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Werkstudententätigkeit und kurzfristige Selbständigkeit

Sehr geerhte Damen und Herren,

ich arbeite als Werkstudentin und habe nun noch einen Zweitjob als  Referentin (Begleitung auf Seminarreisen) angenommen. Die Arbeitszeit ist ca. alle 3 Monate, 5 Tage lang und wird auf selbständigenbasis, dem Veranstalter in Rechnung gestellt. Hierfür ist vorab ein Honorar festgelegt.

Nun habe ich folgende Fragen:

1. Da von Anfang an ein Honorar festgelegt ist, ist keine Gesamtarbeitszeit angegeben. Was muss ich nun beachten bezüglich meines Werkstudentenjobs? (Hier sind ja nur 80h im Monat erlaubt)

2. Wie wird das Honorar was ich erhalte versteuert?

3. Brauche ich einene Gewerbeschein?Muss ich mich irgendwo anmelden? Die Selbständigkeit beschränkt sich ja immer nur auf einen Monat alle 3 Monate.

4. Wie sieht das Ganze aus, wenn ich nur Minijobber bin?

Gibt es Anlaufstellen wo  ich mich als Studentin beraten lassen kann?

liebe Grüsse Jana

Jana: 23.05.2020 |
Tags:
  • RE: Werkstudententätigkeit und kurzfristige Selbständigkeit

    Hallo Jana,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest.
    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du in deinem abhängigen Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin. Dabei wird die Arbeitszeit aus allen Jobs, auch der selbstständigen Tätigkeit addiert.Deshalb musst du deine_r/m Arbeitgeber_in die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit und den geschätzten Studnenumfang mitteilen, die entscheiden dann, wie du angemeldet wirst. Bei nur wenigen Aufträgen im Jahr sollte die Selbstständigkeit aber keine Auswirkungen auf deinen Wwerkstudistatus haben.

    Ansonsten wird die selbstständige Tätigkeit komplett für sich betrachtet. Dabei ist einiges zu beachten:
    Wenn du selbstständig tätig bist, bist du formal quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Eine Gewerbe musst du aber vermutlch nicht anmelden, da es sich sehr wahrscheinlich um eine freiberufliche Tätigkeit handelt (im Zweifel frag beim Finanzamt nach). Beim Finanzamt füllst du den "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" aus und bekommst eine Steuernummer (das ist nicht das gleiche wie deine Steuer-ID), die dann zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
    Auch für das Abführen von ggf. Steuern und SV-Beiträgen bist du als Selbstständige selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Ob tatsächlich Einkommenssteuer fällig wird und wenn ja, wie viel, hängt davon ab, wieviel du insgesamt verdienst. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Je nachdem, für wen du arbeitest, kann ggf. auch noch ein weitere Teil deiner Einkünfte steuerfrei über die Übungsleiter_innenpauschale sein.

    Solange du nur geringfügig selbstständig tätig bist, wirst du als nebenberuflich selbstständig eingestuft und kannst dich während des Studiums mit einer Wochenarbeitszeit von insgesamt nicht über 20h, weiterhin studentisch krankenversichern. Auch sollte dann keine Rentenversicherung anfallen. Erkundige dich dazu aber am besten direkt bei der Deutschen Rentenversicherung, ob du dort tatsächlich als geringfügig selbstständig giltst!
    Arbeitest du ggf. doch insgesmat regelmäßig mehr als 20h/Woche, wärst du als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin über deinen Job krankenversichert und es fallen keine weiteren Kosten für die Krankenversicherung an.

    Beachte, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram selber kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Was du mit deiner 4. Frage meinst, bin ich gerade nicht sicher. Meinst du deinen bisherigen Job auf einen 450€-Minijob reduzieren oder anstelle der Selbstständigkeit einen kurzfristigen Minijob annehmen?
    Minijobs sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei - unabhängig von der 20h-Regel. Wenn du zu deinem Werkstudijob einen Minijob aufnimmst, zählt die Arbeitszeit aber genau so mit hinein. Steuerlich kann es zudem über unterschiedlichen Lohnsteuerklassen ggf. hohe Abzüge geben, du kannst aber sämtliche zu viel eingezogenen Steuern am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden. Weitere Anlaufstellen sind die Sozialberatung des Studierendenwerks und bei Fragen zu Steuern kannst du dich ebenfalls an deinen AStA wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 25.05.2020


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