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Minijob und Nebentätigkeit auf Honoarbasis möglich?

Hallo! 

Ich arbeite schon seit mehreren Jahren im Verkauf in einem Laden als Minijobberin, nun habe ich für ca 3 Monate eine Stelle angeboten bekommen, wo ich ein Kind zwei Vormittage die Woche zu Hause Unterrichten soll. Da ich auch BAföG beziehe und meinen Job im Laden nicht aufgeben möchte, wollte ich fragen, wie ich den neuen Job abrechnen kann und ob und wenn ja wie dieser versteuert werden muss. Könnte ich beispielsweise auf Honorarbasis arbeiten?

Beste Grüße

Nina

Nina: 12.05.2020 |
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  • RE: Minijob und Nebentätigkeit auf Honoarbasis möglich?

    Hallo Nina,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden und dein Einkommen beim BAföG berücksichtigt werden.

    Wenn du auf Honorarbasis arbeiten und Rechnungen schreiben möchtest, ist das eine selbstständige Tätigkeit. Diese wird unabhängig von deinem Minijob betrachtet, beide Jobs beeinflussen sich dann gegenseitig nicht. Selbstständig tätig sein bedeutet aber, dass du selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig bist. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichern.

    Beachte auch, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Selbstständige Lehrtätigkeiten sind zum Beispiel rentenversicherungspflichtig (mit 18,6%), sobald du dort mehr als 450€/Monat verdienst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Eine Alternative wäre eventuell eine Anmeldung als kurzfristig Beschäftigte. Das ist keine selbstständige Tätigkeit, sondern eine Art der geringfügigen (abhängigen) Beschäftigung, die ebenfalls getrennt vom Minijob betrachtet wird und diesen nicht beeinflusst. Hier müsstest du von der Familie direkt angestellt werden. Einkünfte aus kurzfristiger Beschäftigung sind für dich und die Arbeitgeber_innenseite sozialversicherungsfrei - aber steuerpflichtig. Wenn dein bisheriger Minijob pauschal mit 2% versteuert wird, würde die kurzfristige Beschäftigung in Steuerklasse 1 abgerenet werden und vermutlich keine Steuern anfallen (bis um die 1000€/Monat brutto).

    Auch ein zweiter Minijob ist möglich. Hier gibt es Vergünstigungen für die Arbeitgeber_innenseite bei Jobs im Privathaushalt. Zwei Minijobs werden allerdings zusammengerechnet. Verdienst du insgesamt unter 450€/Monat, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet.

    Kommst du mit beiden Minijobs zusammen aber insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an. (Für deine_n bisherige_n Minijob-Arbeitgeber_in wäre das sogar günstiger, so dass das kein Problem sein sollte.)

    Allerdings müssten in der Kombi beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann (also auch in der Kombi kurzfristige Beschäftigung plus Minijob, wenn Minijob über Steuer-ID abgerechnet wird).
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Zum BAföG: Hier kommt es nur darauf an, wieviel du insgesamt im Bewilligungszeitraum verdienst. Der Einkommensfreibetrag beträgt 290€/Monat. Dein Einkommen wird beim BAföG aber noch um eine Sozialpauschale in Höhe von 21,3% und bei abhängiger Beschäftigung um die Werbungskostenpauschale (1000€/Jahr) bereinigt. So kannst du in abhängiger Beschäftigung bis zu 450€/Monat oder 5400€/Jahr ohne BAföG-Abzüge verdienen. Bei der Selbstständigkeit greift die Werbungskostenpauschale nicht, dafür kannst du dort dein Honorar um die für den Job notwendigen Ausgaben bereinigen (Gewinnermittlung).

    Was dann übrig bleibt und über die 290€/Monat geht, vermindert deinen BAföG-Auszahlbetrag entsprechend.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort ggf. direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.05.2020


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