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Werkstudent (Job A) + Minijob (Kino)

Hallo liebes DGB-Jugend-Team,

erstmal super, dass Ihr so einen klasse Service anbietet, ich hab schon viele nützliche Informationen aus all den Fragen gezogen. Meinen konkreten Fall konnte ich allerdings noch nicht finden, daher hier meine Anfrage an euch:

Ich arbeite seit einiger Zeit als Werkstudent bei A. Ich arbeite dort zwischen 12 und 20 Stunden die Woche, im Idealfall immer knapp an den 20 Stunden/Woche bzw. 80 Stunden/Monat, da ich das maximale aus dem Job herausholen möchte. Vor der Corona-Krise habe ich in einem Kino als Werkstudent gearbeitet und da dort meine Arbeitszeiten am Wochenende und abends lagen, deutlich mehr als die 80 Stunden/Monat arbeiten und auch abrechnen können. Nun können Ende Mai vermutlich wieder Kinos in NRW öffnen und ich würde für eine Übergangsphase - bis ich im Kino wieder auf ein gleiches Lohnniveau wie vor der Krise kommen kann - beide Beschäftigungen nebeneinander laufen lassen. 

Meine Arbeitszeiten im Kino wären montags und dienstags nach 19 Uhr bis in die Nacht und samstags wechselweise in der frühen (11 - 19) oder späten (19 - 02) Schicht. Meine Arbeitszeiten in Job A kann ich wochenweise festlegen und würde ich an die anderen Tage jeweils legen.

In beiden Jobs würde ich jeweils auf ungefähr 20 Stunden/Woche kommen.

Meine Frage nun:

1) Wie kann ich beide Beschäftigungen kombinieren, ist dies generell möglich?

2) Wie sollten die Jobs am besten angemeldet werden?

3) Bei Job A bin ich in der Probezeit für weitere 5 Monate. Könnte A mich deswegen innerhalb der Probezeit innerhalb von 2 Wochen kündigen, wenn durch das neue Anstellungsverhältnis höhere Sozialabgaben auf sie zukommen?

4) Dadurch, dass die Arbeitszeiten im Kino außerhalb der Studienzeiten liegen, würde es Sinn ergeben, die Beschäftigung im Kino als Werkstudent laufen zu lassen? Dort könnte die Stundenzahl laut meinem Verständnis ja weniger relevant sein, weil ich nicht in der Studienzeit arbeite. Die Beschäftigung bei Lieferando würde ich dann auf einen Minijob ändern lassen. 

Ich weiß, dass es sehr kompliziert klingt, ich habe es so gut es geht versucht zu vereinfachen. Vielen Dank schon mal für Eure Mühen.

Schöne Grüße aus Bonn!

mm: 14.05.2020 |
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  • RE: Werkstudent (Job A) + Minijob (Kino)

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    1.) Grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    2.) und 4.) Das heißt, du kannst dir nicht aussuchen, wie du angemeldet wirst, das ist gesetzlich geregelt und hängt von den Kriterien ab, die du und deine Jobs erfüllen.

    So wie du die beiden Jobs beschreibst, wirst du - mit jeweils ca 20h/Woche - selbst bei Mindestlohn in beiden über 450€/Monat verdienen. Das bedeutet, dass keiner der beiden Jobs als Minijob angemeldet werden kann.
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich wiederum um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen in der Regel nur dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten.

    Der Werkstudent_innenstatus kann nur dann auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten bleiben, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf vorlesungsfreie Zeit, abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen also auch in die 26 Wochen mit hinein.
    Sind deine beiden Jobs unbefristet oder auf länger als ein halbes Jahr (entspricht 26 Wochen) befristet, kann die Ausnahmeregelung nicht angewandt werden. Du wirst dann in beiden Jobs voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen auf beide Gehälter jeweils 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    3.) Grundsätzlich ist eine Änderung deines SV-Status - und auch die damit einhergehenden ggf. höheren Lohnnebenkosten für deine Arbeitgeber_innen - kein Kündigungsgrund. Wenn du jedoch noch in der Probezeit bist, kannst du mit einer Frist von 2 Wochen ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.
    Hier solltest du das Gespräch mit deinen Arbeitgeber_innen suchen. Wenn du Job A nämlich auf einen Minijob reduzieren möchtest und sie dem zustimmen, ist das für die je nach Gesamtstundenzahl sogar teurer. Im Minijob fallen für die Arbeitgeber_innenseite nämlich pauschal 28% Sozialabgaben (plus ggf. 2% Pauschsteuer) an. Das bedeutet, dass du mit einem Verdienst von etwas über 450€/Monat selbst voll sv-pflichtig noch günstiger für die bist als als Minijobber. Wenn man das Arbeitgeber_innen vorrechnet, sind sie oft umgänglicher, wenn es darum geht, dass volle SV-Pflicht wegen des Wegfalls des Werkstudistatus eintritt.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 15.05.2020


