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Werkstudentenvertrag neben der Masterarbeit

Sehr geehrte Damen und Herren, 

ich habe folgendes Anliegen:

Ich arbeite neben meinem Studium als Werkstudentin (im KKH) mit 19,5 Stunden pro Woche. Nun habe ich das Angebot bekommen, bei einem zweiten Arbeitgeber weitere Stunden  zu machen. Da ich meinen Stundentarif nicht verlieren möchte, ist es jedoch für mich nicht möglich, neben dem Werkstudenenvertrag einen weiteren Job in Form eines Minijobs anzunehmen. Meine Frage ist nun, ob es möglich ist ggf. mehr als die 20 Stunden pro Woche arbeiten gehen zu können, da ich "nur" noch meine Masterarbeit schreibe und keine Kurse mehr besuchen muss. Gibt es also eine Regelung, dass man in der Zeit in der man die Masterarbeit schreibt, mehr als 20 Stunden arbeiten gehen kann und trotzdem ordentlich Studierende bleibt? Oder gibt es noch eine andere Möglichkeit, wie ich durch einen zusätzlichen Job nicht meinen Studententarif verliere?

Vielen Dank und freundliche Grüße,

Johanna 

Johanna: 27.05.2020 |
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  • RE: Werkstudentenvertrag neben der Masterarbeit

    Hallo Johanna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort, also ob du "ordentliche Studentin" im Sinne der SV bist. Davon wird davon ausgegangen, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Damit, wie viel du tatsächlich noch studieren musst, ob du noch Präsenzzeiten in der Uni hast oder ob nur noch die Abschlussarbeit offen ist, hat das nichts zu tun.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist neben der Vollzeitimma deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Wenn das Studium im Vordergrund steht, wirst du im Job als Werkstudent_in angemeldet. Arbeitest du regelmäig mehr als 20h/Woche, steht für die SV dein Studium nicht mehr im Vordergrund, sondern die Arbeit. Dann entfällt der Status als Werkstudentin/ordentliche Studentin in der SV und du wirst im Job voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.

    Der Werkstudent_innenstatus bleibt aber in der Regel auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete(!) Beschäftigungen / Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.

    Allerdings ist eine volle SV-Pflicht gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Die regulären SV-Abgaben fallen auch nur auf nicht-geringfügige Jobs (Gehalt >450€/Monat, nicht kurzfristig) an. Wenn du also einen zusätzlichen Minijob ausübst, werden die Abgaben nur auf deinen Job im KKH fällig. Der Minijob wird auch in der Kombi nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen darauf nur 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an, sonst keine SV-Abgaben. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    Bis zur Grenze von 1300€/Monat (im KKH-Job) wird außerdem nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status.
    Bei den Regelungen zum Midijob geht es darum, dass innerhalb einer bestimmten Einkommensspanne (450,01 – 1.300€/Monat) SV-Beiträge anhand der Midijobformel für die Arbeitnehmer_innenseite günstiger berechnet werden. In dieser Formel reduziert ein Faktor die Höhe des Arbeitsentgelts als Grundlage für die Beitragsberechnung. Das gilt für Werkstudent_innen (hier nur für die Berechnung der RV) ebenso wie für voll sv-pflichtig Beschäftigte (hier dann auch für die KV-Beiträge).

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 28.05.2020


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