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Werkstudent + Selbständigkeit

Hallo,

meine aktuelle Situation:

Werkstudent mit 18h die Woche und bezahle die studentische KV

Nun möchte ich demnächst mit einem Kollegen ein Online Business gründen (UG) und wollte fragen, wie ich die Stundensituation bewerkstelligen kann.


Ich könnte ja zum einen eine Arbeitszeit von 2h pro Woche für die Firma veranschlagen um auf 20h zu kommen.
Aber habe ich auch die Möglichkeit mehr Stunden zu veranschlagen und diese theoretisch mit Nacharbeit und Wochendarbeit begründen?

Außerdem hab ich mal gelesen, dass unabhängig von den Stunden, man bei Höhe eines bestimmten Gehalts aus der Selbständigkeit auch den Werkstudentenstatus verliert.


Gehen wir mal davon aus, dass ich doch meinen Werkstudentenstatus in der SV verliere.
Wie verhält sich mein Einkommen in diesem Fall? Ich habe mehrere Rechner probiert aber kam immer zu verschiedenen Ergebnissen.

Zurzeit sieht es folgendermaßen aus:

832 Brutto
Nach Abzug der RV Beiträge bleibt
765 Netto

wobei noch die KV abgezogen wird, womit wir bei

660 Euro sind

Wie würde sich mein Endgehalt verhalten, wenn ich nun die SV Beträge für Arbeitnehmer zahlen würde?

Viele Grüße und vielen Dank im vorraus!

SE: 11.05.2020 |
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  • RE: Werkstudent + Selbständigkeit

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent_in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent_in angemeldet. Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr als 20h/Woche (das gilt auch für Wochenend- und Nachtarbeit) wirst du im Job voll sv-pflichtig.

    Der Werkstudent_innenstatus bleibt in der Regel nur dann bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.
    Arbeitest du aber durch die Aufnahme der Selbstständigkeit dauerhaft neben dem Studium mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in. Die 26-Wochen-Regel spielt dann keine Rolle.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent_in. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Bis zur Grenze von 1.300 Euro (hier ist nur dein monatliches Bruttogehalt relevant, was du mit der Selbstständigkeit zusätzlich verdienst, wird hier nicht mitgerechnet) wird nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Übergangsbereich bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil im Werkstudijob ist, kannst du mit unserem Midijobrechner ausrechnen. Diesen und weitere Infos zum Midijob-Status findest du hier. Welche Abgaben bei voller SV-Pflicht anfallen, kannst du dir mit einem der gängigen Übergangsbereichsrechner im Internet berechnen lassen.

    Die selbstständige Tätigkeit wird grundsätzlich für sich betrachtet. Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums (bei Einhaltung der 20h-Regel) weiterhin studentisch krankenversichern oder (bei Überschreiten der 20h-Regel) über deinen Job versichert sein.
    Nur wenn du als hauptberuflich selbstständig eingestuft wirst, entfällt auch der Werkstudierendenstatus, da du dann für die Sozialversicherung nicht mehr vorrangig Student_in bist, sondern Selbstständige_r. Eine hauptberufliche Selbstständigkeit wird u.a. angenommen, wenn du die Selbstständigkeit deine Haupteinnahmequelle ist und dein Einkommen daraus mehr als 1.592,50 Euro monatlich beträgt ( = 1/2 Bezugsgröße).

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich ggf. dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 14.05.2020


  • RE: Werkstudent + Selbständigkeit

    Hallo,

    erstmal danke für die ausführliche Antwort.

    Bin ich in der Annahme richtig, dass wenn ich als hauptberuflich selbstständig eingestuft werde, die vollen KV und PV selber trage, jedoch keine AV und RV tragen muss? Und das mein AG keine SV Beiträge zahlen muss?

    Da ich aufgrund der voraussichtlichen Stundenzahl für das Gewerbe sowieso die 20h überschreiten werde, würde es doch Sinn mich als hauptberuflich selbständig einstufen zu lassen, damit mein AG keine SV Beträge zahlen muss und somit durch mein Gewerbe nicht zusätzlich belastet wird. 

    Viele Grüße 

    SE: 14.05.2020


  • RE: Werkstudent + Selbständigkeit

    Hallo,

    wenn du als hauptberuflich selbstständig eingestuft wirst, musst du dich als Selbstständige_r freiwillig kranken- und pflegeversichern. Hier würden 15,525% (mit Krankengeldanspruch 16,125%) auf deine Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit anfallen, mind. aber um die 200€/Monat.

    Pflichtbeiträge zur Arbeitslosenversicherung fallen auf deine Einkünfte aus der Selbstständigkeit nicht an, eventuell aber Rentenversicherung. Hier kommt es darauf an, welcher Tätigkeit du genau nachgehst, ob du Arbeitnehmer_innen beschäftigst oder überwiegend nur für einen Auftraggeber tätig bist. Mehr Infos findest du hier und bei der Deutschen Rentenversicherung. Es kann also auch Rentenversicherungspflicht vorliegen, selbst wenn du nicht hauptberuflich selbstständig bist.

    Für den Werkstudierendenstatus und damit auch für die Abgaben auf dein Gehalt kommt es darauf an, wieviel du insgesamt wöchentlich arbeitest. Überschreitest du die 20h-Regel, wirst du dort voll sv-pflichtig - mit den entsprechenden Abgaben auch für deine_n Arbeitgeber_in. Das passiert also unabhängig davon, ob du haupt- oder nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst. Wenn du hauptberuflich selbstständig bist UND voll sv-pflichtig in deinem Job, werden entsprechende SV-Abgaben sowohl auf dein Gehalt als auch deine Einkünfte aus der Selbstständigkeit fällig.
    Wirst du als nebenberuflich selbstständig eingestuft, im Job aber voll sv-pflichtig, bist du ausschließlich über deinen Job krankenversichert und musst dich nicht noch zusätzlich als Selbstständige_r krankenversichern. Das wäre für dich also deutlich günstiger (und würde für deine_n AG nur knapp 10% höhere Lohnnebenkosten bedeuten).
    Rentenversicherung wiederum kann aber auch dann auf die Selbstständigkeit anfallen, wenn du dort als nebenberuflich eingestuft bist UND im Job RV abgeführt wird (also sowohl als Werkstudent_in als auch als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in).

    Ich weiß, das ist ziemlich komplex. Lies dir mal in Ruhe die Links durch, insb. unsere Infos zu Selbstständigkeit. Kalkuliere realistisch, damit sich die Aufnahme der Selbstständigkeit auch lohnt!

    Viel Erfolg und beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    dgb-jugend: 14.05.2020


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