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Zwei Werkstudententätigkeiten - Steuerliche Auswirkung?

Liebes DGB-Jugend-Team,

ich stehe vor dem Ende meines Masterstudiums, und habe die Möglichkeit als Hilfskraft für 10h/Woche mit 12€/h in einem Forschungsprojekt angestellt zu werden und dort auch meine Masterarbeit zu schreiben.

Alleinig daraus werde ich mich nicht finanzieren können, weshalb ich meine aktuelle Tätigkeit als WHK mit 15€/h an der Hochschule behalten möchte. Aktuell arbeite ich dort 17h/Woche, sodass ich, um den Werkstudentenstatus beizubehalten, diese Tätigkeit auf 10h/Woche verringern muss, sodass ich insgesamt 20h/Woche arbeite.

Hab ich große steuerliche Einbußen zu erwarten, wenn ich mit zwei Jobs in etwa die selbe Stundenanzahl arbeite wie mit einem Job? Ist der einzige Unterschied, dass ich bei einen einzelnen Job das gesamte Einkommen nach Steurklasse 1 versteuere und bei der Variante mit zwei Jobs, die eine Hälfte des Einkommens nach Steuerklasse 1 und die zweite nach Steurklasse 6? 

Danke für eure Antwort!

Ole

fl380: 12.05.2020 |
Tags:
  • RE: Zwei Werkstudententätigkeiten - Steuerliche Auswirkung?

    Hallo Ole,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du zwei beide Jobs hast, die über deine Steuer-ID abgerechnet werden, musst du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, wo du wiviel arbeitest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über die Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeite. Dieser hat nichts mit Steuern zu tun, sondern ausschließlich damit, welche Sozialabgaben anfallen und wie du krankenversichert bist.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job (oder den Jobs) als Werkstudent angemeldet. Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr, entfällt der Werkstudistaus und du wirst voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer. Das kann für dich aber auch vorteilhaft sein, so dass du überlegen solltest, ob eine Stundenreduzierung sinnvol ist, wenn es nur darum geht, den Werkstudierendenstatus zu erhalten.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über die Jobs kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

    Ein weitere Hinweis: Solltest du in dem neuen Job ausschließlich zur Erstellung deiner Abschlussarbeit im Unternehmen sein und keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung erbringen, zählt die Zeit, die du dort verbringst nicht als Arbeitszeit, sondern als Zeit für dein Studium (ähnlich wie bei Pflichtpraktika) und damit nicht in die 20h-Regel mithinein.
    Es gibt in der SV auch einen speziellen Status für sogenannte Masterand_innen. Erhälst du eine Vergütung, ist diese grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

    Wenn du nebenbei noch als Werkstudent in einem anderen Betrieb tätig bist, ist das kein Problem und beeinflusst sich gegenseitig nicht. Nur der Punkt mit den Steuern bleibt auch hier wie schon oben beschrieben.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen. Und wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.05.2020


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