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Steuern bei mehreren verschiedenen Jobs

Hallo,

ich habe momentan zwei Jobs, einen Minijob und einen Job als Honorarkraft. Meinen Minijob habe ich dieses Jahr nur im Januar und Februar ausgeführt.

Nun ist es so, dass ich ab August als PKB-Kraft (Vertretungslehrkraft) im öffentlichen Dienst angestellt werde. Deshalb werde ich meinen Minijob zum August kündigen, damit ich nicht in die Lohnsteuerklasse VI falle. Meine Fragen sind folgende:

  • Welches Einkommen muss ich zusammenzählen für den Steuerfreibetrag? Alles, was ich in diesem Jahr verdiene?
  • Muss ich dann im nächsten Jahr eine Steuererklärung machen und alle drei Jobs von diesem Jahr auflisten? Oder kommt es darauf an, bei welchem Job ich mehr als 9408€ verdient habe?
  • Ich bin auch verwirrt wegen der Steuernummer. Ich habe ein explizit für meine Arbeit als Honorarkraft und werde denke ich eine weitere für meinen neuen Job bekommen. Welche führe ich dann auf der Steuererklärung auf?

Ich entschuldige mich für die vielen Fragen. Ich bin ganz neu in diesem Thema und da ich eine Kombination aus verschiedenen Jobs habe, konnte ich nicht ganz schlau werden aus der Internetrecherche :-)

Liebe Grüße

lozy: 19.05.2020 |
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  • RE: Steuern bei mehreren verschiedenen Jobs

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Für die Berechnung der Einkommenssteuer sind deine Einkünfte aus allen deinen Jobs relevant.
    Ausnahme: wurde der Minijob pauschal versteuert (also nicht über deine Steuer-ID abgerechnet) zählt das Einkommen daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein. Dann kannst du dort auch nicht in Lohnsteuerklasse (LSK) VI rutschen und musst ihn nicht in der Steuererklärung angeben. Wurde der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet, musst du das Gehalt daraus mit angeben.
    Bei selbstständiger Tätigkeit (also deinem Honorarjob) ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Für den Honorarjob hast du eine Steuernummer, die gilt tatsächlich nur für diese Tätigkeit. Du hast aber auch eine Steueridentifkationsnummer (kurz Steuer-ID), die gilt dein Leben lang und wird zur Versteuerung deiner abhängigen Beschäftigungen genutzt. Du musst für den neuen Job also nichts beantragen, sondern dort lediglich deine Steuer-ID angeben.
    Da beim Lohnsteuereinzug ein vereinfachtes Verfahren angewandt wird, gibt es unterschiedliche Lohnsteuerklssen, wenn du mehrere Jobs hast. Von denen kann immer nur einer über die LSK I abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag in Höhe von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe (ca. 1050€/Monat brutto) im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest. Aber auch dann kannst du mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Bei deiner Steuererklärung gibst du beide Nummern an (das steht auf den Formularen, wo die Steuernummer und wo die Steuer-ID einzutragen sind).

    Der Steuergrundfreibetrag (plus Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) gilt für dich als Person nur einmal, egal wie viele Jobs du hast. Einkommenssteuer wird fällig, wenn du insgesamt mehr verdienst - und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten (kannst du in der Steuererklärung geltend machen) übersteigt.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.Und mehr Infos zum Thema Steuern findest du hier.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort ggf. direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 19.05.2020


  • RE: Steuern bei mehreren verschiedenen Jobs

    Hallo Andrea,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort! Es ist mir jetzt um einiges klarer. 

    Ich hätte nur noch eine Rückfrage:

    Wenn ich für meine Honorararbeit nicht über eine Lohnsteuerklasse abgerechnet werde,falle ich dann für meinen neuen Job in Lohnsteuerklasse I? Oder wird es Klasse VI, weil ich eben einen zweiten Job habe?

    Liebe Grüße

    lozy: 20.05.2020


  • RE: Steuern bei mehreren verschiedenen Jobs

    Hallo,

    vielen Dank für deine Rückmeldung :).

    die Honoratätigkeit spielt im Bezug auf die Lohnsteuerklassen erst einmal keine Rolle.

    Auch wenn es sich am Ende des Jahres um die gleiche Einkommenssteuer für alle Tätigkeiten handelt, ist das, was als "Lohnsteuer" bezeichnet wird und über unterschiedliche "Lohnsteuerklassen" zu unterschiedlichen Bedingungen im Voraus abgerechnet wird etwas, was nur in abhängigen Beschäftigungen passiert.

    D.h.: Zwei abhängige Beschäftigungen ergeben in der Regel LSK I in der ersten und LSK VI in der zweiten.

    Eine abhängige und eine selbstständige heißt i.d.R. die abhängige Beschäftigung in LSK I und keine LSK für die selbstständige. Die Steuern für die selbstständige Tätigkeit werden ggf. rückwirkend je nach Steuererklärung fällig.

    Erst wenn du eine Weile in größerem Umfang selbstständig bist, fängt auch dort u.U. eine Vorauszahlung der Einkommenssteuer an, das läuft dann aber nochmal anders als über die Lohnsteuerklassen.

    Generell musst du dir aber im Zweifel nicht zu sehr den Kopf über die unterschiedlichen Lohnsteuerklassen zerbrechen, denn am Ende wird durch Steuererklärung und Steuerbescheid ausgerechnet, wie viel Steuern denn nun schlussendlich (nicht) fällig waren und du bekommst zu viel Bezahltes zurück. Und dann ist es egal, in welche Steuerklassen die Jobs sortiert waren. Wenn du das Geld dringend schon vorher brauchst ist es außerdem möglich, auf Antrag einen Teil der Freibeträge auch auf eine andere Tätigkeit zu übertragen. Mehr dazu hier.

    Bei der Kombination nur einer abhängigen und ansonsten selbstständiger Tätigkeit(en) sollte das aber wie gesagt überhaupt keine Rolle spielen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 20.05.2020


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