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Nebenjob und Co.

Liebes Team der DGB-Jugend,

ich habe ein paar Fragen zum Thema Geld verdienen als Student. Ich arbeite bisher in einem Lokal und kellnere einmal die Woche. Dabei verdiene ich pro Arbeitstag (zwischen 5 und 6 Stunden) 10€ pro Stunde.
Nun denke ich darüber nach, einen weiteren Job anzufangen (Minijob auf 450€ Basis) und habe jetzt bereits einiges gelesen, bin aber eher verwirrt als gut informiert. 
Gegeben den Fall, ich mache nun neben meinem bisherigen Kellners-Job noch einen 450€-Minijob,
1) muss ich mich dann auf jeden Fall selbst krankenversichern oder gibt es trotzdem eine Möglichkeit in der Familienversicherung zu bleiben?
2) welche Abgaben muss ich dann zahlen?
3) Gilt dann noch die 20-Stunden-Regel oder ist die dann wegen dem höheren Verdienst schon nicht mehr auf mich anzuwenden?

Ich hoffe, ich habe nichts vergessen, sonst frag ich einfach nochmal nach :)

Jonnie: 23.06.2020 |
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  • RE: Nebenjob und Co.

    Hallo Jonnie,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich wiederum um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Diese ist nur relevant, wenn du mehr als 450€/Monat verdienst, eine Einkommensbegrenzung nach oben gibt es für Studierende nicht.

    Wenn du nun zwei Jobs kombinierst und in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich erstmal bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet.

    Verdienst du in beiden Jobs zusammen nicht mehr als insgesamt 450€/Monat, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen jeweils 3,6% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an, wovon du dich auch befreien lassen kannst (du erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus). In der Konstellation kannst du auch problemlos gesetzlich familienversichert bleiben.

    Kommst du insgesamt aber auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. Hier wird dann die 20h-Regel relevant:
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden Jobs als Werkstudent angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an, wovon du dich nicht befreien lassen kannst. Hier wird aber nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der RV-Beiträge heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen.Bis zu insgesamt 538€/Monat brutto , kannst du auch als Werkstudent weiter familienversichert bleiben. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch versichern.

    Für deine Arbeitgeber_innen ist es übrigens günstiger, dich als Werkstudent anstatt als Minijobber zu beschäftigen, so dass es damit keine Probleme geben sollte. Nur mitteilen musst du beiden Arbeitgeber_innen den jeweils anderen Job.

    Außerdem müssen in der Kombi beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.
    Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 23.06.2020


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