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Befristet beschäftigt, Minusstunden?

Hallo liebes DGB-Team, 

ich stecke im Moment in einem kleinen Kuddelmuddel was meine Arbeit angeht und hoffe ihr könnt mir helfen. 

Ich studiere im Moment praxisintegriert und habe mich, als noch keine Vorlesungen waren wegen Corona, im Krankenhaus als Vollzeit-Aushilfe einstellen lassen. Das Verhältnis ist auf 3 Monate befristet und ich werde nach dem TVöD-P5 bezahlt. Ich muss also im Moment keine Sozialversicherung oder Krankenversicherung zahlen (weil Familienversichert). 
Jetzt kann ich, da das Studium wieder läuft, die nicht mehr Vollzeit arbeiten. Ich habe bereits 2 Monate gearbeitet (Verdienst knapp 4.000€), jedoch 50 Minusstunden angesammelt. Ich habe vor zu kündigen, weiß aber nicht, wie das mit den Minusstunden dann geregelt ist und wie ich diese nacharbeiten soll bzw. ob ich das muss? 

Ich möchte auch weiterhin arbeiten, weil ich das Geld brauche, deshalb überlege ich, nach Beendigung des jetzigen Vertrages, in dem Krankenhaus auf Teilzeitbasis weiterzumachen. Geplant hätte ich 15h/ Woche, damit ich noch als Werksstudent gelte und einige Sozialversicherungsabgaben wegfallen (falls ich das so richtig verstanden habe). Mit dieser Stundenzahl bliebe ich auch unter 9408€, auch wenn ich nicht genau weiß, ob mir das was bringt. 
Krankenversichern muss ich mich aber dann trotzdem selbst, weil ich über 455€/Monat verdiene, oder? 

Wisst ihr, an welcher Stelle man sich zu solchen Themen telefonisch beraten lassen kann?

Entschuldigt bitte diese chaotische Zusammenfassung, aber das spiegelt ungefähr wider wie viel Durchblick ich habe.
Vielen Dank schonmal für eure Antwort, 
LG Alexandra

Alexandra: 28.05.2020 |
  • RE: Befristet beschäftigt, Minusstunden?

    Hallo Alexandra,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ich versuch das mal aufzudröseln. Zu unterscheiden sind dabei die unterschiedlichen Ebenen Sozialversicherung (SV), Steuern und Arbeitsrecht.

    Sozialversicherung:
    Aktuell arbeitest du Vollzeit als kurzfristig Beschäftigte. Das Einkommen daraus ist aufgrund der Geringfügigkeit sozialversicherungsfrei und zählt bei der Familienversicherung nicht als Einkommen. Wenn du deinen Job in reduziertem Umfang verlängerst und dann als Werkstudentin dort arbeitest, zählt das Gehalt in der Familienversicherung mit. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat). Zudem fallen im Werkstudent_innenstatus auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an.
    Bis zur Grenze von 1300€/Monat wird aber nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der RV-Abgaben heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. Diesen und weitere Infos zum Midijob-Status findest du hier.

    Steuern:
    Die 9408€ kommen aus dem Steuerrecht, das ist dein jährlicher Steuergrundfreibetrag (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Das bedeutet, dass mindestens dieser Betrag steuerfrei ist. Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Hast du nur eine abhängige Beschäftigung, bist unverheiratet und kinderlos, wirst du in Lohnsteuerklasse 1 abgerechnet. In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe (ca. 1050€/Monat) keine Steuereinzüge hast.
    Der Steuersatz steigt mit der Höhe deines Einkommens. Wenn du also nur wenig drüber kommst, macht das höchstens ein paar Euro Unterschied, erst wenn du mehr verdienst, wird der Steuereinzug spürbar. Es lohnt sich also nicht, darauf zu achten, unterhalb des Freibetrags zu bleiben.
    Außerdem kannst du am Jahresende mit einer (freiwilligen) Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. Das kann sich lohnen, da du dort ggf. Kosten für dein Studium geltend machen kannst.

    Arbeitsrecht:
    Minusstunden und Kündigungsmöglichkeiten fallen in diesen Bereich. Hier gelten keine Sonderregeln für Studierende, sondern das, was vertraglich vereinbart wurde. Daran bist du genau so gebunden wie deine Arbeitgeber_innen. Du bist also erstmal grundsätzlich verpflichtet, die vereinbarte Arbeitszeit abzuleisten. Ein Recht auf Rücksicht aufs Studium gibt es leider nicht. Es ist aber immer möglich, mit Arbeitgeber_innen zu sprechen und individuelle Lösungen in beidseitigem Einvernehmen zu vereinbaren.

    Wenn du deinen aktuellen Job kündigen möchtest, ist das nur möglich, wenn explizit eine Kündigungsmöglichkeit vereinbart ist. Ansonsten enden befristete Verträge grundsätzlich erst mit dem vereinbarten Ende. Wenn in deinem Vertrag bei den Kündigungsmodalitäten auf den Tarifvertrag verwiesen wird, gelten die dort vereinbarten Kündigungsmodalitäten. In der Regel entsprechen diese mindestens den gesetzlichen Regelungen. Demnach kannst du mit einer Frist von 4 Wochen zur Monatsmitte oder dem Monatsende kündigen (von heute ab also nur noch zu Ende Juni). Kürzere Kündigungsfristen von 2 Wochen sind nur in der Probezeit möglich (falls eine vereinbart ist).

    Wenn dein_e Arbeitgeber_in einverstanden ist, ist es aber jederzeit möglich, einen Aufhebungs-/Auflösungsvertrag zu schließen, mit dem das Arbeitsverhältnis jederzeit beendet werden kann.

    Zu den Minusstunden: Hier kommt es darauf an, wie das im Tarifvetrag oder ggf. auch eine Betriebsvereinbarung genau geregelt ist. Das lässt sich so pauschal also leider nicht beantworten. Hier kannst du dich aber an den Personalrat vom Krankenhaus wenden. Die Kolleg_innen dort können dich über den bei euch üblichen Umgang mit Minusstunden aufklären und dich ggf. auch bei Streit mit der Personalabteilung unterstützen.

    Wo man sich telefonisch zu Themen rund um den Job als Studentin beraten lassen kann, kann ich dir leider nicht sagen. Manche Studierendenwerke sind da recht fit, andere weniger. Als Gewerkschaftsmitglied hättest du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und ggf. Rechtsschutz über deine Mitgliedsgewerkschaft. Für den Bereich Gesundheit ist ver.di zuständig, ruf einfach mal an! Für Studierende ist der Mitgliedsbeitrag übrigens vergünstigt.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 28.05.2020


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