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Teilzeitjob 80Std. mtl. + gerinfügige Beschäft. 40 Std. mtl.

Hallo an Alle,

meine Situation:

Alter 23. Lebe noch bei meinen Eltern, ledig und keine Kinder. Beziehe kein BAföG. Habe derzeit eine gerinfügigen Beschäft. mit 40.25 Std. im Monat (~440), die über die Bundesknappschaft läuft mit dem Pauschalbetrag (~8,95€). Werde bei einem neuen Arbeitgeber parallel nun einen Teilzeitjob beginnen mit 80 Std. mtl. (ca. 900€). Bin derzeit familienversichert. Habe keine anderen Bezüge. Ich bin Vollzeitstudent. (LÖHNE IN BRUTTO)

Nun die Frage:

1. Darf ich diese 80Std. Tätigkeit ausüben oder gelten generell für Vollzeitstudenten "nicht über 20 Std./Wochen"?

2. Was versteht man unter sozialversicherungsfrei/-beitragsfrei. Muss ich in dem zweiten Job Beiträge zahlen oder nicht? Muss ich ggf. den Werkstudentenbeitrag zahlen? Kann ich auch normal Abgaben zahlen - nicht unter Werkstudentenstatus?

3. Hat es Folgen/Kosequenzen/Nachteile, wenn ich mehr als 20Std./Woche arbeite?

4. Kann ich zu meiner Familienversicherung ggf. zurück, wenn ich doch wieder nur 450€ verdiene, auch wenn ich meine Versicherung von AOK nach TK wechsle, muss ich dann TK kündigen und zu AOK zurück?

5. Werden beide Einkünfte zusammenberechnen, was Steuer und Abgaben angeht? Werde ich damit steuerpflichtig?

Vielen Dank ;-)

Sicher ist sicher!: 06.05.2020 |
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  • RE: Teilzeitjob 80Std. mtl. + gerinfügige Beschäft. 40 Std. mtl.

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage. Der Reihe nach :)

    1. Generell darfst du auch als Student_in so viel arbeiten wie du kannst und möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Je nach Umfang und Art der Beschäftigung sowie der Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Das hat dann v.a. Einfluss darauf, welche Abgaben für dich und deine Arbeitgeber_innen fällig werden und wie du krankenversichert bist.

    2. und 3.: In Jobs über 450€ fallen immer Sozialabgaben an (außer es handelt sich dabei um kurzfristige Beschäftigungen). Diese teilen sich Arbeitgeber_innen und Arbeitnehmer_innen, wobei für dich als Arbeitnehmer_in der Beitragssatz im Übergangsbereich bis 1.300€ etwas reduziert ist. Der Unterschied zwischen Werkstudierenden und anderen Beschäftigten ist dabei „lediglich“, dass für Werkstudis nur Rentenversicherungsbeiträge anfallen. Für Nicht-Werkstudierende zusätzlich Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge. Sobald alle Beiträge gezahlt werden, läuft dann aber auch die Krankenversicherung über den Job.

    Als Werkstudent_in kannst du nur so lange gemeldet werden, wie du regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeitest – in allen Jobs zusammengerechnet!

    Die Kombination eines Minijobs unter 450€ mit einer Beschäftigung über 450€ ist kein Problem. Der Minijob bleibt wie gehabt. Der Pauschalbetrag den du erwähnst bezieht sich vermutlich auf die Steuern, im Bereich Sozialabgaben sind im Minijob für dich nur Rentenversicherungsbeiträge i.H.v. 3,6% fällig (bei vollen Ansprüchen), von denen du dich auf Wunsch befreien lassen kannst. Die oben erwähnten Abgaben werden nur im anderen Job fällig.

    4. Sobald du wieder unter der Zuverdienstgrenze der Familienversicherung liegst, kannst du innerhalb deines Studiums auch wieder zurückwechseln. Falls es sich bei deinem neuen Job um eine kurzfristige Beschäftigung handeln würde, würden die Einkünfte daraus sowieso nicht zählen, die kostenlose Familienversicherung wäre also wahrscheinlich weiter möglich. Falls du dabei sicher gehen willst, frage am besten direkt bei der Krankenkasse nach. Was das Wechseln der unterschiedlichen Krankenkassen angeht, so kann ich dir dazu keine Auskünfte im Detail geben, prinzipiell ist ein Wechsel zwischen gesetzlichen Krankenversicherungen aber kein Problem. Auch dazu schadet es nicht, direkt bei der Krankenkasse zu fragen.

    5. Der Bereich der Steuern ist zunächst komplett unabhängig vom Bereich der Sozialversicherung. Hier gilt: Da der Minijob ja vermutlich pauschal mit 2% besteuert ist, zählen die Einkünfte daraus nicht in dein zu versteuerndes Jahreseinkommen hinein. Du müsstest aber ohnehin nur Steuern bezahlen, wenn du mit allen Einkommen gemeinsam die Freibeträge übersteigst und auch nur für den Teil, der darüber liegt. Der Steuergrundfreibetrag beträgt dabei 9.408€/Jahr (Stand 2020). Hinzu kommen 1000€ Werbungskostenpauschale, ggf. Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben.

    Die Pauschalbesteuerung kannst du dir nicht rückerstatten lassen. Anders wäre das, wenn der Minijob auch über Steuer-ID laufen würde. Dann wäre aber vermutlich in einem der beiden Jobs vorab Lohnsteuer fällig, die du dir aber per Steuererklärung zurückerstatten lassen könntest bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf die andere Tätigkeit übertragen könntest.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 07.05.2020


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