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Steuer

Ich bin selbständige Heilpraktikerin und studiere Medizin gleichzeitig. Ich möchte zusätzlich einen Job als studentische Hilfskraft nehmen. Können Sie mir sagen wie es mit dem Steuer dann funktionieren würde. Zur Zeit verdiene ich ungefähr 20 000€ pro Jahr als Freiberufler. Ich muss aber kein Umsatzsteuer bezahlen weil ich Heilpraktiker bin (wie bei den Ärzten). Bie dem Job würde ich vielleicht 800€ pro Monat verdienen. Müsste ich mit dem neuen Job dann doch Umsatzsteuer bezahlen? Und wird mein Einkommen aus der Selbständigkeit mit dem studentische Hilfskraft-Job zusammen gerechnet und daraus Einkommensteuerhöhe gerechnet?

Mary : 23.03.2020 |
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  • RE: Steuer

    Hallo Mary,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Grundsätzlich werden selbstständige Tätigkeiten und abhängige Beschäftigungen getrennt betrachtet und nach unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen behandelt.
    Selbstständige Tätigkeiten sind bis auf ein paar Besonderheiten in der Rentenversicherung sozialversicherungsfrei, während abhängige Beschäftigungen sozialversicherungspflichtig sind (Ausnahme geringfügige Beschäftigungen/Minijobs bzw kurzfristig).

    Ich gehe mal davon aus, dass du mit der Tätigkeit als Heilpraktikerin zusammen mit dem zusätzlichen Job insgesamt über 20h/Woche arbeiten würdest.
    Dann bist du in dem Job ganz normal als Arbeitnehmerin anzumelden. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt aus der abhängigen Beschäftigung Beiträge in die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (RV, KV, PV, AV, insgesamt ca. 20%) abgeführt werden. Darüber bist du dann auch krankenversichert. Bis zur Grenze von 1.300 Euro wird außerdem nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der SV-Beiträge heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. In der sogenannten Midijobformel reduziert dann ein Faktor die Höhe des Arbeitsentgelts als Grundlage für die Beitragsberechnung. Mehr dazu hier.

    Ob du dich trotzdem noch weiterhin freiwilig als Selbstständige krankenversichern musst, hängt davon ab, ob deine selbstständige Tätigkeit haupt- oder nebeberuflich ist. Wird deine selbstständige Tätigkeit als nebeberuflich eingestuft, entfällt die teure freiwllige KV und die Krankenversicherung über deinen Job ist dann ausreichend.

    Für die Einkommenssteuer ist dein gesamtes Einkommen relevant. Der Steuergrundfreibetrag in Höhe von derzeit 9408€/Jahr gilt insgesamt für beide Einkünfte, für die abhängige Beschäftigung kopmmen nochmal 1000€ Werbungskostenpauschale. Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und zwar auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.
    Bei abhängiger Beschäftigung wirst du über deine Steuer-ID abgerechnet. Bei einer Gehaltshöhe von um die 800€/Monat fallen über Lohnsteuerklasse (LSK) 1 aber noch keine Lohnsteuereinzüge an, da in der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen. Es ist aber wahrscheinlich, dass sich deine Einkommssteuerschuld insgesamt erhöht, du also nach Abgabe deiner Steuererklärung mit einer höheren Einkommenssteuer rechnen musst als bisher. 

    Mit der Umsatzsteuer hat das nichts zu tun. Hier ist nur deine selbstständige Tätigkeit relevant. Du wirst also nicht durch die Aufnahme einer zusätzlichen abhängigen Beschäftigung umsatzsteuerpflichtig.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Und was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen

    Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung

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    Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

    dgb-jugend: 24.03.2020


  • Steuer

    Vielen Dank! Nein, ich würde weniger als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Die Firma will mich nur als Studentische Hilfskraft anstellen so dass sie, glaube ich, nur Rentenversicherung bezahlen. 

    Wäre das dann anders mit dem Steuer? Und all SV müsste ich auch dann selber bezahlen, oder?

    Mary: 24.03.2020


  • RE: Steuer

    Hallo Mary,

    Steuern und Sozialversicherung (SV) sind zwei völlig unterschiedliche Bereiche!

    Die 20h-Regel und der Studierendenstatus spielen nur in der SV eine Rolle, für den Bereich Steuern ist das irrelevant, dort zählt nur, wie viel du verdienst (und welche Ausgaben du geltend machen kannst). Es ist für den Bereich Steuern also egal, ob du als Werkstudentin angemeldet wirst oder nicht, das oben beschriebene trifft auch dann zu.

    In der SV gibt es einen Sonderstatus für Studierende, den Vollzeitstudent_innen in der Regel immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit insgesamt und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Wenn du also zum Beispiel 15h/Woche im Werkstudijob arbeitest, kannst du noch höchstens 5h/Woche als Heilpraktikerin tätig sein (inkl. Vor- und Nachbereitung sowie Papierkram), ohne dass der Werkstudent_innenstatus in der SV entfällt.

    Als Werkstudentin angemeldet zu sein bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Daher müssen Arbeitgeber_innen für Werkstudent_innen ebenfalls nur den Rentenversicherungsanteil zahlen. Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.

    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (da du bereits über 30 bist: freiwillig mind. 180€/Monat, bei Einkünften über ca. 1062€/Monat steigt der Beitragssatz). Für dich ist es also deutlich teurer als Werkstudentin angemeldet zu sein als wenn du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet werden würdest, nur dein Arbeitgeber (AG) spart so Geld.
    Wenn die Probezeit vorbei ist (falls es überhaupt eine gibt), kannst du auch einfach wieder mehr als Heilpraktikerin arbeiten udn so über die 20h-Grenze kommen. Dann muss dich dein AG ummelden und du kannst voll sv-pflichtuig angemekldet werden.
    Beachte: es handelt sich hier bei der 20h/Woche ausschließlich um eine sozialversicherungsrechtliche Orientierungsgrenze! Arbeitsrechtlich spielt der Werkstudistatus keine Rolle. Dein Vertrag gilt auch als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin ganz normal weiter und du darfst nicht gekündigt werden, nur weil sich dein SV-Status ändert!


    Beste Grüße
    Andrea
    DGB-Jugend Studierendenberatung
     

    dgb-jugend: 26.03.2020


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