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Urlaubsanspruch Corona

Hallo zusammen,

ich bin studentische Hilfskraft in einer Bibliothek, die wegen Corona nun zwei Monate geschlossen war, demnächst aber wieder eingeschränkt öffnet.

In dieser Zeit wurden uns keine anderen Aufgaben zugeteilt, wir wurden normal bezahlt und waren halt zu Hause.

Nun ist es vom Seminar so beabsichtigt, dass die fehlenden Stunden aus der Zeit entweder...

1. mit anderen Leistungen im Seminar (damit hätte ich kein Problem),

2. mit dem Urlaubsanspruch (damit hätte ich ein Problem, da uns eh nur ein paar Stunden Urlaub anteilig, je nach Stunden laut Vertrag, zur Verfügung stehen),

oder 3. mit einer einer halben Stunde nach der Schicht für den Schließdienst verrechnet werden.

Geht das rechtlich so in Ordnung? Ich kann mir das bei der Verrechnung mit dem Urlaub schwer vorstellen, möchte mich aber auch nicht zu sehr beschweren, da ich auf den Job angewiesen bin, und mir nicht leisten kann, dann "ersetzt" zu werden...

Liebe Grüße

j_ohne: 16.05.2020 |
Tags:
  • RE: Urlaubsanspruch Corona

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ich bin mir gerade unsicher, ob ich deine Frage richtig verstehe. Was meinst du mit Verrechnung "mit anderen Leistungen im Seminar"? Hat dein Job etwas mit deinen Seminarleistungen zu tun? Inwiefern?

    Wenn es tatsächlich nur um einen normalen Job an der Uni-Bib geht, gelten die üblichen arbeitsrechtlichen Regelungen. Demnach kommt die Uni als deine Arbeitgeberin in sogenannten Annahmeverzug, wenn sie dich nicht entsprechend der arbeitsvertraglichen Vereinbarung beschäftigt und muss dich weiter so bezahlen als ob du gearbeitet hättest. Schau mal in unsere Corona-FAQs zur Entgeltfortzahlung unter 2.

    In der Regel muss diese Zeit auch nicht nachgearbeitet oder gar mit Urlaub aufgerechnet werden.
    Nacharbeiten ist nur dann eventuell zulässig, wenn es eine konkrete tarif- oder arbeitsvertragliche Regelung zu Arbeitszeitkonten bzw. Minusstunden gibt. Gibt es das nicht, kannst du gar keine Minusstunden haben. Generell trägt das betriebliche Risiko nämlich deine Arbeitgeberin, nicht du als Arbeitnehmerin! Das betriebliche Risiko darf auch nicht einfach auf dich abgewälzt werden.
    Eine rückwirkende Aufrechnung mit Urlaub ist arbeitsrechtlich ebenfalls nicht möglich. Schau mal hier bei den Corona-FAQs des DGB unter 8.

    Am besten kannst du dich gegen unrechtmäßiges Vorgehen wehren, wenn du dich mit anderen zusammenschließt. Ich kann deine Angst vor dem Ersetzt-werden verstehen, wenn aber alle studentisch Beschäftigten zusamenhalten, sinkt die Gefahr für die_den Einzelne_n. Manchmal hilft es auch schon, die andern über die Rechtslage zu informieren. Auch den Personalrat an eurer Uni könnt ihr ansprechen. Der ist zwar formal nicht für euch zuständig, kann aber eventuell dennoch unterstützen oder zumindest mit Tipps weiterhelfen.
    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Beitritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und später ggf. auch Rechtsschutz über deine Mitgliedsgewerkschaft. Das würde in der Situation sicherlich auch nicht schaden.

    Viel Erfolg! Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 18.05.2020


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