die 9408 Euro dieses Jahr vollmachen ohne meinen Studentenstatus bzw vergünstigten Studentenversicherungstarif zu verlieren? Alternativ denke ich über eine 20h/Woche Anstellung als Werkstudent + Freelancer Tätigkeit nach. Macht das mehr/weniger Sinn?

Vielen Dank für die Infos!

2Share: 24.06.2020 |
  • RE: Mehrere Jobs als Student

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student_in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, lässt sich so pauschal nicht sagen. Das hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen bzw. Tätigkeiten und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab. Welche Kombination für dich persönlich am sinnvollsten ist, lässt sich daher auch nicht pauschal beantworten.

    Hier mal ein paar Eckpunkte, die dir bei der Entscheidung, was für dich am passensten ist, helfen können.

    Steuern:
    Im Steuerrecht gibt es keine Ausnahmen für Student_innen, es gilt für alle gleich. Ob und wenn ja wie viel Steuern dann tatsächlich fällig werden, hängt davon ab, wieviel du insgesamt verdienst. Auf deinen Krankenversicherungsstatus ( = Bereich Sozialversicherung) oder den Studierendenstatus innerhalb der Hochschule hat das keinen Einfluss.
    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Der Freibetrag gilt auch nur einmal für alle Einkünfte zusammen. 450€-Minijobs werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, wird das Einkommen daraus in den Steuerfreibetrag mit hinein gezählt.
    Hast du bei mehreren abhängigen Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge, kannst du sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Sozialversicherung:
    Hier kommt es sehr darauf an, welchen Jobarten du nachgehst, und welche du miteinander kombinierst.
    So werden mehrere 450€-Minijobs z.B. in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für alle Jobs und sie werden sozialversicherungspflichtig.
    Bei mehreren kurzfristigen Beschäftigungen werden wiederum die Beschäftigungszeiten zusammengezählt. Hier ist die Zeitgrenze ausschlaggebend, die Gehaltshöhe spielt keine Rolle. Solange die Zeitgrenze nicht überschritten wird, ist das Gehalt sozialversicherungsfrei.
    Auch mehrere sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen (nicht kurzfristig, Gehalt >450€/Monat)werden zusammengerechnet und die entsprechenden SV-Beiträge jeweils auf alle fällig.

    Zur Beurteilung, welche Sozialversicherungsabgaben für sv-pflichtig beschäftigte Studierende fällig werden, wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze herangezogen.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit insgesamt und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent_in angemeldet. Arbeitest du regelmäßig mehr, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in.
    Eine volle SV-Pflicht aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in und die studentische KV. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Selbstständige Tätigkeiten (egal ob gewerblich oder freiberuflich) sind in der SV nach eigenen Regeln je nach Art der Tätigkeit, Umfang und Höhe der Einkünfte ggf. versicherungspflichtig oder eben nicht.

    Unterschiedliche Jobarten (z.B. Minijob + sv-pflichtiger Job, Minijob + kurzfristige Beschäftigung, sv-pflichtiger Job + selbstständige Tätigkeit) werden grundsätzlich getrennt voneinander betrachtet, die Arbeitszeit zählt bei der 20h-Regel aber aus allen Jobarten zusammen.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 25.06.2020


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