Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: Aktuelle Infos!


 

Werkstudent und Honorarvertrag

Hallo, 

ich arbeite als studentische Aushilfe in einem Restaurant, am meisten 20 Stunden Wochen in der Woche, aber auch nicht immer. Jetzt habe ich die Möglichkeit bekommen, einen Honorarvertrag in anderem Platz zu bekommen. Da kann ich die Stundenanzahl selbst bestimmen. Ich habe aber folgenden Fragen: 

- wenn ich während Corona nicht in meinem Restaurant arbeite, aber Geld kriege, wie viele Stunden darf ich in den zweiten Platz machen?

- nach Corona: was passiert, wenn ich mehr als diese 20 Stunden in der Woche arbeite (in beiden Plätze zusammen)?
muss ich mich bei der Krankenkasse melden? Muss ich Steuer bezahlen? Muss ich mich bei Finanzamt melden? 

Vielen Dank im voraus. 

Anna  

anna: 08.04.2020 |
Tags:
  • RE: Werkstudent und Honorarvertrag

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort.
    Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudentin angemeldet. Arbeitest du mehr, wirst du im Job voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Das muss aber kein Nachteil für dich sein.

    Der Unterschied:
    Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem kannst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld, Kurzarbeitsgeld oder später ggf. Alg I) erwerben, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

    Dabei wird die Arbeitszeit aus allen Jobs (abhängig und selbstständig) zusammengerechnet, solange du dort weiterhin dein Gehalt erhältst, auch die zugrundeliegende Arbeitszeit im faktisch ruhenden Werkstudijob. Schau dazu mal unter 2. und 3. in unseren Corona-FAQs zur Sozialversicherung.
    Handelt es sich bei dem Honorarjob um eine selbstständige Tätigkeit, greifen dafür eigene gesetzlichen Regelungen (egal ob du insgesamt mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest). Daran musst du dich also unabhängig davon, ob du in deinem Werkstudijob gerade arbeitest oder nicht, halten.

    Denn wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums bis zu einer Gesamtarbeiteszeit von 20h/Woche studentisch krankenversichern oder bei insgesamt regelmäßig über 20h/Woche über deinen anderen Job versichert sein (siehe oben).

    Beachte, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, musst Mitglied einer Kammer werden oder bist rentenversicherungspflichtig.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

    Steuern sind wieder ein eigenes Thema.
    Hier spielt der Studierendenstatus und die 20h-Regel gar keine Rolle, ausschlaggebend ist, wie viel du verdienst. Je mehr du verdienst, desto mehr Einkmmenssteuer wird fällig. Dabei werden aber nicht schon ab dem 1. Cent Steuern fällig.

    Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

    Schau auch gern mal in unsere Corona-FAQs für Studierende und nutze unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 09.04.2020


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB