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Neuer Job - Teilzeit oder Werkstudent

Hallo!
Ich habe einen neuen Nebenjob zu meinem Vollzeitstudium in Aussicht (mit 16 Std./Woche).

Jetzt stell ich mir die Frage, ob ich lieber als Teilzeitkraft oder Werkstudent angestellt werden sollte.

Meine durchschnittliche Wochenstundenzeit beträgt 16 Stunden die Woche. Allerdings werde ich im Weihnachtsgeschäft Vollzeit arbeiten müssen (Gastro). Das passt allerdings soweit, da ich im Wintersemester nur ein Praktikum von 8 Wochen erledigen muss (dieses werde ich erst nach Weihnachten machen, also im neuen Jahr) und somit keine VL verpassen werde.

Kann ich dann trotzdem als Werkstudent eingestellt werden, obwohl ich für wenige Wochen (um Weihnachten herum) auf Vollzeit hochgehe und es keine vorlesungsfreie Zeit ist? Welche Abgaben/Abzüge habe ich dann zu zahlen? Wie sieht das mit Kindergeld aus (wenn ich auf Teilzeit arbeiten würde, würde ich trotz kurzfristiger Aufstockung ja weiterhin Geld bekommen)?

Vielen Dank!

Svenja2207: 19.05.2020 |
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  • RE: Neuer Job - Teilzeit oder Werkstudent

    Hallo Svenja,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Jeder Job, bei dem du nicht Vollzeit arbeitest, ist ein Teilzeitjob. Wie du dort angemeldet werden musst, hängt von Art und Umfang der Beschäftigung und der Einkommenshöhe ab. Das kannst du dir also nicht selbst aussuchen. Das hat auch Einfluss darauf, wie du krankenversichert sein kannst.

    Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern.

    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus wiederum handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen in der Regel immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten.

    Beträgt deine regelmäßige Arbeitszeit also 16h/Woche, wirst du in dem neuen Job als Werkstudentin abgerechnet.
    Ausnahmen von der 20h-Regel sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends, nachts oder das Wochenende fällt.
    Wenn die Mehrarbeit über die Weihnachtszeit unter die Ausnahmeregelungen fällt, kannst du auch bei vorübergehender Vollzeitarbeit als Werkstudentin angemeldet bleiben.

    Steigt deine wöchentliche Arbeitszeit auf regelmäßig über 20h bzw. greifen die Ausnahmeregelungen nicht, entfällt der Werkstudierendenstatus und du musst im Job voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet werden.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Bis zur Grenze von 1300€/Monat (brutto) wird außerdem nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. Diesen und weitere Infos zum Midijob-Status findest du hier. Bei voller SV-Pflicht kannst du die im Internet gängigen Übergangsbereichsrechner nutzen.

    Auf deinen Kindergeldanspruch hat all das keinen Einfluss. Beim Kindergeld gibt es keine Einkommensgrenze und im Erststudium auch keine Begrenzung der möglichen Arbeitszeit. Da du noch relativ jung bist, gehe ich davon aus, dass du dich in deinem Erststudium befindest (dazu zählt auch ein zeitnah an den Bachelor angeschlossenes konsekutives Masterstudium). Nur wenn du dich im Zweitstudium befinden solltest, gilt es Grenze von 20h/Woche. Darüber wird von "anspruchsschädlicher Erwerbsarbeit" gesprochen, die Ausnahme der 20h-Regel aus der Sozialversicherung greifen hier nicht.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 19.05.2020


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