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Werkstudent/ HiWi-Job kombinieren

Liebes DGB-Jugend-Team,

ich arbeite als Werkstudentin in einem Unternehmen und da ich gerade meine Stunden dort nicht voll machen kann, möchte ich noch eine Stelle als studentische Hilfskraft an der Uni aufnehmen.

Beide Jobs würden dann je 40h/ Monat umfassen, d.h. das jeweilige Gehalt liegt über 450 Euro (Job 1: 600 Euro/ Job 2: 490 Euro)

Wie würde sich das in Bezug auf meine Steuerabgaben auswirken?

So wie ich es verstehe, würde ich bei Job 1 auch in Steuerklasse I bleiben und weiterhin bloß die werkstudent*innenübliche Rentenversicherung bezahlen und bei Job 2 dann in Steuerklasse VI kommen und entsprechend noch die Lohnsteuer on top bezahlen. Ist das korrekt oder kämen noch weitere Abgaben dazu? Die Angaben hierzu finde ich relativ verwirrdend und mir ist nicht ganz klar, ob ich dann nun plötzlich auch Arbeitslosenversicherung etc. zahlen muss, welche ja als Werkstudentin nicht anfallen.

Über eine Auskunft würde ich mich sehr freuen, da ich auch aus den anderen ähnlichen Anfragen bisher nicht schlau geworden bin.

Vielen Dank!

tina: 05.05.2020 |
  • RE: Werkstudent/ HiWi-Job kombinieren

    Hallo Tina,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst ist es wichtig, Fragen der Sozialversicherung getrennt von Fragen der Steuern zu betrachten.

    In Bezug auf die Sozialversicherung gilt es zweierlei im Blick zu behalten. Zum einen den Status „Werkstudent_in“ in der Sozialversicherung. Da es nicht so aussieht, als würdest du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeiten, kannst/musst du in beiden Jobs in diesem verbleiben. Das hat zur Folge, dass in nur Rentenversicherungsbeiträge (RV) fällig werden, allerdings in beiden Jobs. Diese liegen für dich maximal bei 9,3%, im Übergangsbereich bis 1.300€ etwas reduziert. Hierbei zählen die Einkünfte aus beiden Jobs über 450€ zusammen. Unter obigem Link findest du einen Rechner, mit dem du ausrechnen kannst, wie hoch deine RV-Beiträge voraussichtlich liegen werden. Kranken- und Pflegeversicherung zahlst du dann wie gehabt selbst, Beiträge zur Arbeitslosenversicherung fallen nicht an.

    Das zweite Thema in der Sozialversicherung ist eben dieser Übergangsbereich, der zur Folge hat, dass jeweils in beiden derselbe reduzierte, prozentuale RV-Beitrag fällig werden müsste. Damit deine Arbeitgeber_innen das korrekt melden und berechnen können, musst du sie über die jeweilige andere Tätigkeit informieren.

    Der davon komplett unabhängige Bereich ist der Bereich der Steuern.

    Was diese angeht, so ist die Frage der Steuerklassen unerheblich dafür, was du am Ende real an Steuern bezahlen musst. Deine Einkünfte zählen zusammen, es gibt einen einzigen gemeinsamen Steuersatz. Der Steuergrundfreibetrag beträgt dabei 9.408€/Jahr (Stand 2020). Hinzu kommen 1000€ Werbungskostenpauschale, ggf. Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben. Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf denjenigen Teil, der diesen Betrag übersteigt.
    Die Regel ist nun aber, dass die jährlichen Freibeträge nur in der Lohnsteuerklasse I hinterlegt sind und dein auf Lohnsteuerklasse VI angemeldeter Jobs deshalb unter Umständen einen zu hohen Vorabzug von Lohnsteuer hat.

    Wenn du mehrere Jobs nebeneinander hast, werden die weiteren in der Regel auf Lohnsteuerklasse VI angemeldet und somit wird im zweiten, dritten etc. Job Lohnsteuer eingezogen, auch wenn du die Jahresfreibetragsgrenze voraussichtlich nicht überschreitest. Zuviel gezahlte Steuern kannst du dir aber per Steuererklärung zurückerstatten lassen bzw. auf Antrag auch einen Teil des Freibetrags auf andere Tätigkeiten übertragen.

    Mehr zum Thema Jobkombination kannst du hier nachlesen.

    Übrigens: noch einmal komplett unabhängig davon ist der Bereich des Arbeitsrechts. Das gilt uneingeschränkt, für alle jobbenden Studis, egal wie sie in der Sozialversicherung eingestuft sind. Du hast also in beiden Jobs Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub, usw.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Valentin
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    dgb-jugend: 07.05.2020


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