  • RE: Werkstudent (Job A) + Minijob (Kino)

    Hallo,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort, das hat schon mal weitergeholfen. Ein paar Nachfragen ergeben sich aber noch für mich.

    So wie ich es verstanden habe, wäre es dann am besten, wenn ich im Kino voll SV-pflichtig angemeldet werde als Midijobber, da ich dort die meiste Zeit arbeiten würde. Die KV hätte ich dann über das Kino.

    1)Muss ich mich dafür bei der Krankenkasse melden, wenn ich noch studentisch versichert bin? 

    2) Läuft der Midijob dann am besten über die Lohnsteuerklasse I?

    3) Könnte ich daneben dann abzugsfrei bei Job A zu einem Minijob wechseln und beides miteinander kombinieren?

    4) Läuft der Minijob dann über Lohnsteuerklasse VI oder wie würde man das in der Kombination am besten anmelden?

    5) Dadurch, dass ich gerade nicht weiß, wann ich wieder im Kino arbeiten könnte, würde ich vorsorglich schon ab 01.06. bei Job A als Minijobber anfangen. Wenn ich dann im Kino voll SV-pflichtig angestellt bin, teile ich das bei Job A einfach nur mit oder spielt das für die keine Rolle, wenn ich nur einen Minijob mache?

    Vielen Dank nochmal, dass ihr euch die Zeit für die Beantwortung nehmt!

    Schöne Grüße!

    mm: 18.05.2020


  • RE: Werkstudent (Job A) + Minijob (Kino)

    Hallo,

    ich fange mal hinten an:

    5.) Wenn du Job A auf einen Minijob reduzierst, spielt es keine Rolle, ob du in deinem anderen Job Werkstudent oder voll sv-pflichtig bist. Solange du in Job A nicht mehr als 450€/Monat verdienst, ist es ein Minijob.

    4.) Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    3.) Solange du im Kino einen Midijob (also ein Bruttogehalt zwischen 450,01 und 1300€/Monat) hast, kannst du problemlos einen zusätzlichen Minijob (bis 450€/Monat) nebenbei ausüben. Einkommen daraus ist bis auf 3,6% Rentenversicherung (RV) sozialversicherungsfrei. Von der RV kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus.

    2.) Wenn du unverheiratet und kinderlos bist, wird dein Hauptjob über die LSK 1 abgerechnet. Bis um die 1050€/Monat (brutto) wird dann keine Lohnsteuer eingezogen. Verdienst du im Kino mehr, fallen voraussichtlich Lohnsteuereinzüge an.

    1.) Wenn du wegen Überschreitung der 20h-Regel im Kino voll sv-pflichtig wirst, wirst du von deinen Arbeitgeber_innen dort bei deiner Krankenkasse umgemeldet und die entsprechende SV-Abzüge abgeführt. Deine Pflicht ist es, deinen Arbeitgeber_innen die entsprechenden Informationen (weitere Jobs, wöchentliche Arbeitszeit, etc.) zukommen zu lassen, damit die dich korrekt anmelden können. Du musst dich darüber hinaus eigentlich um nichts weiter kümmern. Erfahrungsgemäß ist es aber dennoch sinnvoll, sich bei der Krankenkasse wegen der Beendigung der studentischen KV zu melden, damit es nicht zu doppelten Beitragszahlungen (über Job und stud. KV) kommt. Eventuell doppelt gezahlte Beiträge bekommst du zwar zurückerstattet, aber diese von vornherein gleich zu vermeiden, erspart das spätere Hinterherlaufen.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    dgb-jugend: 18.05.2020


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